## mail vom 10.11.04 weitergeleitet von LPA Berlin <mailto:lpa@free.de>
## source : askoblenz@anarchosyndikalismus.org
Slowakei: Unterstützt den entscheidenden Arbeitskampf beim
Büropapierhersteller "NEUSIEDLER"
Am Montag, 01. November 2003, um 14:30 Uhr MEZ hielten in Ruzomberok
(Zentralslovakei) die ArbeiterInnen des aus Österreich stammenden
multinationalen Konzerns "Neusiedler" eine Protestversammlung ab.
Wir, die "Priama akcia" (IAA Slowakei), bitten euch, die Aktion, den
gesamten Streiks und die Forderungen der ArbeiterInnen zu unterstützen,
indem ihr Solidaritäts-eMails an sie schickt. Ausserdem schickt bitte
Protest-eMails und Faxe an die Firma in der Slowakei, ebenso wie an die
nationalen Niederlassungen von "Neusiedler" (die haben Geschäfte in
Österreich, Ungarn, Russland, Südafrika, den Niederlanden, Deutschland,
Frankreich, Spanien, Italien, den Vereinigten Arabischen Emiraten,
Grossbritannien, der Ukraine, Polen, Bulgarien, Tschechien, den USA und
Israel - siehe http://www.neusiedler.com).
Es wäre toll, wenn ihr auch eine Protestaktion vor deren nationalen
Niederlassungen abhalten könntet.
Zum Hintergrund
Hier etwas zum Hintergrund des Kampfes: Im September 2004 wurde bei
"Neusiedler" in Ruzomberok ein Petitionskomittee (PK) von fünf Leuten
gegründet. Es war das erste Mal, dass eine Beschwerde öffentlich und
nicht heimlich gemacht wurde. In wenigen Tagen erreichte es dieser
Ausschuss, dass ihre Forderungen (Lohnerhöhungen usw.) mit 1.200
Unterschriften - also 90% der ArbeitnehmerInnen - unterstützt wurden.
Mehrere Generalversammlungen fanden statt, auf denen die Gründung einer
neuen Gewerkschaft diskutiert wurde, zusammen mit Statuten,
Sozialprogrammen, Entwürfen für Kollektivvereinbarungen und anderem (Im
November wurde die Gewerkschaft mit 350 Mitgliedsanträgen unter dem
Namen "Papier" angemeldet).
Im Oktober wurde das Petitionskomittee zu etwas eingeladen, was sie für
Verhandlungen mit dem Management der Firma hielten. Wie dem auch sei,
was passierte war, dass sie eine Abmahnung erhielten wegen der
Verbreitung von schlechtem Ansehen der Firma in der Slowakei und im
Ausland, was eine grobe Verletzung der Arbeitsdisziplin darstelle.
All das, nur weil das Petitionskomitee das in der slowakischen
Verfassung garantierte Beschwerderecht wahrgenommen hat! Der Pförtner
führte sie in ihre Werkstätten, wo sie ihre Sachen packen mussten und
vor das Fabriktor geleitet wurden. Heute wurden insgesamt neunzehn
Mitglieder von "Papier" und dem Petitionskomittee entlassen.
Es gab noch weiteres abscheuliches Verhalten von seiten des Managements
(Bedrohung von Leuten, dass sie nicht in den neuen Gewerkschaft
mitmachen, Entlassungsdrohungen gegen die Ehepartner von bereits
gefeuerten ArbeiterInnen,...). Ausserdem gab es solches Verhalten auch
von seiten der eigentlichen GewerkschaftsvertreterInnen (Belästigung
von Leuten, dass sie an keinen Aktionen teilnehmen sollen, Verwendung
schmutziger Tricks und Anrufe an Feiertagen, um sie zu überreden der
Gewerkschaft "Papier" nicht beizutreten,...).
Die Forderungen der ArbeiterInnen
1. Sofortiger Stop der Entlassungen
2. Wiederruf der Abmahnungen der ArbeitnehmerInnen, die sich an den
neuen Gewerkschaften beteiligen und Wiederzulassung der Mitglieder des
Petitionskomitees
3. Anerkennung der neuen Gewerkschaft und Nichtbestrafung der Mitglieder
für ihre Aktivitäten
4. Erfüllung der Forderungen des Petitionskomitees
Wir glauben, dass die Unterstützung dieses Kampfes in der Slowakei
entscheidend ist, da es das erste Mal ist, dass die Leute die
bürokratischen Gewerkschaften los werden wollen und versuchen neue,
offenere Gewerkschaften zu gründen. Zum Beispiel sind die Funktionäre
der neuen Gewerkschaft jederzeit abrufbar (das ist in anderen
Gewerkschaften nicht möglich), sie werden nach dem durchschnittlichen
Arbeitslohn der jeweiligen Fabrik bezahlt (überall sonst ist es
erheblich mehr), die Entscheidungen werden auf Generalversammlungen
getroffen (bei anderen Gewerkschaften ist das selten, aber nicht
unmöglich), und vor allem haben sie einen kämpferischen Geist (sie
machen erste Schritte notfalls einen Streik und eine Besetzung der
Firma zu organisieren), und sie sind offen für jede neue Idee, wie die
Dinge auf effektive Weise besser gemacht werden könnten,
einschliesslich der anarchosyndikalistischen).
