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a-infos-de24 V1 #236

a-infos-de24 Sunday, November 25 2001 Volume 01 : Number 236

Subjects in this Issue: (de) gipfelsturm-rund-mail (de) Aufruf zu einem internationalen SchulerInnen- und StudentInnenstreik gegen den Krieg in Afghanistan (en, fr) (de) SCHUSSE AUF ANARCHOSYNDIKALISTISCHE SYMPATHISANTEN IN SAO PAULO, BRASILIEN (de) Berlin: Filmpremiere DER STILLE TOD ueber Isolationshaft

Date: Sat, 24 Nov 2001 05:51:31 -0500 (EST) From: gipfelstuermen@gmx.net Subject: (de) gipfelsturm-rund-mail

A - I N F O S N E W S S E R V I C E http://www.ainfos.ca/

hallo leute, wir waren in letzter zeit nicht faul und können euch einige neuigkeiten berichten. zunächst: wir haben einen bus organisiert und laden alle, die lust haben an den grenzaktionen in aachen und dem kongress teilzunehmen, dazu ein, sich mit auf die reise zu machen. infos zum bus nach aachen, mit dem ziel brüssel, gibt es unter unserer mail-adresse: gipfelstuermen@gmx.net desweiteren rufen wir alle leute dazu auf, auf dem weg nach brüssel in aachen vorbeizukommen und sich an den grenzaktionen und dem kongress zu beteiligen. je mehr wir sind, desto mehr werden wir erreichen und können unseren grenzübertritt durchsetzen. dazu gibt es eine info-veranstaltung im berliner KATO. im 'summer of resistance - reader' blicken einige antikapitalistInnen zurück auf die ereignisse dieses jahres: gesammelte texte und analysen, neue denkanstöße, perspektiven einer antikapitalistischen emanzipativen bewegung von unten.

also, no justice no peace - nur eine gesellschaft ohne herrschaftstrukturen ist erstrebenswert! eure gipfelstürmerInnen.

- 1. Info-Veranstaltung zu den geplanten Grenzaktionen und Brüssel im KATO, Berlin 2. Open-Up: Aufruf zu Grenzaktionen und einem Kongress in Aachen 3. vorläufiges Programm in Aachen 4. Der Summer of Resistance - Reader ist da !! -

- 1. Brüssel-Infoveranstaltung im KATO, Berlin - Auch wir mobilisieren von Berlin nach Brüssel und beteiligen uns an der Grenzaktion. Hierzu gibt es eine

Brüssel-Info-Veranstaltung am Freitag, den 30.11.01 um 19 Uhr im KATO, im U-Bhf. Schlesisches Tor, Berlin.

wir werden voraussichtlich über folgende Themen informieren: * Infos zu den geplanten Aktionen in Brüssel (belg. AktivistInnen) * Vorstellung Grenzaktionen, Busidee und Kongress in Aachen * Rechtsinfos und Antirepressionsstrukturen während des Gipfels * Beitrag von the Voice zum Sicherheitspaket * EU-Kritik; EU und Globalisierung * evtl. Infos zu Ausreiseverboten und Reisebeschränkungen

Weitere Infos gibt´s bald auf unserer Webseite!

- 2. Aufruf zu Grenzaktionen und einem Kongress in Aachen - In Bewegung bleiben! Neue Gesetze, alte Grenzen?

13.- 15.Dez.:EU-Gipfel in Brüssel 11.- 14.Dez.:Direkte Aktionstage an der Aachener Grenze

Ausreiseverbote , Einreisesperren, Hooligangesetze, Meldeauflagen, Residenzpflicht.....

Spätestens seit Genua aber eigentlich schon seit Göteborg ist klar, daß die sogenannten Hooligangesetze jetzt auch auf Linke und insbesondere die sog. GlobalisierungsgegnerInnen angewendet werden. Das heißt, daß die bis zum Mauerfall viel gepriesene Reisefreiheit zwecks Aushebelung des Demonstrationsrechtes eingeschränkt wird. Leute wurden an den Grenzen aufgehalten oder mußten sich bereits in ihren Wohnorten während des Gipfels polizeilich melden. Sie durften die Stadt nicht verlassen. Flüchtlingsinitiativen führen seit einem Jahr eine Kampagne gegen die ihnen auferlegte Residenzpflicht, die ihnen verbietet, den Landkreis zu verlassen. Sie werden dadurch daran gehindert, sich in Deutschland frei zu bewegen und insbesondere sich politisch zu engagieren. Statt daß die Residenzpflicht abgeschafft wird, werden nun ähnliche Strukturen zumindest zeitlich begrenzt auf andere Personengruppen übertragen.

