a-infos-de24 Friday, November 12 2004 Volume 01 : Number 470
Subjects in this Issue:
(de) Alexej Tscherepanow - Update vom 4. November (en)
(de) Huehnchen ueberdenken... (it)
(de) Unterstuetzt den Arbeitskampf bei NEUSIEDLER SCP a.s.
Date: Wed, 10 Nov 2004 21:42:14 +0100 (CET)
From: Worker <a-infos-de@ainfos.ca>
Subject: (de) Alexej Tscherepanow - Update vom 4. November (en)
A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/ http://ainfos.ca/ index24.html
Inhalt:
1) Aktuelle Lage
2) Brief von Tscherepanow (31. August 2004)
3) Brief der Gosnarkokontrol-Regionalverwaltung des Gebiets Kuban an
Alexej Tscherepanow (20. September 2004)
4) Vorschlag für Unterstützungsfax für Alexej Tscherepanow
1) Gerade eben haben wir gehört, daß das Bezirksgericht von Sowjetsk in
Krasnodar [Süd-Rußland, Üs.] den Fall Tscherepanow bereits am 11.
November verhandeln will! Im September hatte das Berufungsgericht des
Gebiets Krasnodar wegen der Berufung der Staatsanwaltschaft die
Entscheidung des Sowjetsker Bezirksgerichts in einer sehr zweifelhaften
und illegalen Weise aufgehoben, die Tscherepanow von allen
Anklagepunkten freigesprochen hatte. Jetzt verhandelt das Bezirksgericht
von Sowjetsk den Fall neu, obwohl die Berufung gegen die Entscheidung
des Berufungsgerichts noch läuft. Wir müssen schnell reagieren! Am
Schluß dieses Postings findet Ihr ein Musterfax zur Unterstützung
Tscherepanows, das Ihr an das Bezirksgericht Sowjetsk in Krasnodar
schicken könnt.
2) Brief von Alexej Tscherepanow (31. August 2004)
Hallo GenossInnen!
GROSSEN Dank nochmal an Euch alle für Unterstützung und Sorge!
...
Es ist jetzt schon sicher, daß alles, was passiert ist, eine Provokation
des FSB [russ. Inlandsgeheimdienst, Üs.] war, um einen Kriminalfall
gegen mich und Dima [Rjabinin, Red.] nach §280 des Strafgesetzbuchs der
Russischen Föderation (StGB-RF) zu eröffnen ("Aufruf zum Umsturz der
verfassungsmäßigen Ordnung"), der sich vor allem gegen Awtonom
[Russische anarchistische Zeitschrift, Red.] richten sollte. Vom ersten
Tag an, dem 12. Mai, als mir auf dem Weg zum militärischen
Einberufungszentrum Gras untergeschoben wurde, wurde alles gemäß den
Anweisungen des FSB ausgeführt. Die Kacke [in Rußland sehr verbreiteter
Spitzname für Geheimdienstangehörige, Red.] gab der [staatlichen
Drogenkontrolle, Üs.] Gosnarkokontrol (GNK) mündliche Anweisungen, mir
die Drogen unterzuschieben und mich einzusperren. In einem
inoffiziellen, persönlichen Gespräch mit meinem Rechtsanwalt gab einer
der Chefs von GNK in Krasnodar zu, daß bei der Durchsuchung meiner
Wohnung am 19. Mai die Drogen zwar nicht von seiner Einheit hingebracht
wurden, aber vom FSB. Und der FSB-Ermittler Bessonow sagte meinem
Anwalt, daß die Drogen untergeschoben wurden, um ihr Geschäft zu
unterstützen. Er sagte auch, daß sie ein Strafverfahren nach §280
einleiten wollten – deswegen wurde ich im FSB-Untersuchungsgefängnis
inhaftiert. Aber sie mußten den Fall vergessen, als sie erfuhren, daß
ich meine Diplomarbeit über "Radikale Jugendpublikationen – historische
und typologische Charakteristiken" mit Bezug auf diese Literatur schrieb
und verteidigte.
