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Warum Amerika nicht gewinnen kann
Hütet euch vor uns, denn wir sind viele und ihr seid wenige / Von Arundhati Roy

Kampf dem Imperium - aber wie? Das ist eine große Frage, und ich habe keine einfachen Antworten. Was ist unter "Imperium" zu verstehen - die amerikanische Regierung (und ihre europäischen Satelliten), die Weltbank, der Internationale Währungsfonds, die Welthandelsorganisation, die Multis? Oder mehr? In vielen Ländern hat das Imperium Hilfsagenturen und gefährliche Begleiterscheinungen hervorgebracht: Nationalismus, religiöse Intoleranz, Faschismus und natürlich Terrorismus. Sie alle gehen einher mit der Globalisierung.

Ich möchte das erläutern. Indien, die größte Demokratie der Welt, steht gegenwärtig ganz oben auf der Liste der Globalisierer. Indische Regierung und Eliten heißen Privatisierung und ausländische Unternehmen willkommen. Es ist kein Zufall, daß der Premierminister, der Innenminister, der Minister für Kapitalflucht - jene Männer, die das Geschäft mit Enron unterzeichnet haben, die die Infrastruktur des Landes an ausländische Multis verkaufen, jene Männer, die Wasser, Strom, Erdöl, Kohle, Gesundheits- und Bildungswesen und Telekommunikation privatisieren wollen - durchweg Mitglieder oder Sympathisanten des RSS (Rashtriya Swayamsevak Sangh) sind, einer rechtsextremen Gruppierung, deren Anhänger als Bewunderer Hitlers und seiner Methoden auftreten.

Die Demontage der Demokratie wird mit dem Tempo und der Effizienz eines Strukturanpassungsprogramms durchgeführt. Forcierte Privatisierung und Arbeitsmarkt-"Reformen" vertreiben die Menschen von ihrem Land und aus ihren Jobs. Dieses Klima von Frustration und nationaler Desillusionierung ist, das zeigt die Geschichte, der ideale Nährboden für faschistische Ideologien. Die beiden Arme der indischen Regierung sind perfekt aufeinander eingespielt. Während der eine Arm eifrig dabei ist, große Teile des Landes zu verkaufen, dirigiert der andere einen wütenden Chor hindu-nationalistischer und religiös-faschistischer Stimmen. Er führt Atomtests durch, schreibt Geschichtsbücher um, brennt Kirchen nieder, zerstört Moscheen. Im März 2002 wurden in Gujarat zweitausend Muslime massakriert. Es war ein mit staatlicher Unterstützung durchgeführtes Pogrom. Muslimische Frauen wurden vergewaltigt und anschließend bei lebendigem Leib verbrannt. Geschäfte, Wohnhäuser und Moscheen wurden in Brand gesetzt.

Mythos freier Markt

Während Gujarat brannte, stellte der indische Premierminister auf MTV seine neuen Gedichte vor. Im Dezember 2002 wurde die Regierung, die das Morden organisiert hatte, mit einer satten Mehrheit wiedergewählt. Niemand wurde für den Genozid zur Verantwortung gezogen. Narendra Modi, der Architekt des Pogroms, stolzes Mitglied des RSS, hat seine zweite Amtszeit als Chefminister von Gujarat angetreten. Wäre er Saddam Hussein, würde CNN über all diese Greueltaten natürlich berichten. Weil er das aber nicht ist und weil der indische "Markt" globalen Investoren offensteht, ist das Massaker nicht Mal eine peinliche Randerscheinung. Mehr als hundert Millionen Muslime leben in Indien. Eine Zeitbombe tickt in unserem altehrwürdigen Land.

Die These vom freien Markt, der nationale Schranken überwindet, ist ein Mythos. Der freie Markt untergräbt die Demokratie. Der Abstand zwischen Reich und Arm wird immer größer, der Kampf um die Ressourcen immer aggressiver. Um ihre Geschäftsinteressen durchzusetzen, um sich unsere Agrarprodukte anzueignen, das Wasser, das wir trinken, die Luft, die wir atmen, und unsere Träume, braucht die Globalisierung einen internationalen Verbund von loyalen, korrupten, autoritären Regierungen in den armen Ländern, damit unpopuläre Reformen durchgepeitscht und Aufstände niedergeschlagen werden können.

Die Globalisierung (oder, um es beim Namen zu nennen: der Imperialismus) braucht eine Presse, die so tut, als wäre sie frei. Sie braucht eine Justiz, die so tut, als spräche sie Recht. Gleichzeitig häufen die Länder des Nordens Massenvernichtungswaffen an: Es muß doch gewährleistet sein, daß nur Kapital, Waren, Patente und Dienstleistungen globalisiert werden. Nicht die Bewegungsfreiheit der Menschen. Nicht die Einhaltung der Menschenrechte. Nicht die Abkommen über das Verbot von Rassendiskriminierung, von chemischen und atomaren Waffen, über den Klimaschutz oder, Gott bewahre, über die Errichtung eines Strafgerichtshofs. Das alles ist das "Imperium": diese obszöne Anhäufung von Macht, dieser ungeheure Abstand zwischen Oben und Unten. Unser Kampf, unser Ziel, unsere Vision von einer anderen Welt muß es sein, diesen Abstand aufzuheben.