Die seit dem 11.9. mit der Antiterrorhetze einhergehenden Diskussionen um Abbau von Bürgerrechten, Ausbau der Rasterfahndung und der Vereinfachung des Datenabgleichs machen Widerstand gleichermaßen notwendiger wie schwieriger. Wir schlagen vor, zu den Protesten zum EU Gipfel vom 13. -15. Dezember in Brüssel nicht klammheimlich über die grüne Grenze zu gehen. Wir plädieren für Aktionstage vom 11.-14.12 an der deutsch-belgischen Grenze in Aachen !

Wir wollen mit möglichst vielen Leuten über die Grenze gehen. Mit einem kollektiven Grenzübertritt und öffentlichkeitswirksamen Aktionen, Blockaden und Demos wollen wir politischen und praktischen Druck erzeugen, so daß gerade auch Leute, die Probleme beim Grenzübetritt haben werden, die Grenze passieren können.Unser Interesse liegt aber auch daran, diese neue Repression öffentlich zu machen. Aus diesem Grund und auch, um das öffentliche Interesse an den Aktionstagen in Aachen zu erhöhen, wollen wir dort mit einem Diskussionsforum vor dem Gipfel beginnen.

Das Forum

Dieses soll sich mit der neuen internationalen Repression, dem juristischen Background und unseren möglichen Handlungsperspektiven beschäftigen. Schön wäre es, wenn die schon seit Monaten diskutierten, unterschiedlichen juristischen Ansätze von bundesweiten Sammelklagen gegen Meldepflicht, Ausreiseverbote und Datenweitergabe spätestens auf diesem Forum zusammengeführt werden können und gemeinsam einer stärker interessierter Öffentlichkeit gegenüber geäußert werden können. Das vorläufige Programm des Diskussionforums findet ihr weiter unten.

Die Aktionstage

Freitag wollen mehrere hundert Leute mit einem Bus- und Autokonvoi die Grenze überqueren. Um den kollektiven Grenzübertritt durchzusetzen und auf das ganze aufmerksam zu machen , wollen wir schon ab Mittwoch begleitend zum Diskussionsforum Aktionen an der Grenze und in Aachen durchführen. Sollte der Grenzübertritt aufgrund der Repression nicht klappen, werden wir auf jeden Fall nicht nach Hause fahren, denn die EU ist mehr als Brüssel. Die Möglichkeit einer vorbeugenden Ingewahrsamnahme besteht natürlich immer. Wenngleich dies schon ein Hammer wäre und internationale Medien diese Republik stärker als alle anderen daran messen werden, wie sie mit der Reisefreiheit ihrer Bürger umgeht.

- 3. Aktionstage und Diskussionsforum - VORLÄUFIGES PROGRAMM (Änderungen kommen auf die Homepage s.u.)

Organisatorisches: Jeden Tag gibts von 9 - 10 Uhr ein Orga/Deligiertenplenum Weiterhin bieten wir Räume für Vorbereitungen für die Grenzaktionen, abends ist Vokü im AZ

Di: 11.12 16.00: Forumsbeginn; Themenschwerpunkt: Neue Gesetze zur Einschränkung der Bewegungsfreiheit; Ausbau des Überwachunsapparates, Was ist eigentlich ein "Terrorist" (behubelni); Erfahrungsberichte des EA-Berlin/Milanoanschließend Dias von der Fahrradkarawane nach Genua, Film zu Göteborg und Film zum Suimmer of resistance

Mi: 12.12 Foren zu folgenden Themen: Block 1: 10-12.00 - - Repression im Netz (mit Libertad und evtl. CCC ) - - konkreter Widerstand gegen Reisefreiheitsbeschränkung(insb. juristisches Vorgehen) - - Rasterfahndung(Gruppe der Uni aachen) - - Rechtsinfos zu Belgien (in Arbeit)

Mittags: Aktion zur Grenze

Block 2: 16-18.00 - - Reisebeschränkungen gegenüber MigrantInnen (The VOICE ) - - Widerstand gegen Netzrepression Anwendung des PGP Verschlüsselungsprogramms - - Infos zur EU-Politik

+ noch mehr Veranstaltungen in Vorbereitung + Workshops zur Vorbereitung der Aktionen, Ideen+ Material mitbringen !