Sie waren schwachsinnig genug, meine Diplomarbeit kriminologisch
untersuchen zu lassen, um darin "extremistische Aufrufe" zu finden! Es
war also diese verdammte Diplomarbeit, die mich gerettet hat! Nach den
Worten dieser Kacke haben sie meine FreundInnen überprüft und sind zu
dem Schluß gekommen, daß ich ein Anarchist sei, verwickelt in subversive
extremistische Aktivitäten, aber sie fanden auch heraus, daß ich genauso
wissenschaftliche Arbeit mache. In seinen Worten: "Wir haben einen
Fehler gemacht und etwas angepackt, das wir nicht sollen hätten, und
jetzt binden uns diese ganzen Beschwerden und Faxe aus Moskau die
Hände." Als mein Anwalt fragte, ob sie überhaupt kapiert hätten, was sie
getan haben, antwortete Bessonow: "Sie wollen also sagen, daß unsere
Beamten Pißköppe sind? Das brauchen Sie nicht, das weiß ich selber."
Bessonow sprach auch über das Fanzine Krolik, das ich herausgebe, und
sagte, daß es so oder so keine einfache Sache mit mir würde, da ich ein
Dissident sei.
Die Probleme mit Dima [Rjabinin, Red.] vor seiner Freilassung waren auch
alles andere als Zufall. Er wurde aus der Nieder-Sicherheits-Kolonie
Dwubratska nach Ust-Labinsk überstellt, wo der FSB ihn laut dem Chef von
Dwubratska übernehmen sollen hätte. Offenbar wollte der FSB sowohl Dima
als auch mich als extremistische Gruppe nach §280 anklagen, wegen
"Veröffentlichung subversiver Literatur mit Aufruf zum Umsturz der
bestehenden Ordnung". Die Kacke zog ihre Pläne am 2. Juli zurück,
nachdem mein Anwalt ihnen Aussagen aus meinem Institut übermittelt
hatte, daß ich tatsächlich an einer Diplomarbeit schrieb und dafür die
beschlagnahmte Presse benutzte.
Die Kacke klebte an mir, weil kürzlich Ausgaben von Awtonom in meiner
Wohnung gelagert wurden, und die 20. Nummer war dort auch geheftet
worden. Ich vermute, daß der FSB das von dem Informanten Shenja Chatkin
erfahren hatte, der gegen Dima in diesem Fall aussagte und der sicher
immer noch mit der Kacke zusammenarbeitet. Ich bin sicher, daß Shenja
ein entscheidender Zeuge wäre, falls sie einen Prozeß nach §280 eröffnet
bekämen. Übrigens kam die kriminologische Untersuchung zu dem Schluß,
daß die bei mir beschlagnahmte Presse tatsächlich von extremistischem
Charakter war, aber da ich diese Literatur nicht veröffentlicht, sondern
studiert habe, entschieden sie, kein Verfahren einzuleiten. Das also
dank meiner Diplomarbeit.
Anders als in Dimas Fall übte die Kacke bei meinem Prozeß keinen Druck
auf das Gericht aus. Laut ihren Worten "hatten sie keinen Streit mit
mir". Eine unbedeutende Kacke beobachtete die Gerichtstermine jedoch
ständig. Dafür saß jetzt die GNK auf einmal tief in der Scheiße, da sie
ja die Drecksarbeit gemacht hatten, in der Hoffnung, der FSB würde
seinen Job machen und die Sache mit den Drogen würde ohne allzuviel
Aufmerksamkeit über die Bühne gehen. Aber der FSB zog sich aus dem Fall
zurück, und die GNK stand mit ihrem §228 ["Weigerung, legale Anweisungen
von GNK-Beamten zu befolgen" – Üs] und den dämlichen unbewiesenen
Anklagen wegen Drogenbesitz allein da.
Zufällig hörte mein Anwalt einen höheren GNK-Offizier mit einer Kacke im
Gang des Gerichtsgebäudes reden: "Ihr Nutten habt uns verarscht!",
worauf die Kacke gelassen antwortete: "Was leckt ihr uns auch bloß auf
mündliche Anweisung den Arsch aus?" Und tatsächlich hat der FSB formal
nichts damit zu tun, es gibt von Anfang an keinen einzigen schriftlichen
Beweis, daß sie in die Angelegenheit involviert waren. Die
beschlagnahmte Literatur wurde an die GNK übergeben in Übereinstimmung
mit §155 des Strafgesetzbuchs der Russischen Föderation (Zitat:
"Weiterleitung von Material für separate Ermittlung: Wenn während einer
Ermittlung Information über ein anderes Verbrechen auftaucht, das nicht
mit dem aktuellen Ermittlungsgegenstand zusammenhängt, trennt der
Ermittler Materialien, die Beweismittel in dem neuen Fall enthalten
können, von den Materialien der aktuellen Ermittlungen.")
