Liebe KollegInnen,
neu im LabourNet Germany am Montag, 11. Oktober 2004:
I. Diskussion: Grundrechte / Kommunikationsfreiheit
a) Das FBI beschlagnahmt IMC Server in Großbritannien
"Am Donnerstag forderte das FBI den Hostingprovider Rackspace auf,
Indymedia-Server in Großbritannien und San Antonio (Texas)
auszuhändigen. Rackspace, auf deren Servern mehr als 20 IMCs gehostet
wurden, fügte sich dieser Anordnung und händigte die Server aus, was
dazu führte, dass einige Indymedia Webseiten vom Netz genommen oder
in ihrer Funktionalität beeinträchtigt wurden.." indymedia-Bericht
vom 8.10.04
http://de.indymedia.org/ 2004/ 10/ 96036.shtml
Siehe auch die Sonderseite bei indymedia
http://indymedia.org/ en/ static/ fbi
b) "Linke Seite" wird von Rechts wegen geschlossen. Private Abmahnung
statt regulärer Strafverfolgung ist nun auch ein politisches
Kampfmittel geworden
"Es wird immer gefährlicher, seine Meinung im Web kundzutun - und
erst recht die anderer Leute. Auch beziehungsweise gerade
Ein-Mann-Projekte werden mit einstweiligen Verfügungen in der
eingespielten monströsen Höhe einer halben Million Mark belegt..."
Artikel von Wolf-Dieter Roth bei telepolis vom 08.10.2004
http://www.heise.de/ tp/ deutsch/ inhalt/ on/ 18516/ 1.html
c) Berufsverbot gegen aktiven Antifaschisten
Seit Ende August ist es amtlich: Der 33-jährige Michael Csaszkóczy
darf auf Grund seiner Gesinnung in Baden-Württemberg nicht
Realschullehrer werden. Siehe dazu:
1) "Berufsverbot gegen aktiven Antifaschisten". Artikel von Peter
Nowak in Analyse & Kritik vom 17.9.2004
http://www.gegen-berufsverbote.de/ lib/ presseartikel/ ak170904.html?PHPS ESSID=9fc7b6187f561a17c37d07dd886ca170
2) Berufsverbote. Kehrt mit den "Antiterror"-Gesetzen ein tot
geglaubter Geist zurück?
"Wer glaubt, in der Bundesrepublik gehörten politisch motivierte
Berufsverbote der Vergangenheit an, irrt sich. Kürzlich traf es in
Baden-Württemberg den 34-jährigen Realschullehrer Michael =
Csaszkóczy,
dem von Kultusministerin Annette Schavan (CDU) die Einstellung in den
staatlichen Schuldienst verweigert worden ist. Das Berufsverbot gegen
Csaszkóczy begründet die Kultusministerin damit, dass sich der
angehende Lehrer in der "Antifaschistischen Initiative Heidelberg"
politisch betätige. Diese Initiative engagiert sich gegen
fremdenfeindliche und neonazistische Bestrebungen aller Art..." Artikel
von Rolf Gössner in Freitag vom 08.10.2004
http://www.freitag.de/ 2004/ 42/ 04420602.php
3) Informationsfreiheit statt Berufsverbote. Protestbrief von Walter
Keim an die Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes
Baden-Württemberg
http://home.online.no/ ~wkeim/ files/ schavan.htm
4) Weitere Informationen unter
http://www.gegen-berufsverbote.de/ index.php?section=presseartikel
5) Am Samstag, den 23. Oktober 2004 findet in Heidelberg eine
Demonstration gegen das Wiederaufleben der bundesdeutschen
Berufsverbotspraxis statt. Treff Bauhaus, Beginn: 13:00 Uhr. Näheres:
http://www.gegen.berufsverbote.de
II. Branchen: Dienstleistung / Einzelhandel / Karstadt
a) Resolution der TeilnehmerInnen der ver.di-Konferenz von
Tarifkommissionsmitgliedern und Gesamtbetriebsrat der Karstadt
Warenhaus AG vom 4. Oktober 2004 (pdf)
http://www.labournet.de/ branchen/ dienstleistung/ eh/ kar-resolution.pdf
b) Solidarität mit den Beschäftigten der Karstadt-Häuser.