18.00: offenes Plenum abends Konzert (wohl Ska, konkret angedacht)

Do: 13.12 10-11.30: Globale Wirtschaft; Repression und globaler Widerstand am Beispiel von PGA 12 - 14 : Präsentation der Ergebnisse der AGs ( = Abschlußplenum)

nachmittags: Aktion zur Grenze + 18 Uhr Demonstration

Fr: 14.12 8.00 Treffen zum kollektiven Grenzübertritt ( Treffpunkt im Raum Aachen wird noch bekanntgegeben od. Infotelefon kontaktieren)

Orgas: Um Pennplätze wird sich zur Zeit gekümmert. Damit das Kümmernn klappt, ist es notwendig, daß sich Leute schnellstmöglich "anmelden". Ab Dienstag gibts im Roten Büro einen Infopoint Infos zur Lage an der Grenze und in Brüssel.

Es werden noch Leute gesucht die sich an Kongreß und Aktionstagevorbereitung beteiligen. Das nächste Vorbereitungstreffen dafür ist am Sa. 1.12 ab 15 Uhr im Roten Büro in Aachen Adr. s. u., Infotelefon für Aktionstage und Kongreß 0241/5152476 und 0179/1896620 oder openup@gmx.li , oder OPENUP, Rotes Büro, Charlottenstr.6, 52070 Aachen oder http://www.nadir.org/ nadir/ initiativ/ rotes_buero/ Gruppen/ behubelni.htm Spenden brauchen wir auch: Rotes Büro Aachen, Verwendungszweck Camp, Sparkasse Aachen, Ktonr.: 20026175, BLZ 39050000

- 4. Der Summer of Resistance - Reader ist fertig !! - Der Ultimative Summer of Resistance-Auswertungs- und Perspektivreader ist nun fertig und kann für mindestens 2 DM plus Porto unter: we_are_everywhere@gmx.net bestellt werden oder bald in den inschlägigen Berliner Infoläden gekauft werden!

Vorwort des Readers: Der Sommer ist vorbei. Wir haben den "Sheriffs" ziemlich eingeheizt, aber sie uns auch. Nach Göteburg und Genua dachten viele, daß sich jetzt vieles ändern würde. Viel Wut, viel Entschlossenheit. Doch wenn wir ehrlich sind, ist für die meisten von uns der alte Politix-Alltag schon wiedereingekehrt. Viele Ideen und Vorsätze sind schon wieder fast vergessen. Das einzige, was sich definitiv geändert hat ist die zunehmende Härte der staatlichen Repression, der wir viel zu wenig entgegensetzen (können). Das darf nicht so bleiben. In diesem Reader haben wir verschiedene Texte zusammengestellt, die die Ereignisse des Sommers und den Stand der Bewegung analysieren sowie Perspektivideen für die Bewegung aufzeigen. Wir hoffen dadurch Diskussionsprozesse in Gang zu setzen bzw. laufenden Diskussionsprozessen neue Impulse zu geben, die das Ziel haben sollten eine stärkere und breitere weltweite antikapitalistische Bewegung zu schaffen, die sowohl effektive und breite lokale Strukturen aufbaut wie auch erfolgreichen Widerstand bei großen internationalen Treffen der Machteliten leisten kann. Wir sehen uns in Brüssel bzw. bei den parallel stattfindenden Grenzaktionen.

Let's trouble the Sheriffs! Einige AntikapitalistInnen

- --------------> smash capitalism°!°

[homepage: www.gipfelsturm.net] [e-mail: gipfelstuermen@gmx.net] [jeden sonntag bist du herzlich zu unserem offenen plenum eingeladen. immer um 15uhr in der köpi, köpenickerstrasse 137, berlin-mitte]

- -- GMX - Die Kommunikationsplattform im Internet. http://www.gmx.net Nachrichten über und von Interesse für Anarchisten

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Date: Sat, 24 Nov 2001 17:06:28 -0500 (EST) From: "Cercle social" <cerclesocial@altern.org> Subject: (de) Aufruf zu einem internationalen SchulerInnen- und StudentInnenstreik gegen den Krieg in Afghanistan (en, fr)

A - I N F O S N E W S S E R V I C E http://www.ainfos.ca/

WEDER KRIEG NOCH GRENZEN!

