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(de) Irak, Öl und US-Welthegemonie

A - I N F O S N E W S S E R V I C E http://www.ainfos.ca/ http://ainfos.ca/ index24.html (II) - IAA-Sekretariat Irak, Öl und US-Welthegemonie (II) Die Grundlage der US-Welthegemonie ist militärische und irtschaftliche Macht. Indem sie den Irak angreifen, können die USA ihr Ziel erreichen, den ganzen Mittleren Osten zu kontrollieren. Aber das Ergebnis hängt davon ab, wie der Krieg aus- geht. Das Ziel der USA ist offensichtlich ein "schneller Sieg" innerhalb von nur ein bis zwei Monaten. Daher ist es notwendig den Irak an mindestens zwei Fronten anzugreifen. Von Kuwait im Süden aus und im Norden von den kurdischen Gebieten.

Andererseits fürchten die USA einen langanhaltenden Konflikt, der über drei bis sechs Monate dauert und in Kombination mit brennenden irakischen Ölfeldern, Häuserkämpfen, schweren Verlusten, Nachrichtenbildern von menschlichen Katastrophen und massiven ausländischen Proteste gegen die US-Politik. Diese Befürchtungen sind aber nicht humanitärer, sondern wirtschaftlicher Art. Angenommen, dass das US-Wirtschaftswachstum weiter, wie seit Herbst 2002, nur langsam oder noch langsamer ansteigt, kann der Krieg gegen den Irak einen ernsten irtschaftlichen Rückgang oder eine Wirtschaftskrise aus- lösen. Der Diktator Saddam Hussein hob in einer Propagan- darede während des ersten Golfkriegs [1991] hervor, dass er länger an der Macht bleiben werde als Präsident Bush senior. Er hatte recht, denn nachdem infolge des Krieges die Ölfelder in Irak und Kuwait brannten, der Ölpreis anstieg und wieder fiel, die Wirtschaft in den Verein- igten Staaten und weltweit einen starken Einbruch erlebte, da wurde Präsident Bush senior nicht wieder gewählt. Heute sagt Saddam Hussein, dass er den Krieg gewinnen wird. Das scheint unwahrscheinlich, da die US-Tötungsmaschinerie zum Angriff bereit ist, um einen Regimewechsel zu erzwingen. Aber hat Saddam Hussein eine "Geheimwaffe"? Diese Frage macht es notwendig, sich den Mechanismus anzuschauen, auf dem die wirtschaftliche Vormacht aufbaut und in dessen Zentrum das Erdöl steht. Die Erdölindustrie entstand in den Vereinigten Staaten und sowohl der Preis, wie auch die Bezahlung werden in US-Dollars bewertet. Die Staaten kaufen und horten Dollars, so wie sie es mit Gold tun, denn das Öl können sie ohne Dollars nicht kaufen. Schätzungsweise zwei Drittel der offiziellen Währungsre- serven der nationalen Zentralbanken werden in US-Dollars gehalten.

In ähnlicher Weise erhalten die Erölexporteure ihre immen- sen Gewinne in dieser Währung, in der sie auch die Zahlungen erhalten. Es ist daher möglich diese Petro- dollars ohne Kursverluste wieder in der US-Wirtschaft anzulegen. Norwegen, der drittgrösste Erdölexporteur, hat zig Milliarden Dollar in Aktien und US-Staatsan- leihen angelegt. Russland, der zweitgrösste Exporteur verfährt ebenso. Saudi-Arabien, der grösste Ölexporteur und -produzent hat 700 Milliarden Dollar in den USA an gelegt. Dieses System des Dollars als Welt(reserve) währung im Ölhandel und im grössten Teil des Welthandels hält die Nachfrage nach Dollars "künstlich" hoch. Wie keinem anderen Staat, ermöglicht es den USA immer weiter Dollars zum Nulltarif zu drucken, um dann die Steuern zu senken, die Militärausgaben zu erhöhen und Konsumgüter zu importieren. Das drückt sich auch in der Summe der US- Auslandsschulden aus, die über Jahre hinweg angewachsen ist: Im Jahr 2002 waren es unglaubliche 2.800 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel, wie im Jahr 1999. Jeder andere Staat hätte mitansehen müssen, wie seine Währung und die Aktienmärkte total zusammenbrechen (vgl. Argentinien 2001, http://anarchosyndikalismus.org/ argentinien1.htm). Doch die US-Auslandsschulden steigen weiter an, während ihre Ausweitung weitergeht. Solange die USA keine ernstzunehmenden Herausforderer haben und die anderen Nationen auf den Dollar und die US- -Politik vertrauen, funktioniert dieses System weiter. Wie wir wissen,kann aber der Kapitalismus nicht bestehen ohne Konkurrenz und ohne imperialistische Kämpfe um die Kontrolle über das Land, die Rohstoffe und die Wirt- schaft anderer Nationen. Wir sehen dies heute deutlich im Mittleren Osten. Der Irak und der Mittlere Osten sind ein imperialistisches Schlachtfeld um den Zugang zu heutigen und zukünftigen Ölvorräten. Ein Schlachtfeld um die Einrichtung von Freihandelszonen und um die Kontrolle der Konkurrenten, die die USA schwächen. Ausserdem führt uns dies zu einer anderen, sehr wichtigen und kaum beachteten Ursache des Krieges: Es ist ein Währungskrieg zwischen dem Dollar und dem Euro, wobei der Euro tatsächlich die wirtschaft- liche Grundlage der US-Vorherrschaft untergraben könnte.