Ich bin immer noch erstaunt, daß mich die Kacke während der ganzen Zeit
meiner Gefangenschaft nicht besuchen gekommen ist. Keine Frage, ich
hätte nicht mit ihnen geredet, aber sie hätten mich vor die Wahl
gestellt: ich rede, oder sie ziehen das volle Programm mit Anklage wegen
Drogen und Munition durch.
Übrigens hatte sich die Kacke schon ziemlich für mich interessiert,
bevor diese ganzen Scherereien losgingen, stellte dem Lehrpersonal am
Institut Fragen und kam ein paarmal zu meiner Wohnung, als ich nicht da
war. Wenn sich also der FSB für jemanden besonders interessiert, kann
man darauf warten, daß Provokationen gegen dieseN Genossen/in bald
folgen. Darum sollte man sich nicht ausruhen, sondern auf neue
Provokationen vorbereitet sein.
Der Kampf geht weiter! FSB ist der Feind der Menschen!
Und nochmal GROSSEN Dank an alle!
Alexej Tscherepanow
3) Brief der Gosnarkokontrol-Regionalverwaltung des Gebiets Kuban an
Alexej Tscherepanow
Wir geben bekannt, daß die Umstände Ihrer Bestrafung wegen einer
Ordnungswidrigkeit und des nachfolgenden Arrests umfassend und unter
Berücksichtigung all ihrer Aspekte untersucht wurden. Bei dieser
Untersuchung haben wir Regelverletzungen seitens der Verwaltungsbeamten
meines Verantwortungsbereiches aufgedeckt. Diejenigen, die sich eines
Vergehens schuldig gemacht hatten, wurden bestraft. Ich bitte um
Verzeihung für die Handlungen meiner Untergebenen.
M. M. Krapiwnij, Verwaltungschef
20. September 2004
4) Unterstützungsfax für Alexej Tscherepanow
Den folgenden Appell könnt Ihr an das Sowjetsker Bezirksgericht in
Krasnodar faxen. Effektiver wird es aber wahrscheinlich sein,
stattdessen die russische Version von russia.indymedia.org [genauer:
http://russia.indymedia.org/ front.php3?article_id913&group=webcast –
Üs.] zu schicken.
Gemäß den russischen Gesetzen MÜSSEN Appelle, die Euren vollständigen
Namen, Adresse, Beruf und Unterschrift enthalten, offiziell beantwortet
werden. Wenn Ihr also alle die russische Version des Faxes schickt und
diese Daten einsetzt, werden Eure Faxe dafür sorgen, daß das
Bezirksgericht noch lange an den Fall Tscherepanow denkt!
Das Gericht hat kein direktes Fax, aber schickt es einfach an
007-8612-625256, täglich zwischen 10 und 16 Uhr [8-14h MEZ;
Billigvorwahl von Deutschland nach Rußland ist übrigens momentan 0190035
mit 1,5ct/min – Üs.], und sagt, daß das Fax für Tscherepanow ist.
An das Gericht des Bezirks Sowjetsk in Krasnodar
An Richter Juri Alexejewitsch Lapkin
350058, Krasnodar, Stawropolskaja ul. 207
Sehr geehrter Juri Alexejewitsch,
am 19. August 2004 hat W. G. Chraban vom Gericht des Bezirks Sowjetsk in
Krasnodar Alexej Alexandrowitsch Tscherepanow von allen Anklagen nach
§228 StGB-RF freigesprochen. Dennoch hat die Vertreterin der
Staatsanwaltschaft des Gebiets, T. N. Zwerewa, die Entscheidung des
Gerichts an das Berufungsgericht weitergezogen und beantragt, die
Entscheidung aufzuheben und den Fall einem neuen Ermittlungsverfahren
zuzuführen.