AUFRUF ZUM STREIK

AM MITTWOCH, DEN 5. DEZEMBER

Am 11. September 2001 hat eine Handvoll Individuen einen Akt roher Gewalt verübt, welcher viele ZivilistInnen tötete. Dieser verabscheuungswürdige und unmenschliche Akt wurde durch einen anderen verabscheuungswürdigen und unmenschlichen Akt beantwortet. Dem religiösen Terrorismus wird mit Staatsterrorismus begegnet. Um ihr Gewissen zu beruhigen, haben die US-Amerikanischen Autoritäten diesem Krieg eine humanistische Rechtfertigung gegeben: sie sagen, sie wollen Terroristen bestrafen und die Taliban-Diktatur beseitigen, aber es ist die gesamte Zivilbevölkerung, die bombardiert wird. Zugleich werfen sie Lebensmittel ab, für den Fall, dass Tote noch hungrig sind. Aber die wahren Gründe dieses Krieges liegen woanders. Wie im Irak oder im Kosovo sind hinter den humanistischen Vorwänden ökonomische Interessen versteckt. Ein weiteres Mal versuchen die Vereinigten Staaten, ihren finanziellen Einfluss auszuweiten und fremde Territorien zu kontrollieren. Es gibt keinen sauberen Krieg.

* Wir finden, dass der Krieg keine Lösung für das Problem des Terrorismus ist und lehnen das Gesetz der Vergeltung ab.

* Wir weigern uns, dem Massaker an unschuldigen ZivilistInnen tatenlos zuzusehen. Wir lehnen die Staaten ab, die allein über die Zukunft der Menschheit entscheiden.

* Wir betrachten uns als AntimilitaristInnen.

* Wir lehnen alle Kriege ab und meinen, dass nichts so einen Unsinn wie Krieg rechtfertigen kann.

Dem Krieg passiv gegenüberstehen, heißt ihn zu akzeptieren. Ihn zu akzeptieren, heißt zu ihm beizutragen.

EINE ANDERE WELT IST NÖTIG!

Kollektiv GymnasiastInnen gegen den Krieg (Lille, Frankreich)

Kontakt: nonalaguerrelille@altern.org

übersetzt von Michael (Leipzig)

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Date: Sun, 25 Nov 2001 03:23:57 -0500 (EST) From: fau-lat <fau-lat@anarch.free.de> Subject: (de) SCHUSSE AUF ANARCHOSYNDIKALISTISCHE SYMPATHISANTEN IN SAO PAULO, BRASILIEN

A - I N F O S N E W S S E R V I C E http://www.ainfos.ca/

In der Nacht vom 17. auf den 18. November wurden drei Arbeiter, Sympathisanten der COB-IAA (Sao Paulo) in der Nähe ihrer Wohnungen beschossen, nachdem sie an einem Fußballspiel in einem Vorort teilgenommen hatten, in dem die Errichtung einer sozialen Bibliothek geplant ist.

Einer von ihnen, ein Mitglied der Hip-Hop-Gruppe ARSENAL & CAMBURAO wurde von zwei Schüssen getroffen, von denen einer die Lunge durchschlug. Ein zweiter wurde von vier Schüssen getroffen; es ist möglich, dass seine Beine gelähmt bleiben werden. Zwei weitere Kugeln trafen den dritten.

Nachbarn lieferten sich sofort einen Schußwechsel mit den Angreifern, denen es gelang in ihrem Auto zu flüchten.

Es wird vermutet, dass die Angreifer von den offiziellen Gewerkschaften beauftragt wurden, weil es nicht das erste Mal ist, dass Mitglieder der COB-IAA in Sao Paulo wegen ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten verfolgt wurden. Bislang allerdings nicht in einer solche Weise.

Weitere Informationen: profosp@bol.com.br

[Übersetzung aus dem Portugiesischen: FAU-IAA (www.fau.org)]

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Date: Sun, 25 Nov 2001 12:57:57 -0500 (EST) From: ralf@anarch.free.de (Ralf Landmesser) Subject: (de) Berlin: Filmpremiere DER STILLE TOD ueber Isolationshaft

A - I N F O S N E W S S E R V I C E http://www.ainfos.ca/

EINLADUNG

Zur Deutschlandpremiere des Filmes "Sessiz Oeluem" ("Der Stille Tod") ueber Isolationshaft in Europa

in Anwesenheit des Regisseurs Hueseyin KARABEY & Mitwirkenden aus dem Baskenland, Nordirland und Deutschland.

am 9.12.2001 in Berlin

Kino NEUES OFF, Hermannstr. 20, U-Hermannplatz (Neukoelln)

Beginn: 16.00 Uhr

SESSIZ OeLUeM (DER STILLE TOD) ist nach dem mit mehreren internationalen Filmpreisen ausgezeichneten Kurzfilm BORAN (1999) das neueste Werk des Regisseurs Hueseyin Karabey. SESSIZ OeLUeM wurde im April 2001 auf dem Istanbuler Filmfestival welturaufgefuehrt und rief ein grosses Interesse hervor.

