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Ein Oldesloer macht sein eigenes Geld - Mittwoch, 7. Januar 2004
Titel Name Zeit
Ein Oldesloer macht sein eigenes Geld - Mittwoch, 7. Januar 2004 Chomjak  07.01.2004
 |-hmmm interresant.... spackmock  07.01.2004
 |    |-interresant Backer  08.01.2004
 |        |-Nachbarschaftshilfe wird strafbar .... beni  08.01.2004
 |            |-also wenn ihr einem freund oder freudin beim tapezieren helft. bak  08.01.2004
 |            |-gesetze die der staat nicht durchsetzen kann Chomjak  08.01.2004
 |                |-Hm schön wärs ja beni  08.01.2004
 |                    |-erstmal handeln dann demo. spackmock  08.01.2004
 |-Schwundgeld AgentSmith  09.01.2004
     |-Geld unter der matratze Backer  09.01.2004
         |-Geld unter der Matratze AgentSmith  09.01.2004
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Ein Oldesloer macht sein eigenes Geld - Mittwoch, 7. Januar 2004
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Mittwoch, 7. Januar 2004

Ahrensburg

Ein Oldesloer macht sein eigenes Geld
Kann was heißt die Währung, mit der Frank Schepke die Wirtschaft in der Region in Schwung bringen will mehr

Mittwoch, 7. Januar 2004
Ahrensburg

Ein Oldesloer macht sein eigenes Geld
Kann was heißt die Währung, mit der Frank Schepke die Wirtschaft in der Region in Schwung bringen will

Von Alexander Sulanke

Bad Oldesloe - Mitten im Euro-Land gibt es anno 2004 eine neue Währung: den Kann Was, kurz KW. Ein Kann Was entspricht im Wert ungefähr einem Euro, doch damit hören die Gemeinsamkeiten auch auf. Zwei wesentliche Merkmale herkömmlichen Geldes nämlich erfüllt der Kann Was gerade nicht: "Er kann nicht gegen Zinsen verliehen und auch nicht gehortet werden", sagt der Oldesloer Frank Schepke (68). Er ist der Vater der neuen Währung. Bei ihm kann man sie auch bestellen - schriftlich und am Telefon.

Frank Schepkes Lebenslauf ist so bunt wie seine Kann- Was-Noten: promovierter Landwirt, Senior-Chef eines Reinigungsunternehmens mit 65 Mitarbeitern, 1960 in Rom Ruder-Olympiasieger im legendären Deutschland- Achter. Und ein Querdenker und Visionär. Ein Mann, der jetzt umgesetzt hat, woran er schon seit Jahrzehnten tüftelt.

Denn der Kann Was, davon ist Frank Schepke überzeugt, kann was, das herkömmliches Geld nicht mehr könne, ja vielleicht noch nie gekonnt habe: die Wirtschaft in Fahrt bringen und Arbeitsplätze schaffen. Wie das funktioniert? "Der Kann Was verliert jeden Monat ein Prozent an Wert. Das verhindert das Horten, macht das Verleihen gegen Zinsen sinnlos und hält die Scheine in ständigem Fluss", sagt der KW-Erfinder. Die Folgen: mehr Konsum und daraus resultierend Wohlstand für alle, die etwas anzubieten haben, die also - und daher hat das neue Geld seinen Namen - etwas können.

Wer mit dem Kann Was handeln möchte, muss einer Teilnehmergemeinschaft beitreten (Details siehe Kasten). Die zählt am Tag sechs nach dem Start der Währung 18 Mitglieder. Einer von ihnen ist der Oldesloer Friseur Georg Orlowski (61). "Wer mit Kann Was bezahlt, bekommt Kreativitätsrabatt", sagt der Figaro und lacht. Für einen Standard-Haarschnitt nimmt er statt 12,80 Euro momentan nur 10 Kann Was.

Das Telefon klingelt. Ein Mann aus Kiel - auch er macht mit - ist dran und fragt nach einem Termin. "Schon wieder ein neuer Kunde", sagt Orlowski und freut sich. Er selbst gibt seine Kann Was auf einem Bio-Bauernhof bei Plön für Lebensmittel aus. "Hoffentlich machen noch mehr örtliche Geschäfte mit", sagt Orlowski, "dann könnte ich auch meine Frühstücksbrötchen mit Kann Was bezahlen. Und der Bäcker könnte zum Haareschneiden kommen." Ganzheitliche Gesundheitsberatung gibt es schon gegen Kann Was, ebenso Bastelarbeiten aus Filz, Rechtsberatung sowie Visitenkarten und Internetseiten aus der Hand eines Designers.