Unterschriftensammlung von ver.di-Fachbereich Handel, Bezirk Berlin
(pdf)
http://www.labournet.de/ branchen/ dienstleistung/ eh/ kar-kiez.pdf
c) Rede von Anette Jung am 4.10.2004 auf dem Rathausvorplatz in Herne
- Solikundgebung für Einkaufsstandort Herne
http://www.labournet.de/ branchen/ dienstleistung/ eh/ kar-rede.pdf
Aus dem Text: "... Gestern noch las ich von einem Industrievorort
namens Tangeran in Indonesien. Dort lassen Adidas und Karstadt/Quelle
produzieren, hauptsächlich Sportbekleidung. Der Monatslohn beträgt
69,78 Euro pro Monat. Es sind zu 75% Frauen, die in den Fabriken
arbeiten, bei Arbeitszeiten von bis zu 90 Stunden in der Woche ohne
freien Tag und unter schlechten Arbeitsbedingungen. Das entspricht
einem Stundenlohn von knapp 20 Cent. (...) "In Indonesien tobt eine
Debatte über zu hohe Arbeitskosten und einen zu wenig flexiblen
Arbeitsmarkt - ganz wie in Deutschland, nur auf ungleich niedrigerem
Niveau!"..."
d) "Karstadt muss schließen" - aber ist das der Skandal? Artikel der
Redaktion AndersGesehen
http://www.anders-gesehen.de/ ARTK061004.htm
III. Branchen: Medien/IT / Siemens
a) Erpressung bei Siemens geht weiter. Lohnkürzung in Bruchsal mit
Verlagerungsdrohung durchgesetzt. Nach Arbeitszeitverlängerung
mangelnde Kapazitätsauslastung und Abbau von Leiharbeit in
Kamp-Lintfort. Personalabbau in Nauen. Artikel von Daniel Behruzi in
junge Welt vom 09.10.2004
http://www.jungewelt.de/ 2004/ 10-09/ 014.php
b) Shame facts from Siemens worker in Brazil - Brasilianischer
Kollege bittet um
Solidarität
Schreiben von Luiz Marcelo Rodrigues de Oliveira ans LabourNet
Germany vom 25.9.04
http://www.labournet.de/ branchen/ medien-it/ siemens/ brasil.html
Kurzzusammenfassung von Lisa Carstensen: Der brasilianische Kollege
Luiz Marcelo Rodriguez de Oliveira ist am 03. September von seinem
Arbeitgeber Siemens Development Business Unit gekündigt worden. Als
Kündigungsgrund vermutet er sein Engagement in der Gewerkschaft SENGE
während der diesjährigen Verhandlungen über den "dissídio", ein
Lohnausgleich, der die hohe jährliche Inflation berücksichtigen soll.
Die Verhandlungen zum "dissídio" finden zwischen Vertretern der
Arbeiterschaft und dem Arbeitgeberverband SINATRES statt. Auch dieses
Jahr sollte die Arbeiterschaft durch die gelbe Gewerkschaft Seletroar
vertreten werden. Rodriguez de Oliveira und seine Kollegen
versuchten, den eigenen Gewerkschaften SENGE und SINTEC Gehör zu
verschaffen, scheiterten aber an dem Widerstand der Firmenleitung,
die unter Anderem den Arbeitern verboten hatten, an den
Gewerkschaftstreffen teilzunehmen. Am Ende wurde der Vorschlag der
Gewerkschaft SENGE zum Lohnausgleich abgelehnt, und Luiz Marcelo
Rodriguez de Oliveira gekündigt.
