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EINLADUNG
Zur Deutschlandpremiere des Filmes "Sessiz Oeluem" ("Der Stille Tod")
ueber Isolationshaft in Europa
in Anwesenheit des Regisseurs Hueseyin KARABEY & Mitwirkenden aus dem
Baskenland, Nordirland und Deutschland.
am 9.12.2001 in Berlin
Kino NEUES OFF, Hermannstr. 20, U-Hermannplatz (Neukoelln)
Beginn: 16.00 Uhr
SESSIZ OeLUeM (DER STILLE TOD) ist nach dem mit mehreren internationalen
Filmpreisen ausgezeichneten Kurzfilm BORAN (1999) das neueste Werk des
Regisseurs Hueseyin Karabey. SESSIZ OeLUeM wurde im April 2001 auf dem
Istanbuler Filmfestival welturaufgefuehrt und rief ein grosses Interesse
hervor.
Der Regisseur steht fuer Interviewes ab dem 7.12. gerne zur Verfuegung.
Eine Veranstaltung der Kampagne Libertad! in Zusammenarbeit mit A-SI
(Istanbul)
Spendenkonto zur Unterstuetzung der Hungerstreikenden in der Tuerkei:
Libertad! e.V., KNr: 20215810, Oekobank (BLZ: 50090100),
Stichwort "Sessiz Oeluem"
Kontakt: Libertad! Berlin, Yorkstr. 59, 10965 Berlin,
Tel: (+49) 030 - 788 999 01, Fax:
(+49) 030 - 788 999 02,
eMail: berlin@libertad.de, kampagne@libertad.de, Internet: www.libertad.de
Hueseyin Karabey ueber "Sessiz Oeluem" - "Der Stille Tod"
"Zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember 2000 machte ich in sechs
Laendern Filmaufnahmen mit etwa 30 Menschen, die laengere Zeit in
Isolationshaft waren. Acht Monate vorher begann in der Tuerkei die
Diskussion ueber die sog. "F-Typ"-Gefaengnisse. Damals erweckten einige
Aeusserungen des Justizministers meine Aufmerksamkeit. "Wir wollen die
europaeischen Standards in die tuerkischen Gefaengnisse einfuehren, damit
unsere Gefaengnisse wie die europaeischen sein werden", hiess es.
Um diese europaeischen Standards zu verstehen, entschloss ich mich, einen
Dokumentarfilm zu drehen. Denn in unserem Land glaubt man, dass alles, was
aus Europa kommt, vorteilhaft ist. Die Recherchen fuer den Film begann ich
in Deutschland. Spaeter kamen dann Spanien, Italien und die USA hinzu.
Offen gesagt, schon das, was mir in den Vorgespraechen zu den spaeteren
Aufnahmen begegnete, war furchterregend. Denn die Haftmethode, die jetzt
in der Tuerkei eingefuehrt werden soll, entspricht dem, was in Europa und
den USA als Isolationshaft praktiziert wird. Die Grundidee dieses Systems
ist, dass der Mensch von allen Sinnesreizen der Aussenwelt, der Natur
beraubt wird, um so seinePersoenlichkeit zu vernichten.
Die Isolationshaft betrifft nicht nur die Gefaengnisse. Sie ist auch etwas,
was gegen die Gesellschaft gerichtet ist. Wir werden daher bereits in
Kuerze das Recht haben, als Gesellschaft nicht zu wissen, was in den
Gefaengnissen passiert. Eigentlich ist es bereits jetzt der Fall... Wissen
Sie beispielsweise, was sich dort zur Zeit abspielt? Wahrscheinlich sind
wir die einzigen, die nicht wissen was wirklich geschieht. Mein Glaube an
das Unwissen und meine Furcht vor dem neuem Wissen liessen mich zum
Zuschauer werden vor den Erlebnissen der juengsten Zeit. Diese Arbeit ist
das Produkt meiner Selbstkritik. Was ich hinterfrage, das bin ich selbst.
Denn es ist das, was am ehesten zu veraendern ist..."
Juni 2001, Hueseyin Karabey (Istanbul)
Die Berliner tageszeitung (taz) schrieb anlaesslich der Welturauffuehrung von
"Sessiz Oeluem" auf dem internationalen Filmfestival von Istanbul im Mai
2001:
....In dem hochaktuellen Dokumentarfilm geht es um die so genannten
F-Type-Gefaengnisse und die Einfuehrung der Isolationshaft fuer politische
Gefangene in der Tuerkei. Das tuerkische Justizministerium hat bereits
drei solcher Gefaengnisse gebaut und acht weitere sind in Planung.