Der Regisseur steht fuer Interviewes ab dem 7.12. gerne zur Verfuegung.

Eine Veranstaltung der Kampagne Libertad! in Zusammenarbeit mit A-SI (Istanbul) Spendenkonto zur Unterstuetzung der Hungerstreikenden in der Tuerkei: Libertad! e.V., KNr: 20215810, Oekobank (BLZ: 50090100), Stichwort "Sessiz Oeluem" Kontakt: Libertad! Berlin, Yorkstr. 59, 10965 Berlin, Tel: (+49) 030 - 788 999 01, Fax: (+49) 030 - 788 999 02, eMail: berlin@libertad.de, kampagne@libertad.de, Internet: www.libertad.de

Hueseyin Karabey ueber "Sessiz Oeluem" - "Der Stille Tod"

"Zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember 2000 machte ich in sechs Laendern Filmaufnahmen mit etwa 30 Menschen, die laengere Zeit in Isolationshaft waren. Acht Monate vorher begann in der Tuerkei die Diskussion ueber die sog. "F-Typ"-Gefaengnisse. Damals erweckten einige Aeusserungen des Justizministers meine Aufmerksamkeit. "Wir wollen die europaeischen Standards in die tuerkischen Gefaengnisse einfuehren, damit unsere Gefaengnisse wie die europaeischen sein werden", hiess es. Um diese europaeischen Standards zu verstehen, entschloss ich mich, einen Dokumentarfilm zu drehen. Denn in unserem Land glaubt man, dass alles, was aus Europa kommt, vorteilhaft ist. Die Recherchen fuer den Film begann ich in Deutschland. Spaeter kamen dann Spanien, Italien und die USA hinzu. Offen gesagt, schon das, was mir in den Vorgespraechen zu den spaeteren Aufnahmen begegnete, war furchterregend. Denn die Haftmethode, die jetzt in der Tuerkei eingefuehrt werden soll, entspricht dem, was in Europa und den USA als Isolationshaft praktiziert wird. Die Grundidee dieses Systems ist, dass der Mensch von allen Sinnesreizen der Aussenwelt, der Natur beraubt wird, um so seinePersoenlichkeit zu vernichten. Die Isolationshaft betrifft nicht nur die Gefaengnisse. Sie ist auch etwas, was gegen die Gesellschaft gerichtet ist. Wir werden daher bereits in Kuerze das Recht haben, als Gesellschaft nicht zu wissen, was in den Gefaengnissen passiert. Eigentlich ist es bereits jetzt der Fall... Wissen Sie beispielsweise, was sich dort zur Zeit abspielt? Wahrscheinlich sind wir die einzigen, die nicht wissen was wirklich geschieht. Mein Glaube an das Unwissen und meine Furcht vor dem neuem Wissen liessen mich zum Zuschauer werden vor den Erlebnissen der juengsten Zeit. Diese Arbeit ist das Produkt meiner Selbstkritik. Was ich hinterfrage, das bin ich selbst. Denn es ist das, was am ehesten zu veraendern ist..."

Juni 2001, Hueseyin Karabey (Istanbul)

Die Berliner tageszeitung (taz) schrieb anlaesslich der Welturauffuehrung von "Sessiz Oeluem" auf dem internationalen Filmfestival von Istanbul im Mai 2001:

