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München:Tierversuchslabor Covance will Journalisten-Aussagen über Haltungsbedingungen untersagen lassen

PRESSEFREIHEIT CONTRA WIRTSCHAFTSINTERESSEN

Tierversuchslabor Covance will Journalisten-Aussagen über Haltungsbedingungen untersagen lassen

Mittwoch Prozess vor dem Landgericht München

Am kommenden Mittwoch, dem 13. Oktober 2004, wird sich das Landgericht München mit der Klage des Münsteraner Tierversuchslabors Covance Laboratories befassen. Nachdem der Konzern vor dem Oberlandesgericht Hamm mit dem Versuch scheiterte, Undercover-Aufnahmen aus dem Tierversuchslabor verbieten zu lassen, geht es nun um die Zensur von Aussagen des Journalisten über Haltungsbedingungen im Labor der Fa. Covance .

Nach vier Monaten der verdeckten Recherche im Münsteraner Tierversuchslabor der Firma Covance Laboratories ging der Münchner Journalist Friedrich Mülln mit den Aufnahmen an die Öffentlichkeit. Die Dokumentation der Affenversuche für die Chemie- und Pharmaindustrie sowie der Affen in kargen 80x60cm und 60x40cm kleinen Käfigen schockierten Europa. Friedrich Mülln lieferte die ersten Aufnahmen aus einem Tierversuchslabor seit zwanzig Jahren.

„Ich zeigte, wie überforderte Mitarbeiter ihren Frust an den Tieren auslassen, verletzte und verstörte Tiere in kleinen übereinander gestapelten Drahtkäfigen, Samenentnahmen per Elektroschock, Blutentnahmen und gewaltsam im Primatenstuhl fixierte Affen. Dazu ergänzt Friedrich Mülln: „Das alltägliche massenhafte Leid der Tiere ist auch durch Filmberichte nur schwer zu vermitteln...“

Der Tierversuchsskandal führte zu einem öffentlichen Aufschrei und Maßnahmen der Politik, der US-Konzern Covance hingegen ignorierte jede Kritik und setzte auf Geheimhaltung. Die Bilder wurden als „ganz normaler Laboralltag“ abgetan. Die Öffentlichkeit habe kein Recht, die heimlich gefilmten Aufnahmen zu sehen.

Mit dem Versuch, die Bilder dieses „Laboralltags“ verbieten zu lassen, scheiterte Covance sowohl in der Schweiz als auch vor dem Oberlandesgericht Hamm. Das Gericht entschied, dass alle Menschen ein schützenswertes Recht auf Informationen über Tierversuche haben - und dieses Recht beinhaltet, die heimlichen gefilmten Aufnahmen sehen zu dürfen.

Bei dem Prozess am OLG Hamm, der zur Freigabe des Bildmaterials führte, legten Müllns Anwälte neues Beweismaterial über Covance vor, dieses versucht Covance nun durch eine einstweilige Verfügung zu verbieten.

Nun geht es darum, ob und wenn ja in welchem Rahmen dem Journalisten die Wort-Kritik an der Fa. Covance eingeschränkt werden kann.

„Die Richter am Landgericht München werden nicht nur über Lappalien zu entscheiden haben“, so Mülln. „Hier geht es um unsere Grundrechte, das Recht der Öffentlichkeit auf Information und das Risiko der Menschen in Folge fragwürdiger Forschung.“

Pressekonferenz: 10 Uhr im Kolpinghaus, Kolpingstraße, München. Prozessbeginn: 11.40 Uhr, Landgericht München, Lenbachplatz 7. Noch vor Prozessbeginn wird vor dem Gericht eine Demonstration der Tierversuchsgegner München stattfinden und nach der Verhandlung ab 16 Uhr bei Covance München am Rosenkavalierplatz fortgesetzt werden.

info@tierbildarchiv.de · http://www.Tierbildarchiv.de 10.10.2004

anarchie.de

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