Offiziell werden diese Isolationszellen als "Einrichtungen nach europaeischem
Standard" legitimiert. Diese "Gefaengnisreform" hat seit Oktober
vergangenen Jahres eine riesige Welle von Protesten in der Tuerkei
ausgeloest, allein 32 Menschen starben, als die Polizei im Dezember 2000
insgesamt 20 Gefaengnisse stuermte. Ein Ende des Konflikts ist noch nicht
abzusehen.
Karabey hat fuer seinen Film ueber die umstrittenen Gefaengnisse monatelang in
Europa recherchiert und zeigt an Hand von beklemmenden Interviews mit
politischen Haeftlingen und ihren Familien in Deutschland, Italien,
Spanien und den USA die realen psychischen und physischen Auswirkungen der
Isolationshaft. Der dreissigjaehrige Dokumentarfilmer, ein sanfter
ehemaliger Student der Wirtschaftswissenschaften, der sich bereits mit
verschiedenen Kurzfilmen ueber die Menschenrechtsverletzungen in der
Tuerkei einen Namen gemacht hat und sich selbst als "vollassimilierter
Kurde" bezeichnet, weiss, wovon er redet: Er hat bereits einige Freunde
durch
den Hungerstreik verloren.
"Ich wage gar nicht mehr, die Namen zu lesen", sagt er, "aus Angst, ich kenne
jemanden unter den Opfern." Acht Monate hat er selbst vor einigen Jahren
als politischer Haeftling im Gefaengnis gesessen, nachdem er mit anderen
Studenten waehrend einer Demonstration fuer eine Verbesserung des
Hochschulwesens festgenommen worden war. Schliesslich musste man ihn
freilassen, weil nichts gegen ihn vorlag. Aber schlimmer noch als die
staatlich kontrollierte Zensur ist fuer Karabey die mangelnde
Zivilcourage, die seines Erachtens nach in der Tuerkei herrscht. "Die
meisten Intellektuellen und Kuenstler haben eine Schere im Kopf", klagt
er, "die Zensur braucht gar nicht mehr verordnet zu werden. Und nur wenige
wollen heute ein Risiko eingehen." So wie zum Beispiel Necati Sonmez, ein
bekannter Filmkritiker der linken Tageszeitung Radikal, immerhin eine
der Sponsoren des Festivals. Als er von der Redaktionsleitung gebeten
wurde, er moege doch bitte seinen Leitartikel ueber Karabeys Film durch
einen anderen Text ersetzen, hat er umgehend gekuendigt."
(taz, 17.5.01, Barbara Lorey De Lacharriére)
Zu Hueseyin Karabey
Hueseyin Karabey wurde 1970 in Istanbul geboren und drehte bislang fuenf
Dokumentationen und drei dramaturgische Filme. Karabeys Filme sind weder
geradlinige Dokumentationen noch rein dramatische Werke. Sie haben einige
Unterschiede in der Filmtechnik zu beiden Genres. "Wir stellen
Verbindungen her zwischen Szenen, die in der Vergangenheit aufgenommen
wurden und Szenen, die in der Gegenwart entstehen. Beide reflektieren
reale Lebenserfahrungen. Einige Szenen wurden in realer Aktion
aufgenommen, andere auf der Buehne dargestellt. Es ist nicht einfach, die
Grenze zwischen beidem klar zu ziehen.Die Szene, die auf der Buehne
aufgenommen wurde, ist genauso dramatisch wie der Rest. Die Passagen in
BORAN etwa, wo Angehoerige stumm auf einer Muellkippe suchen, die
Konversation und die abschliessende Ohn-machtsszene; das ist nicht nur
dramatisch, und wenn es verbunden wird mit Szenen auf der Buehne, ist
es nicht rein dokumentarisch ..."
(Hueseyin Karabey)
Filme von Hueseyin Karabey:
ATRUS-CAMP (1996, 25min - Die Flucht einer kurdischen Familie in den Nordirak); 1. MAI
(1997, 45min - Der Tod am Tag der Arbeit);
Baccelors Inns (1997, 45min - kurdische Arbeiter in Istanbul);
Sein Name: Aytaç (1998, 45min - Die Biografie des tuerk. Schauspielers
Aytaç Arman);
Verlorene Menschen und die StraSSe (1998, 45min - Strassenkinder und ihre
Familien);
Boran (1999, 35min - "Verschwundene" in der Tuerkei). BORAN erhielt 1999
den Preis des tuerkischen Kulturministeriums auf dem intern.
Kurzfilmfestival in Antalya sowie weitere Auszeichnungen auf den
Filmfestivals von Tel Aviv, Imola und Santiago de Chile.
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mailto: berlin@libertad.de
25.11.2001
ralf@anarch.free.de (Ralf Landmesser)