....In dem hochaktuellen Dokumentarfilm geht es um die so genannten F-Type-Gefaengnisse und die Einfuehrung der Isolationshaft fuer politische Gefangene in der Tuerkei. Das tuerkische Justizministerium hat bereits drei solcher Gefaengnisse gebaut und acht weitere sind in Planung. Offiziell werden diese Isolationszellen als "Einrichtungen nach europaeischem Standard" legitimiert. Diese "Gefaengnisreform" hat seit Oktober vergangenen Jahres eine riesige Welle von Protesten in der Tuerkei ausgeloest, allein 32 Menschen starben, als die Polizei im Dezember 2000 insgesamt 20 Gefaengnisse stuermte. Ein Ende des Konflikts ist noch nicht abzusehen. Karabey hat fuer seinen Film ueber die umstrittenen Gefaengnisse monatelang in Europa recherchiert und zeigt an Hand von beklemmenden Interviews mit politischen Haeftlingen und ihren Familien in Deutschland, Italien, Spanien und den USA die realen psychischen und physischen Auswirkungen der Isolationshaft. Der dreissigjaehrige Dokumentarfilmer, ein sanfter ehemaliger Student der Wirtschaftswissenschaften, der sich bereits mit verschiedenen Kurzfilmen ueber die Menschenrechtsverletzungen in der Tuerkei einen Namen gemacht hat und sich selbst als "vollassimilierter Kurde" bezeichnet, weiss, wovon er redet: Er hat bereits einige Freunde durch den Hungerstreik verloren. "Ich wage gar nicht mehr, die Namen zu lesen", sagt er, "aus Angst, ich kenne jemanden unter den Opfern." Acht Monate hat er selbst vor einigen Jahren als politischer Haeftling im Gefaengnis gesessen, nachdem er mit anderen Studenten waehrend einer Demonstration fuer eine Verbesserung des Hochschulwesens festgenommen worden war. Schliesslich musste man ihn freilassen, weil nichts gegen ihn vorlag. Aber schlimmer noch als die staatlich kontrollierte Zensur ist fuer Karabey die mangelnde Zivilcourage, die seines Erachtens nach in der Tuerkei herrscht. "Die meisten Intellektuellen und Kuenstler haben eine Schere im Kopf", klagt er, "die Zensur braucht gar nicht mehr verordnet zu werden. Und nur wenige wollen heute ein Risiko eingehen." So wie zum Beispiel Necati Sonmez, ein bekannter Filmkritiker der linken Tageszeitung Radikal, immerhin eine der Sponsoren des Festivals. Als er von der Redaktionsleitung gebeten wurde, er moege doch bitte seinen Leitartikel ueber Karabeys Film durch einen anderen Text ersetzen, hat er umgehend gekuendigt."

(taz, 17.5.01, Barbara Lorey De Lacharriére)

Zu Hueseyin Karabey

Hueseyin Karabey wurde 1970 in Istanbul geboren und drehte bislang fuenf Dokumentationen und drei dramaturgische Filme. Karabeys Filme sind weder geradlinige Dokumentationen noch rein dramatische Werke. Sie haben einige Unterschiede in der Filmtechnik zu beiden Genres. "Wir stellen Verbindungen her zwischen Szenen, die in der Vergangenheit aufgenommen wurden und Szenen, die in der Gegenwart entstehen. Beide reflektieren reale Lebenserfahrungen. Einige Szenen wurden in realer Aktion aufgenommen, andere auf der Buehne dargestellt. Es ist nicht einfach, die Grenze zwischen beidem klar zu ziehen.Die Szene, die auf der Buehne aufgenommen wurde, ist genauso dramatisch wie der Rest. Die Passagen in BORAN etwa, wo Angehoerige stumm auf einer Muellkippe suchen, die Konversation und die abschliessende Ohn-machtsszene; das ist nicht nur dramatisch, und wenn es verbunden wird mit Szenen auf der Buehne, ist es nicht rein dokumentarisch ..."

(Hueseyin Karabey)

Filme von Hueseyin Karabey: ATRUS-CAMP (1996, 25min - Die Flucht einer kurdischen Familie in den Nordirak); 1. MAI (1997, 45min - Der Tod am Tag der Arbeit);

Baccelors Inns (1997, 45min - kurdische Arbeiter in Istanbul);

Sein Name: Aytaç (1998, 45min - Die Biografie des tuerk. Schauspielers Aytaç Arman);

Verlorene Menschen und die StraSSe (1998, 45min - Strassenkinder und ihre Familien);

Boran (1999, 35min - "Verschwundene" in der Tuerkei). BORAN erhielt 1999 den Preis des tuerkischen Kulturministeriums auf dem intern. Kurzfilmfestival in Antalya sowie weitere Auszeichnungen auf den Filmfestivals von Tel Aviv, Imola und Santiago de Chile. - --

mailto: berlin@libertad.de

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25.11.2001

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