| Redebeitrag von AnaRKomM vor dem Müncher Arbeitsamt am 20.10.2003
Nun sind wir hier und machen das, wozu die traditionellen, SPD-unterwürfigen Gewerkschaften nicht im Stande sind. Nämlich diese Hartz-Gesetze zu stoppen. Und so manch einer fragt sich: was ist das? Von wem stammen sie und was sind die Konsequenzen?
Die Hartz-Gesetze sind die wohl bisher prekärste, oder vielmehr fatalste Maßnahme zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. In der sogenannten Hartz-Kommission wurden hinter unserem Rücken mal eben an die 100 Gesetze geändert, erneuert oder verschärft. Rechte, die in den letzten hundert Jahren mühsam erkämpft wurden, sind passe´!
Nun ja, das System hat sich heruntergewirtschaftet, dieser Staat ist Pleite. Stellt sich nur die Frage, warum wir, die Lohn- oder Sozialhilfe abhängig sind, diese Rechnung jetzt zu zahlen haben. Der Grund dafür könnte auf der Hand liegen: Der einfache Mann auf der Straße, Leute, die nun betroffen sind, wurden gar nicht erst gefragt. Nicht ein einziger war in der Hartz-Kommission vertreten, dafür der gewohnte Klüngel aus Kapital, Staat und einigen DGB-Bonzen. Diese Menschen, die für einen Augenblick über das Schicksal tausender entscheiden, haben versagt und zwingen uns, die ihr System durch unsere verkaufte Arbeitskraft am Laufen halten, die Konsequenzen auf.
* Sei´s nun, das es für einen jungen, ledigen zumutbar ist, im ganzen Bundesgebiet jeden Scheißjob anzunehmen.
* ...dass er Kündigungsschutz gelockert wird (auch von der Sozialdemokratie sehr favoriert)
* ...daß Menschen unwissend mit einer Ich-AG ihre Existenz aufs Spiel setzen
* Durch die soeben beschlossene Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zum sogenannten Arbeitslosengeld II
* Sei´s die Dequalifizierung junger Menschen zu Hilfsarbeitern, durch vermehrte Kurzausbildungen
* ...dass für 230000 Jugendliche satte 83000 Ausbildungsplätze vorhanden sind; von dem einen Drittel der deutschen Unternehmen, die tatsächlich ausbilden
* ...daß wir alle bis 67 arbeiten sollen. Warum nicht gleich bis 80, dann erholt sich unser Gesundheitswesen
All dies kann die ausbeutende Klasse sich erlauben, weiß sie doch, dass dieser Staat brav den Steigbügel hält. Jene, die eigentlich die Vertreter des Volkes sein sollten, doch davon ist und war noch nie etwas zu merken! Darum sind wir zu dem Schluß gekommen, dass wir niemanden brauchen, der unsere Fähigkeiten einkauft, davon profitiert und uns dann mit einem Hungerlohn abspeist!
Niemanden, der unser Leben mit Gesetzen in Schablonen zu pressen versucht und keinen blassen Schimmer mehr vom normalen Arbeitsalltag hat. Leute, die gegen “Sozialschmarotzer” Stimmung machen und eigentlich die größten sind!
Von diesen Damen und Herren ist keine Unterstützung zu erwarten. Wir brauchen keinen Sozialstaat, wir brauchen überhaupt kein Staat!! Deshalb müssen wir uns in allen Lebensbereichen selbst organisieren!
Der Klassenkampf hat begonnen, und zwar von oben! Jetzt geht es um uns, um unsere Lebensqualität!
Deshalb werden wir dagegen kämpfen, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln!
Weder Menschenmaterial, noch Humankapital!!
Artikel hier erfasst: 07.11.2003
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