## Nachricht vom 02.12.02 weitergeleitet von LPA Berlin [lpa@free.de]
## Ersteller: piratenutopie@uni.de
Hallo Leute,
Im naechsten Jahr wuerde ich gerne viele, schoene, herrschaftskritische Seminare
machen. Aus der Lust und den positiven Erinnerungen an einige Seminare
im letzten Jahr und dem Frust vieler Seminare, die hierarchisch
organisiert, theoretisch-abgehoben waren und an meinen Beduerfnissen
vorbei gingen, entstand folgende Idee ... bitte weiter leiten, mein
Mailverteiler ist ganz klein und so.
DIE IDEE: Seminare gegen Herrschaft & Verwertung
... eine Reihe autonomer Wochenendseminare, die sich rund um
"Herrschaftskritk und Alternativen" anordnen - inhaltlich wie organisatoris
ch als
Alternative zu bestehenden Seminarangeboten, die haeufig "von oben"
organisiert sind, keine Handlungsorientierung beeinhalten usw. Ein
gemeinsame Oeffentlichkeitsarbeit eines coolen Seminarprogramms
(gekoppelt mit Randalefuehrerin oder anderem Projekt - spart Ressourcen)
faende ich sinnvoll ...
THEMEN
Klar, der schwarze Faden eines solchen Seminarprogramms waere fuer mich
Herrschaftskritk und herrschaftsfreie Gesellschaft, "Widerstand und
Vision". Einige Themen, die mir so im Kopf schwirren - die Liste ist
sicher erweiterbar:
- Feminismus und antisexistische Praxis
- Geschlechterverhaeltnisse
- Queer, Sexualitaet, Beziehungen
- Antirassismus, Nationalismus, Kolonialismus,- Antisemitismus
- Antikapitalismus
- Emanzipatorische Oekologie
- Bildung "von unten"
- Kinderunterdrueckung, Antipaedagogik, Antipsychatrie
- Entscheidungsfindung von unten
- Selbstorganisation in Alltag und Politik, Soziale Gruppe als Basis
- Kreativer Widerstand, Direct Action
- Antirepression, Antiknast, Antimillitarismus
- Freie Menschen in Freien Vereinbarungen, Herrschaftskritik
- Freie Software, Linux
ANSPRUeCHE
Seminare gibt es en masse - fuer mich gibt es einige Ansprueche und
Qualitaeten, die ein solches Seminarprogramm auszeichnen muessten, um mich
zu motivieren. Wichtig faende ich dabei, "Crossovers" zu versuchen, d.h.:
- Herrschaftsverhaeltnisse bzw. Themen in ihrem Bezug aufeinander zu
diskutieren ... z.B. Zusammenhaenge zwischen Oekologie und Kolonialismus,
Feminismus auf Queer Theory treffen lassen usw. Antipatriarchale und
weitere "Herrschaftsbrillen" sollten ueberall praesent sein ...
- Theorie und Praxis zu koppeln: "Widerstand und Vision" ... z.B.Queer
mit Widerstand im Alltag oder feministische Theorie mit Formen des
Dominanzabbaus ("Entscheidungsfindung von unten") zu verbinden
- Ausschluesse aufgrund sozialem Status (was z.B. Reichtum oder Bildung
betrifft), Alter, Geschlecht, Herkunft usw. zu reduzieren, d.h.
Moeglichkeiten zu schaffen, dass auch sehr unterschiedliche Menschen
teilnehmen koennen: Erschwingliche Seminarkosten nach Selbsteinschaetzung,
Mehrsprachigkeit, Diskussionen so fuehren, dass nicht-akedmisch Gepraegte
mitkommen sind ein paar Beispiele
- die Seminare auch als Raum zu begreifen, wo das (Buch-)Projekt "Freie
Menschen in freien Vereinbarungen" weiter entwickelt werden koennte
Der Komplex "Kreative Gruppenprozesse und Dominanzabbau" sollte in alle
Seminare eingebunden werden - nicht nur thematisch, sondern auch im
Ablauf: Seminare mit Schulatmosphoere, vorgegeben Themen und flachen
Hierarchien ("TeamerInnen") gibt es genug! Statt dessen wuensche ich mir ein
Experimentierfeld fuer gleichberechtigen, persoenlichen Umgang, neue Methoden,
selbstbestimmtes Lernen und maximale Selbstentfaltung, orientiert an den
Beduerfnissen derjenigen, die dabei sind. Der Seminarablauf sollte offen
"open spacig" sein, d.h. es gibt keine Vorgaben oder Zwaenge, immer
zusammen sitzen zu muessen, an einem Thema zu diskutieren. Wichtig dafuer
ist eine transparente Vorbereitung und ein Pool von Moeglichkeiten
(Materialien, Raeume usw.) ...
Auch Selbstorganisation sollte mehr sein als theoretischer Anspruch: Reprod
uktive
Taetigkeiten, Kochen, Putzen usw. gehoeren zum Seminar dazu und sollten
meines Erachtens nicht ausgelagert werden.
WAS NUN?
Gesucht sind jetzt u.a. Basisgruppen oder politische Zusammenhaenge vor
Ort, die Lust haben, ein Seminar zu machen und die Rahmenbedingungen
dafuer zu organisieren (Raeume, Nahrung, Foerdergelder usw.). Dadurch wuerde
eine MindesteilneherInnen-Zahl gewaerleistet, da selbst bei massiver
Bewerbung (die 'wir' nicht finanzieren werden koennen) erfahrungsgemaess
nur wenige Menschen fuer Seminare zu begeistern sind. Vielleicht sind
bereits Seminare geplant, die genau in diesen Themenkomplex fallen -
auch die koennen aufgenommen werden in das Programm.
Gesucht werden auch Menschen, die Lust auf bestimmte Themen haben, sich
zutrauen, Seminare inhaltlich vorzubereiten (ein paar sind ja bereits
auf der "ReferentInnen"-Liste unter http://www.hoppetosse.net) und
Tagungshaeuser, die bewegungsorientierter Seminaren Raum bieten moechten. Die
Projektwerkstatt in Saasen koennte ein Ort sein, aber wichtig finde
ich, dass in verschiedenen Regionen was abgeht ...
Verschiedene Menschen habe ich bereits angesprochen, u.a. Leute aus
Magdeburg und Berlin. Auf dem Jugendumweltkonkress in Hamburg
(http://www.jukss.de) will ich verschiedene Arbeitskreise machen und
hoffe dort Menschen fuer weitergehende Debatten zu "gewinnen" ...
vielleicht ergibt sich ja was. Ich peroenlich habe Lust auf die Themen
Entscheidungsfindung von unten, Antisexismus/Feminismus, Queer,
Beziehungen - und hoffe auf Resonanz und konstruktive Vorschlaege!
bye ... Espi
03.12.2002
LPA-DE