IV. Branchen: Sonstige / Spielzeugindustrie
Märklin-Belegschaft kämpft gegen Produktionsverlagerung und Erpressung
a) "Die Schraube immer mehr angezogen". Beim
Modelleisenbahnhersteller Märklin streikten diese Woche große Teile
der Belegschaft. Im Stammwerk Göppingen sollen 400 Stellen gestrichen
werden. Gespräch mit Franz Jordan, Betriebsratsvorsitzender im
Stammwerk Göppingen von Märklin. Interview von Klaus Fischer in junge
Welt vom 08.10.2004
http://www.jungewelt.de/ 2004/ 10-08/ 021.php
b) Im Artikel "Bei Märklin wird wieder gearbeitet. Betriebsrat und
Geschäftsführung verhandeln von Dienstag an über einen Sozialplan"
von Sönke Iwersen in der Stuttgarter Zeitung vom 07.10.2004 heisst es
dazu:
"... Am dritten Tag wurde es selbst der IG Metall mulmig. "Wir haben
hier keine Aufrufe gestartet, wir stacheln nichts an, aber die Leute
organisieren sich vollkommen selbst", sagte Renate Gmoser, die
IG-Metall-Verhandlungsführerin bei Märklin, gestern früh. Kurz zuvor
hatten die IG Metall und der Betriebsrat von Märklin die Belegschaft
im Namen der Geschäftsführung aufgefordert, die Blockade des
Werkstors aufzugeben und nach zwei Tagen Stillstand wieder an ihre
Arbeitsplätze zurückzukehren. "Aber die Leute sind so heiß, die =
haben
das einfach ignoriert", sagte Gmoser. (...) 400 Mitarbeiter in
Göppingen aber werden ihre Arbeit verlieren. Weil die Lohnkosten in
den Märklin-Werken in Thüringen und Ungarn zwischen 40 und 80 Prozent
günstiger sind als in Göppingen, wird Märklin seine Produktion 2005
verlagern. Von Dienstag an wollen Betriebsrat und Geschäftsführung
über einen Sozialplan verhandeln. Voraussetzung dafür ist, dass die
Produktion in Göppingen wieder läuft - und nach langem Hin und Her
willigten die Mitarbeiter gestern Nachmittag ein, an ihre
Arbeitsplätze zurückzukehren - auch aus Selbstschutz. "Es kann nicht
sein, dass man am Verhandlungstisch sitzt und draußen die Leute das
Werkstor blockieren", sagt der Reutlinger Arbeitsrechtler Johannes
Filzek, der den Betriebsrat von Märklin berät..."
c) Burgfrieden bei Märklin. Belegschaft arbeitet wieder, Probleme
bleiben.Verhandlungen werden fortgesetzt
"Am Mittwoch mittag gingen die Beschäftigten von Märklin wieder an
die Arbeit. Einen Tag zuvor waren 800 der rund 1100
Belegschaftsmitglieder vom Göppinger Hauptwerk des weltgrößten
Modelleisenbahnherstellers in einen spontanen Streik getreten. Am
Mittwoch nachmittag trafen sich Betriebsrat und Geschäftsleitung und
vereinbarten, die Gespräche über die Forderungen der Mitarbeiter
kommende Woche fortzusetzen. Die Arbeitsniederlegung, verbunden mit
einer Blockade des Werkstores, habe die Angst und den Frust der
Beschäftigten zum Ausdruck gebracht, hieß es aus dem Betriebsrat.
Anlaß waren Ende September durch die Geschäftsführung angekündigte
"Sparmaßnahmen". So werden 400 Kolleginnen und Kollegen ihren Job
"sozialverträglich" verlieren. Wegen Umsatz- und Profitproblemen
sollen nichtautomatisierbare, einfache Arbeiten ins ostdeutsche
Sonneberg und nach Ungarn ausgelagert werden. "In Göppingen wird
keiner der Entlassenen mehr Arbeit finden", so ein Märklin-Arbeiter.
"Deshalb ist die Angst hier groß."..." Bericht in junge Welt vom
07.10.2004
http://www.jungewelt.de/ 2004/ 10-07/ 020.php
d) Märklin-Belegschaft kämpft gegen Produktionsverlagerung und
Erpressung - Solidaritätsaufruf
http://www.labournet.de/ branchen/ sonstige/ spielzeug/ maerklin-soli.html
Aus dem Text: "...Mit der Vernichtung von 400 Arbeitsplätzen hat sich
die IGM offensichtlich bereits abgefunden. Es soll nur noch über
einen Sozialplan verhandelt werden. Selbst Zugeständnisse bei Löhnen
und Arbeitszeiten für die verbleibende Belegschaft sind nicht
ausgeschlossen. Verhindern kann das nur die bereits erwiesene
Kampfbereitschaft der Belegschaft, unterstützt von der gesamten IGM.
Die aktive Solidarität aus anderen Göppinger Betrieben zeigt, dass an
der IGM-Basis die Notwendigkeit des gemeinsamen Kampfes gesehen wird.
Der sollte jetzt auch eingefordert werden. ..." Schickt Soliadressen an
die Märklin-Belegschaft: Belegschaft und Betriebsrat Firma Märklin
Stuttgarter Str. 55-57
73033 Göppingen
Fax. 07161/608582
e-mail: cornelia.schwenkert@maerklin.de
V. Branchen: Sonstige / Knastarbeit
Arbeit in deutschen Gefängnissen. Niedriglohnzone hinter Gittern
"Zu Kosten wie in Rumänien stellen Häftlinge Teddys oder
Plastikförmchen her. Die Fabrikanten halten die Herkunft der Waren
lieber geheim - sie fürchten Imageschäden..." Artikel von Martin
Benninghoff in Süddeutsche Zeitung vom 08.10.2004
http://www.sueddeutsche.de/ wirtschaft/ artikel/ 863/ 40823/
VI. Internationales: Nigeria
Mass protest begins Monday October 11, 2004!