Wir stehen nicht schlecht da. Es hat wichtige Erfolge gegeben, vor allem hier in Lateinamerika. In Bolivien Cochabamba, in Peru der Aufstand von Arequipa. Und die Augen der Welt richten sich auf die Menschen in Argentinien, die darangehen, ihr vom Internationalen Währungsfonds zugrunde gerichtetes Land wiederaufzubauen. In Indien gewinnen die Globalisierungsgegner an Stärke. Und die schillernden Botschafter der Globalisierung - Enron, Bechtel, WorldCom, Arthur Andersen -, wo waren sie letztes Jahr, und wo sind sie jetzt?

Dennoch erleben viele von uns dunkle Momente der Verzweiflung. Wir wissen, daß unter dem Schirm des Anti-Terror-Krieges Männer in Anzügen fleißig ihren Geschäften nachgehen. Während Marschflugkörper am Himmel auftauchen, werden Verträge unterzeichnet, Patente angemeldet, Erdölpipelines gebaut, Bodenschätze geplündert, Wasservorkommen privatisiert - und George W. Bush ist entschlossen, Krieg gegen den Irak führen. Betrachtet man diesen Konflikt als eine unmittelbare Konfrontation zwischen dem "Imperium" und jenen von uns, die Widerstand leisten, so scheinen wir die Verlierer zu sein.

Man kann es aber auch anders sehen. Wir haben begonnen, das "Imperium" zu zermürben. Wir haben es vielleicht nicht, noch nicht, aufgehalten, aber wir haben es gezwungen, die Maske fallenzulassen. Das Imperium wird vermutlich in den Krieg ziehen, aber es präsentiert sich jetzt ganz offen - und es ist so häßlich, daß es nicht in den Spiegel sehen mag. Nicht einmal die eigene Bevölkerung kann es für sich gewinnen. Über kurz oder lang wird sich die Mehrheit der Amerikaner mit uns verbünden.

Vor wenigen Tagen kam in Washington eine Viertelmillion Menschen zusammen, die gegen einen Krieg im Irak demonstrierten. Und die Stimme des Protests wird lauter. Vor dem 11. September hatte Amerika eine verborgene Geschichte. Verborgen besonders vor den Amerikanern. Doch nun sind die Geheimnisse Amerikas Geschichte, und diese Geschichte ist allgemein bekannt. Heute wissen wir, daß die Argumente, die zur Einstimmung auf den Irak-Krieg dienen, Lügen sind. Besonders lachhaft ist die These, die Regierung wolle dem Irak die Demokratie bringen. Menschen zu töten, um sie vor Diktatoren oder ideologischer Verderbnis zu bewahren, ist ein alter Sport amerikanischer Regierungen.

Mickey Mouse und Mullahs

Niemand bezweifelt, daß Saddam Hussein ein Diktator, ein Mörder ist. Keine Frage, daß es den Irakern ohne ihn besser ginge. Allerdings ginge es der ganzen Welt besser ohne einen gewissen Mr. Bush. Er ist weitaus gefährlicher als Hussein. Es ist sonnenklar, daß Bush entschlossen ist, Krieg gegen den Irak zu führen - ohne sich um Fakten und Weltöffentlichkeit zu scheren. In ihrem Bestreben, Verbündete zu gewinnen, sind die Vereinigten Staaten bereit, Fakten zu erfinden. Die Farce mit den Waffeninspekteuren ist das aggressive, beleidigende Zugeständnis an eine verhunzte Form internationaler Etikette. Im Grunde hat der neue Irak-Krieg schon begonnen.

Was können wir tun? Wir können unsere Erinnerung aktivieren, aus der Geschichte lernen. Wir können unsere Stimme erheben, bis sie ein ohrenbetäubender Donner ist. Wir können die Exzesse der amerikanischen Regierung anprangern. Wir können Bush und Blair - und ihre Verbündeten - als die feigen Babykiller, Wasservergifter und kleinmütigen Fernbomber bloßstellen, die sie sind. Wir können auf millionenfache Weise zivilen Ungehorsam praktizieren. Mit anderen Worten: Wir können Schwierigkeiten machen. Wenn George W. Bush ausruft: "Ihr seid entweder für uns oder für die Terroristen", können wir dankend abwinken. Er soll wissen, daß die Völker der Welt nicht zwischen einer böswilligen Mickey-Maus und wildgewordenen Mullahs zu entscheiden brauchen.