Das bringt uns zurück zu der sogenannte "Geheimwaffe" des Irak. Ende des Jahres 2000, wechselte der Irak die Tauscheinheit für sein Öl von der "feindlichen Währung" Dollar zum Euro. Als der Irak zum Euro wechselte war aber der Wert des Euro im Vergleich zum Dollar niedriger, und der Wechsel wurde als ein politischer Trick ohne wirt- schaftlichen Sinn angesehen. Aber in Washington klingel- ten die Alarmglocken und die entscheidende Frage war: Was wird jetzt geschehen?

Nach dem 11. September wissen wir mehr von dem, was ge- schehen ist. Aus dem Afghanistankrieg wurde der "Krieg gegen den Terrorismus". Präsident Bush junior erklärte Irak, Iran und Nordkorea zur "Achse des Bösen". Danach haben wir gesehen, wie die USA anschließend Kolumbien militarisierten. Und im April 2002 erlitt Venezuela, der wichtigste Erdöllieferant der USA, einen versuchten Staatsstreich. Wir müssen auch daran erinnern, dass am 8 Januar 2002 ein Bericht an den US-Kongress hervorhob, dass das [US-Verteidigungsministerium] Pentagon darauf vorbereitet sein sollte, sogar Atomwaffen gegen China, Russland, Irak, Nordkorea, Iran, Libyen und Syrien einzu- setzen. Kein Wunder, dass diese Ländern alarmiert sind. Heute wissen wir, dass im Jahr 2002 der Dollar im Ver- hältnis zum Euro um 15% gefallen ist und seit Anfang 2003 noch um weitere 5%. Die irakische Ölpreisumstellung auf den Euro, der erwartete Wechsel des Iran und die Stärkung des Euros, haben die [ölfördernden] OPEC-Länder und ande- re wichtige Ölexporteure unter Druck gesetzt, ebenfalls den Dollar als Wechselwährung wegfallen zu lassen. Und da die Vorhersagen für die Zukunft darauf hindeuten, dass der Ölmarkt immer wichtiger wird, müssen die Verbrau- cherstaaten ihre Währung umstellen, sobald die ölprodu- zierenden Staaten es tun. Dies tat der irakische Handels- partner Jordanien bereits im Jahr 2000.

Wenn wir uns die wichtigsten Erdölexporteure ansehen, dann ist der drittwichtigste Norwegen, das den USA wegen seiner Grenze zu Russland als strategisch wichtiger Partner ver- bunden ist. Norwegen ist kein politisches Mitglied der Europäischen Union [EU], aber die öffentlichen Umfragen zeigen nun, dass sich eine Mehrheit für die EU ausspricht. Wenn Schweden und Dänemark beschliessen, den Euro als ihre Landeswährung anzunehmen, wäre Norwegen gezwungen der EU beizutreten und es ist schwer vorstellbar, dass der Öl- handel dann weiterhin in Dollar stattfinden könnte. Wenn Norwegen auf den Euro umstellt, muss Grossbritannien nach- folgen, da beide Erdöl aus der Nordsee fördern. Wenn aber andererseits Grossbritannien zuerst den Euro einführt, dann wird Norwegen folgen folgen müssen. In der Tat sind beide Staaten sind heutzutage eingeklemmt zwischen den Vereinigten Staaten und Europa.

Laut einem Artikel in "The Observer" vom 23.Februar 2003 hat sogar Russland als zweitgrösster Erdölexporteur vor kurzem die Möglichkeit in Betacht gezogen, den Euro als Währung für seine Ölverkäufe einzuführen. Russland han- delt gemeinsam mit Frankreich und Deutschland, sowie (teilweise) mit China in einem Bündnis gegen die USA. Es ist daher für die Vereinigten Staaten wichtig zu versu- chen, Russland vom alten Europa (Deutschland und Frank- reich) abzutrennen, da Russland Öl besitzt.