Falls sie den Kampf gewinnen, kann das einen riesigen Präzendezfall für
zukünftige Gewerkschaftskämpfe und die Gewerkschaftsorganisation
bedeuten.
"Priama akcia" hat Kontakte zu der Gewerkschaft "Papier" hergestellt und
unterstützt deren Kampf. Wir bitten all LeserInnen dieser Nachricht das
ebenso zu tun und die Information so weit wie mnöglich zu verbreiten.
Aktionen bei den nationalen Niederlassungen von "Neusiedler" zu machen
wäre eine grossartige Hilfe für die ArbeiterInnen. Wir gehen davon aus,
dass ihr wisst, dass ein solcher Kampf auch ein psychologischer ist und
dass sich viele ArbeiterInnen unter Druck gesetzt fühlen dass die
Drohungen von seiten des Managements und der bestehenden Gewerkschaft
ihren Willen zum Kampf zu schwächen scheinen! Was sie verzweifelt
brauchen, ist das Gefühl dass sie nicht alleine sind und dass der
Bedrohung nachzugeben die Sache nur noch schlimmer macht!
Was du tun kannst
Wir haben einen Beispielbrief angehängt, den du an das Management von
"Neusiedler" in Ruzomberok (Slowakei) schicken kannst. Deren eMail
lautet
miloslav.curilla@neusiedler.com und hovorca@neusiedler.com.
Oder du rufst den Direktor der Firma in Ruzomberok (Slowakei) an unter
+421 44 432 5724 (die Telefonzentrale hat +421 44 436 1111).
Faxe können geschickt werden an +421 44 432 7701.
[Die Adressen von "Neusiedler" in Österreich und Deutschland sind:
Neusiedler AG
Holding,
A-3363 Ulmerfeld-Hausmening,
Telefon: +43/7475/500-0,
Fax: +43/7475/500-2106,
service@neusiedler.com
Neusiedler Deutschland GmbH,
Feringastraße 13,
D-85774 Unterföhring,
Telefon: +49/89/417 68-0,
Fax: +49/89/417 68-105,
infoline@neusiedler.com]
(Für jede Solidaritätsaktion schickt uns bitte eine Kopie oder sag uns
kurz bescheid, so dass wir das den ArbeiterInnen montags auf der
Protestversammlung mitteilen können).
Und es wäre super, wenn du eine kurze Solidaritäts-eMail (engl.) an die
ArbeiterInnen schicken könntest (an die Email-Adresse von "Priama
Akcia" oder an die Email-Adresse an eines der Mitglieder des
Petitionskomittees und der Gewerkschaft "Papier": sativa@zoznam.sk).
Wenn du mehr wissen willst, melde dich.
Im Auftrag von
"Priama akcia" - IAA Slovakei,
Michal Tulik
(Internationaler Sekretär)
Kontakt:
Priama akcia - Internationale ArbeiterInnen Assoziation
Po Box 16
840 08 Bratislava 48
SLOVAKIA
pa_intersec@yahoo.com
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Übersetzung:
Allgemeines Syndikat Koblenz der FAU-IAA,
Freie Arbeiter-Union - Internationale ArbeiterInnen Assoziation,
Postfach 20 10 06, D-56010 Koblenz
fauko@fau.org, askoblenz@anarchosyndikalismus.org,
http://anarchosyndikalismus.org/ koblenz.htm
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Beispielbrief:
"Sehr geehrte Damen und Herren,
ich schreibe Ihnen (im Auftrag von ...................) um meine
Solidarität mit den Forderungen der ArbeitnehmerInnen von Neusiedler
SCP a.s. Ruzomberok (Slowakei) auszudrücken.
Ich/Wir bin/sind entsetzt von der Situation bei Neusiedler SCP a.s. zu
hören.
Ich/Wir fordern Sie auf die Entlassungen sofort zu stoppen, die
Abmahnungen der ArbeitnehmerInnen zurück zu nehmen, die sich in der
neuen Gewerkschaft engagieren, sowie die Wiederzulassung der Mitglieder
des Petitionskomittees, die Anerkennung der neuen Gewerkschaft, die
Nichtbestrafung ihrer Mitglieder für ihre Aktivitäten und ausserdem die
Erfüllung der Forderungen des Petitionskomittees.
Weiterhin protestiere/n ich/wir gegen die totalitären Praktiken von
Neusiedler SCP, inklusive der Einschränkung des Grundrechts der
ArbeiterInnen auf gewerkschaftliche Organisierung, der Bedrohung und
Einschüchterung von Gewerkschaftsmitgliedern und ihrer Angehörigen!
Ich/wir unterstütze/n vollends die Forderungen ihrer ArbeitnehmerInnen
und ich/wir warne/n davor, dass ihre Praktiken Ihrer Firma in der
Slowakei und im Ausland schaden können.
Ich/wir möchten sie daraf aufmerksam machen, dass wir über die Situation
und die Entwicklungen gut informiert sind. Erfüllen sie das, was
ich/wir als berechtigte und rechtmäßige Forderungen der weitgehenden
Mehrheit der ArbeiterInnen ansehe/n!
Stoppen Sie Ihre Angriffe auf die Gewerkschaft und damit auf die
verfassungsmässigen Rechte!"
12.11.2004
LPA-DE