Unsere Strategie sollte es nicht sein, das Imperium herauszufordern, sondern es zu zermürben. Ihm die Luft zum Atmen zu nehmen. Es zu beschämen. Es zu verspotten. Mit unserer Kunst, unser Musik, unserer Literatur, unserem Starrsinn, unserer Lebensfreude, unserer Phantasie, unserer ganzen Entschlossenheit - und unserer Fähigkeit, unsere Geschichten zu erzählen. Die Revolution der Globalisierer wird scheitern, wenn wir uns ihnen verweigern - ihren Ideen, ihrer Version der Geschichte, ihren Kriegen, ihren Waffen, ihrer Logik. Vergeßt nicht: Wir sind viele, sie sind wenige. Sie brauchen uns mehr als wir sie.

Aus dem Englischen von Matthias Fienbork.

http://www.faz.net/ IN/ Intemplates/ faznet/ default.asp?tpl=faz/ content.asp&rub={2D82590A-A70E-4F9C-BABB-B2161EE25365}&doc={A6277B82-22EC-4D20-93C4-3E2B2DCA68B3}

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2003, Nr. 30 / Seite 35

Artikel hier erfasst: 05.02.2003

Kommentare
08.03.2003 mafrasevic: Stimmt
Diese Handlungsweise von George Bush entspricht gar nicht den demokratischen Grundlagen. Demokratie heisst alle müssen das tun was die Mehrheit will. Und wenn eine viertel Million Amerikaner gegen den Krieg bereit ist auf die Strasse zu gehen, und zu demonstrieren, gibt es mit Sicherheit eine grosse Mehrheit, die gegen den Krieg ist. Also ist ein gewaltiger Unterschied zwischen reden und Handeln zu bemerken.
Wenn wir also irgendeine Möglichkeit haben, diese Unterdrückung der Mehrheit zu stoppen, müssen wir sie ergreifen. Ansonsten sind wir alle schon jetzt dem Untergang geweiht.
26.06.2003 adam macht pause: macht losigkeit
oft kommt man sich so richtig machtlos vor. die ungenierte art seine macht zu demonstrieren macht mich so wütend. all die demos und gespräche sind von niemanden gehört worden. ein imperium zu zermürben dsa aus einer einziegen person zu bestehen scheint ist sinnlos. aber ich glaube auch das die menschen sich erinnern werden das es noch andere stimmen gibt. stimmen die ein einheitliches ja nicht ohne weiteres akzeptieren. der friedewille der wenigen regierungen ist geschichtlich nun für lange zeit festgeschrieben. nun haben die abhängigen länder wohl die wahlmöglichkeit und sind nicht mehr auf gnade und verderb einer einheitlichen globalisierung ausgeliefert. ich hoffe die globalen konsequenzen nicht zu sehr schmerzen werden
31.08.2003 dR3iStenfAiSter: imperium ist nicht gleich usa
die usa sind ein imperium, aber nicht das imperium von dem eingentlich die rede ist. iwf, wto, sind organisationen die aus einem ideologischen buendnis entspring. dieses buendnis ist ein netzwerk des noeliberalismus. in den regierungen werden die auswuechse der ideologie konkret. um sie zu bekaempfen muss man den beweis antreten wie sehr ihre entscheidungen auf dieser idelogie beruhen, und wem sie nutz. dem volk? den voelkern? oder geschaefftemachern? letztere duerfen immer dreckiger unser geld verdienen.

der freie markt ist gut! auf den markt geht es um begegung ideen austausch, und handel. es geht aber nicht um freienmarkt sondern darum alles zu geld zu machen, damit der profit keine grenzen kennt. keine grenzen der ethik, moral, und scham. denn, geld stinkt nicht! und alles muss seinen preis haben? ABER KEINEN WERT IN SICH?

es ist menschen unwuerdig grund beduerfnisen bezahlen zu muessen.

naja schoenen tag noch.
25.07.2005 Boxhamster: mit geschlossenen Augen...
25.07.2005 Boxhamster: ...einem verrückten zustimmen!
Das Imperium zermürben ist eine gute Sache,doch ist das schwieriger als es sich anhört...nach der Wiederwahl von George Bush sehen wir,dass es viele Amerikaner gibt,die der Terror Politik vom verrückten Cowboy zustimmen.Aber wir müssen in unserem Land anfangen.Bei der Wiederwahl,war klar das die Wahl schon wieder manipuliert wurde und wieder viele schwarze Amerikaner nicht wählen durften.Auch wenn klar ist,dass auch Kerry ein Spinner ist,hätten sich andere Regierungen beschweren müssen.Doch gegen das große Amerika will niemand was sagen.Diese Heuchelei ist zum Kotzen!Dieser Nationalísmus der Amerikaner,oder wie er verniedlicht genannt wird:Patriotismus,muss vernichtet werden!!!Doch keiner traut sich und Bush darf weiter morden.Arme Welt... Auf bald...
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Der inszenierte Hunger
Kein Blut, kein Schweiß, keine Tränen
Warum Amerika nicht gewinnen kann
Fesselnde Verträge (II)
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Wo die Strafen keinen Namen haben
Rechte Politiker träumen schlechter