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[LPA] (de) :gehört: SOWETO Kwaito-Music aus RSA - Trikont CD

LIBERTARIAN PRESS AGENCY Berlin [mailto:lpa@free.de]

-SOWETO-

Compilation: mzansi music - young urban south africa (Trikont / Indigo) US-0316

In Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Rage-Kollektiv, die ein Label für südafrikanischen HipHop betreiben und seit fünf Jahren die Szene publizistisch begleiten, hat der Trikontverlag 15 Songs zusammengestellt, die einen Querschnitt der urbanen südafrikanischen Musikszene nach dem Fall des Apartheidsregimes darstellen. Kwaito - wie dieser moderne Musikstil des urbanen Südafrikas heißt - ist ursprünglich eine Mischung aus Sprechgesang und importierter Housemusik, die an das vorherrschende Tanztempo angepaßt wurde. Kwaito - was sich von dem Afrikaanswort "Kwaii" (heiß) ableitet und neben Gospel zu der beliebtesten Musik im modernen Südafrika gehört - ist nach Aussage eines der Begründer des Stils - "Ghettotanzmusik". Ähnlich wie wir es vom originären afro-amerikanischen HipHop / Rap her kennen, leitet sich die Beliebtheit des Kwaito durch ihre Nähe zum Publikum aus. Es handelt sich um Texte, die über die Befindlichkeiten des urbanen Südafrikas sprechen und das in einer einfachen Sprache, wie sie von ihren ZuhörerInnen gesprochen und verstanden wird. Die Texte sind meistens in Afrikaans, Zulu oder dem Slang des jeweiligen Townships gesungen, aus dem der / die SängerIn kommt, und handeln von AIDS, Drogen, Sexualität und Beziehungen. Die subkulturelle Nische, in der die Musikrichtung nach dem Ende des Apartheidsregimes ihre ersten Erfolge als Partymusik feierte, hat sie längst verlassen und einige Combos haben bereits das Interesse von Major Labels wie Sony Music erweckt. Mal abgesehen von den historisch-politischen Hintergründen des Kwaito handelt es sich um seichte, eher langsame, tanzbare Musik. Auf "mzansi music" findet sich allerdings weniger dieser traditionelle Kwaito, wie er als Subkultur begann, sondern mehr die neueren Stücke, die auch Technosamples, Elemente des amerikanischen Rhythm & Blues, jamaikanischen Reggaes und des HipHops aufgreifen und in ihre Musik einarbeiten. Spannend erscheint darüber hinaus, daß der Anteil von Frauen im Kwaito eher als im vielleicht in Ansätzen vergleichbaren HipHop relativ hoch zu sein scheint - z.B. handelt es sich bei "Godessa" um eine reine Frauenband. Wie bei den meisten Veröffentlichungen des Trikontlabels liegt der CD ein sehr kompetentes, zweisprachiges Booklet bei, in dem Hintergründe über den Musikstil sowie biographische und diskographische Angaben der InterpretInnen geliefert werden. Eine Übersetzung der Texte fehlt diesmal leider.

Insgesamt ist es sicherlich ein sehr löbliches Anliegen von Trikont einen in Deutschland noch unbekannten Musikstil aus dem Post-Apartheids-Südafrika zu verlegen. Dennoch stellt sich bei genauerer Betrachtung heraus, daß die Veröffentlichungen der Bands bis auf einige Ausnahmen in den letzten paar Jahren entstanden, somit bereits der Generation des gehypten Kwaito angehören, der sich zum Teil musikalisch weit vom Ursprungskonzept entfernt hat. In dieser Hinsicht wäre eine bessere Mischung wünschenswert gewesen. Ein anderer Aspekt, auf den ich als Major-Label-Hasser gestoßen bin, ist daß die Songs - alles bereits veröffentlichte - teilweise von Bands stammen, die bereits bei Sony-Music ihren Vertrag haben und wohl nicht mehr auf den Support eines Labels wie Trikont angewiesen sind.

DJ Chaoz

Infos und Programm von Trikont: www.trikont.com weitere Infos über Kwaito und südafrikanischen HipHop: www.rage.co.za

28.04.2004

LPA-DE

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