In Bezug auf Saudi-Arabien, dem ohne Zweifel grössten Öl- exporteur und -produzenten, muss ein Ereignis erwähnt werden, das zeigt, wie verletzlich die USA sind. Infolge [der Anschläge] des 11. September [2001] führten mehr und mehr Spuren nach Saudi-Arabien: Fünfzehn der neunzehn terroristischen Entführer waren Saudis. Und es wurden (und werden) weitreichende Untersuchung seitens der USA und Israels durchgeführt, um terroristische Verbindungen der Saudis aufzudecken.

Am 6.August 2002 schrieb die "Washington Post" über einen Bericht, der vom Beirat des US-Verteidigungsministeriums (Pentagon) vorbereitet wurde. Der Bericht, der von einem Forscher der Rand Corporation herausgegeben wurde, be schrieb einen zunehmenden Trend innerhalb der US-Regie- rung, Saudi-Arabien als Feind zu bezeichnen. Der Bericht rief ausserdem dazu auf, die Ölfelder und Investitionen von Saudi-Arabien in die USA ins Visier zu nehmen, so- lange bis die Saudis ihre Unterstützung des Terrorismus beenden. Die "Financial Times" berichtetete am 20. August, dass daraufhin die Saudis zig Milliarden Dollar aus Pro- test gegen die Beschuldigungen aus den USA abgezogen hätten. Und der Artikel wies ausserdem nach, dass diese Geldbewegungen der Saudis zu dem Abwärtskurs des Dollar beigetragen hätten. Später wurde es still um diesen "Zwischenfall". Die USA leugneten, dass dieser Bericht die offizielle Meinung widerspiegele und die Saudis leugneten, dass sie Geldanlagen aus den USA zurück gezogen haben.

Wir haben im ersten Teil [des Artikels] beschrieben, dass es eine Frage der nationalen Sicherheit der USA ist, im Irak-Konflikt nicht über Öl zu sprechen. Doch das trifft nur teilweise zu, denn ein Regimewechsel [im Irak] würde die US-amerikanischen und britischen Ölfirmen begünstigen und nicht die russischen, chinesischen, französischen und sonstigen Firmen, die Verträge mit der irakischen Diktatur abgeschlossen haben. Ein wichtiger Grund ist ausserdem, dass die USA auf Saudi- -Arabien angewiesen sind, bis sie ihre Ziele im Irak erreicht haben. Sie brauchen die Militärstützpunkte in Saudi-Arabien, sowie deren Öl und auch weiterhin die Investition saudischer Petrodollar in den USA.

Ein "schneller Sieg" über den Irak hilft den USA ihr Ziel Zu erreichen, den gesamten Mittleren Osten zu kontrollie- ren. Nach dem Krieg ist die Zurücksetzung der Ölpreise auf den Dollar eines der obersten Ziele der Militärjunta, die von den USA geplant ist. Damit wollen sie den Nachbar- ländern Saudi-Arabien, Syrien und Iran zeigen, um welchen Preis man das Imperium herausfordert. Sie wollen ausserdem im Mittleren Osten eine Freihandelszone einführen und die irakische Ölförderung erhöhen, um den Ölpreis zu senken, wodurch sie [die Stellung der] Ölexporteure, wie Saudi- -Arabien, untergraben würden (siehe Teil 1, http://anarchosyndikalismus.org/ oel1.htm). Ein "längerer Konflikt" oder auch nur ein mittlerer, würde den USA und dem Welthandel grosse wirtschaftliche Probleme bereiten. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin ab- hängig sein von den überschüssigen Ölfördermengen aus Saudi-Arabien und sie können sich im Laufe der Zeit nicht mehr darauf verlassen, dass sie ihre eigenen strategischen Ölreserven zu gemässigten Preisen wieder verkaufen können. In diesem Fall wird erwartet, dass die Ölpreise vom heute bereits hohen Stand von 35 Dollar noch auf 40 Dollar pro Barrel steigen werden. Dieser Preisanstieg kann, wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat, einen ökonomischen Niedergang nach sich ziehen. Es muss angemerkt werden, dass auch Japan sehr verletzlich ist, da es mehr als 70% seiner Ölimporte aus dem Mittleren Osten bezieht. Und wenn in Asien eine Krise beginnt, kann dies einen grösseren Niedergang oder eine Krise der gesamten Weltwirtschaft auslösen. Es wäre möglich, dass Investitionen aus den USA abgezogen werden und ein Wechsel zum Euro würde den Dollarwert abfallen lassen. Das sind gefährliche Vorstellungen, aber wir leben in gefährlichen Zeiten des globalen Kapitalismus.

(Fortsetzung folgt)

Sekretariat der Internationalen ArbeiterInnen-Assoziation (IAA) Oslo, 16. März 2003 http://www.iwa-ait.org Übersetzung: eduCAT - Anarchosyndikat c/o Buchladen Le Sabot Breite Str. 76 D-53111 Bonn educat@anarchosyndikalismus.org http://anarchosyndikalismus.org

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