So ist das Projekt aus Sicht des Friseurs Orlowski eine gelungene PR-Kampagne und eine Art Rabattsystem, für Kann-Was-Erfinder Frank Schepke dagegen ein mit Ernst betriebenes wissenschaftliches Experiment. "Vielleicht ist der Vorteil, den der Einzelne davon hat, nicht sofort erkennbar", meint Schepke und mahnt zu Geduld: "Das ist wie mit einem Samenkorn: Wenn man es im März in die Erde gibt, kann man nicht im April ernten wollen." Eines fernen Tages aber, so hofft Visionär Schepke, könnte es eine große Ernte geben: "Menschen würden wieder überall Arbeit finden."

Und was bringt der Kann Was dem Stormarner? Er kann, wie etwa beim Friseur, Rabatte erzielen. Und er unterstützt die Ideologie des Mannes, dessen Antlitz auf allen Kann-Was-Scheinen prangt und dessen Lehre Frank Schepke viel bedeutet: Silvio Gesell. Der Belgier bezeichnete vor einem Jahrhundert Zinserträge aus brachliegendem Kapital als Tod der Volkswirtschaft.

Wer mitmacht, muss sich mit mindestens 56 Euro in die Gemeinschaft einkaufen und erhält dafür Geld mit dem Januar-Wert von 56 Kann Was. Wer es nicht ausgibt, verliert pro Monat 0,50 Kann Was. Die Einlagen der Teilnehmer zahlt Frank Schepke bei der Volksbank Stormarn ein. "Die Zinsen spende ich für gemeinnützige Zwecke", sagt er.

erschienen am 7. Jan 2004 in Ahrensburg



Silvio Gesell: Der Mann auf den Scheinen

Silvio Gesell, der bärtige Mann auf Frank Schepkes Geldscheinen - wer war er? 1862 im ostbelgischen St. Vith geboren, wanderte er 1886 nach Argentinien aus, wo er als Kaufmann, Importeur und Fabrikant arbeitete. 1900 zog sich Gesell aus dem Geschäftsleben zurück und ging in die Schweiz. Er betätigte sich als Landwirt und betrieb wirtschaftswissenschaftliche Studien.

1916 erschien in Bern sein Hauptwerk "Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld". Er wollte verhindern, dass Menschen Geld sparen in der Absicht, Zinsen zu erzielen. Ein mit geringer Gebühr belastetes Geld sollte jeden Besitzer dazu zwingen, es schnell wieder auszugeben. Im April 1919 hätte Gesell seine Theorien beinahe in der Praxis erproben können. Er wurde zum Volksbeauftragten für Finanzen der 1. Bayerischen Räterepublik gewählt. Seine Amtszeit währte jedoch nur eine Woche, dann wurde die Regierung gestürzt. Silvio Gesell starb 1930. (sul)

erschienen am 7. Jan 2004 in Ahrensburg

Kann was: So funktioniert es

Kann was: So funktioniert es


Am Kann-Was-Projekt kann jeder teilnehmen. Wer einsteigt, muss mindestens 50 Kann Was (KW) kaufen. Dafür zahlt er 50 Euro plus eine "Umlaufsicherungsgebühr" von zwölf Prozent, also noch mal 6 Euro. Im Januar sind die 50 KW tatsächlich 56 KW wert. Jeden Monat verliert das Geld dann ein Zwölftel der Umlaufgebühr an Wert. Im Februar ist er also nur noch 55,50 KW wert, im März 55 KW. Wer zu diesem Zeitpunkt erst einsteigt, zahlt entsprechend weniger.

Der Gegenwert wird auf ein Bankkonto bei der Volksbank Stormarn eingezahlt, so dass jeder jederzeit seine KW in Euro zurücktauschen kann - mit einem Abschlag von zehn Prozent. Die Bearbeitungsgebühr dient der Finanzierung der Druckkosten. Zinsen werden gespendet.

Unter der Adresse www.kannwas.org wird im Internet eine Teilnehmerliste geführt. Kann Was können bei Dr. Frank Schepke, Hof Seekamp, 24250 Löptin (Telefonnummer 04302/354) bestellt werden. (sul)

http://www.abendblatt.de/ chl/ 11.html