"The nation wide mass protest by the Labour Civil Society Coalition
(LASCO) against recent increases in the price of petrol and petroleum
products begins tomorrow Monday October 11, 2004. The sit- at- home
protest which will last for 4 days, initially, will involve workers
and working families, students, artisans, professionals, market men
and women, and all segments of the Nigerian populace. All airports,
seaports, and roads will be closed to traffic by midnight of Sunday
October 10, 2004...." Bericht zum heute beginnenden, für 4 Tage
geplanten BürgerInnenstreik gegen die Ölpreissteigerungen in Nigeria
bei Nigeria Labour Congress vom 11.10.04
http://www.nlcng.org/ october2004strike/ Nigeria%20shuts%20down%20as%20s trike%20finally%20begins.htm
VII. Internationales: Kolumbien / Arbeitskämpfe
Kolumbien im Zeichen von Streik und Protest. Gewerkschaften und
soziale Organisationen rufen zum landesweiten Ausstand am Dienstag
auf. Widerstand gegen Freihandel und Kriegspolitik der Regierung
Uribe. Artikel von Harald Neuber in junge Welt vom 11.10.2004
http://www.jungewelt.de/ 2004/ 10-11/ 007.php
VIII. Internationales: China / Arbeitskämpfe
Über 4000 Textilarbeiter im Streik
Die Arbeiter der "Tianwang textile factory" in Xianyang City
protestieren seit dem 14. September gegen die Verschlechterung der
Arbeitssituation infolge der Privatisierung der Fabrik. Durch die
Übernahme des Werkes durch "China Resources Co. Ltd." vor drei Jahren
verloren die Textilarbeiter (hauptsächlich Frauen) eine Reihe von
Ansprüchen und Sicherheiten, jetzt geht es um eine komplette
Umstrukturierung der Arbeitsverträge, welche
massive Lohnsenkungen und Kündigungen mit sich bringen wird. Keine
der Gewerkschaften vor Ort fühlt sich für die Belange der streikenden
Textilarbeiter zuständig. Siehe "Thousands of Textile Factory Workers
Enter 4th Week of Strike in Xianyang City Against Unfair Contracts
Imposed after Buy-out by Hong Kong Conglomerate" Artikel im China
Labour Bulletin vom 7. Oktober 2004
http://www.china-labour.org.hk/ iso/ article.adp?article_id=5832
IX. Internationales: Chile / Gewerkschaften und Arbeitskämpfe
ITF takes ist protest to Chilenean President - Internationaler
Protest über Angriffe auf streikende Hafenarbeiter.
Am 6. Oktober wurden Streikposten im Hafen Iquique von Truppen der
chilenischen Navy überfallen, der Generalsekretär der Gewerkschaft
FETRAPI, Jorge Silva Beron wurde lebensbedrohlich verletzt. Siehe
Pressemitteilung der ITF (Global trade union federation) vom 7.
Oktober 2004
http://www.itf.org.uk/ english/ pressarea/ october/ chile.htm
Aus dem Text: "... David Cockroft states that the incident may "have
consequences for Chile's international trade, especially in ports
where ITF trade unions are monitoring anti-trade union measures
perpetrated by governments and employers..."
X. Veranstaltungshinweise und Termine
Montagsdemos sowie andere Proteste und Veranstaltungen
http://www.labournet.de/ termine/ index.html bereits heute Morgen aufgespielt...
Lieber Gruss, Mag
P.S. Wer Probleme mit den langen Links hat, kann unter
http://www.labournet.de/ news/ den Newsletter im html-Format öffnen und darüber problemlos surfen!
--
LabourNet Germany: http://www.labournet.de/ Treffpunkt für Ungehorsame, mit und ohne Job, basisnah,
gesellschaftskritisch
The meeting point for all left-wing trade unionists, both waged and
unwaged
Le point de rencontre de tous les militants syndicaux progressistes,
qu`ils aient ou non un emploi
LabourNet mailing list
LabourNet@labournet.de
http://labournet.de/ mailman/ listinfo/ labournet
11.10.2004
Labournet