Am 22. September befand die Kammer für Strafsachen des Berufungsgerichts
über die Berufung und führte den Strafprozeß gegen Alexej Tscherepanow
einer neuen Untersuchung zu, ohne jegliche Begründung!
Die Richter berücksichtigten die zahlreichen Rechtsbrüche nicht, die
Beamte der Gosnarkokontrol bei den Ermittlungen begangen hatten und die
in der Entscheidung des Bezirksgerichts erwähnt wurden. Die Richter
berücksichtigten ebensowenig die zahlreichen Verletzungen sowohl der
Verfassung der Russischen Föderation als auch der Strafprozeßordnung in
der Berufung selbst.
Beispielsweise wird in der Berufung eingestanden, daß die Durchsuchung
in dem Zimmer, in dem Tscherepanow lebte, in gesetzwidriger Weise
durchgeführt wurde, weil weder er noch seine Frau anwesend waren, obwohl
sich beide zu dieser Zeit in der Stadt aufhielten und die
Gosnarkokontrol-Beamten wußten, wo. Es ist auch bewiesen, daß am 16.
April 2004 eine Einsatzgruppe aus fünf Gosnarkokontrol-Beamten, gebildet
wurde, um sich mit Tscherepanow zu befassen – obwohl behauptet wird, er
sei erst am 12. Mai wegen einer Ordnungswidrigkeit verhaftet worden. Der
Verwaltungschef von Gosnarkokontrol in Krasnodar, M. M. Krapiwnij, hat
sich bei Tscherepanow schriftlich für illegale Aktionen seiner
Untergebenen entschuldigt. Wir vermuten, daß die Richter unter Druck von
seiten von Angehörigen der Gebietsstaatsanwaltschaft standen. Diese
Annahme wird bestätigt durch die Tatsache, daß der Gebietsstaatsanwalt
diesen unbedeutenden Fall überhaupt übernommen hatte. Es war der
Gebietsstaatsanwalt, der die Untersuchungshaft für Tscherepanow
forderte, obwohl er keine kriminelle Vorgeschichte hatte, den
Ermittlungen nicht ausgewichen war und einen festen Wohnsitz in
Krasnodar hat, Umstände, unter denen Personen mit solchen Anklagen
selten in Untersuchungshaft genommen werden.
Wir sind sicher, daß Alexej Tscherepanow dieses Delikt nicht begangen
hat. Wir sind uns der politischen Aktivitäten von Alexej Tscherepanow
bewußt und sind sicher, daß dieser Fall einen politischen Aspekt hat.
Wir bitten Sie, all diese Fakten zu berücksichtigen, wenn Sie den Fall
untersuchen, und eine gerechte Entscheidung zu treffen.
(Unterschrift)
http://www.ainfos.ca/ 04/ nov/ ainfos00118.html (en) Russia, update on Aleksei Cherepanov case 4th of November 2004
From Worker <a-infos-en@ainfos.ca>
Date Tue, 9 Nov 2004 11:24:57 +0100 (CET)
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Date: Thu, 11 Nov 2004 20:52:03 +0100 (CET)
From: Worker <a-infos-de@ainfos.ca>
Subject: (de) Huehnchen ueberdenken... (it)
A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/ http://ainfos.ca/ index24.html
Das Projekt P. P. [Piccolo Pollo="Hühnchen" in Mailand, Italien - Üs]
ist aus der Notwendigkeit geboren, einen bewohnbaren und sozialen Raum
zu haben, wo offene Arbeitsgruppen verwirklicht werden können, in denen
die Erfahrung des täglichen Teilens von Wissen greifbar werden kann.
In den letzten drei Wochen haben wir versucht, diesem Projekt auf dem
Gebiet des fünften Verwaltungsbezirks Leben einzuhauchen, indem wir
zuerst das Ex-Altersheim "Villa zu den zwei Pinien" und dann das
Industriegebäude der ehemaligen "Pharma Spezialmedikamente" besetzten.
In allen beiden Fällen fiel die Wahl auf verlassene, verfallende Gebäude
mit unangenehmer und unbekannter Vergangenheit: Der Skandal des von der
NAS geschlossenen Altersheims, von dem wir in den letzten Mitteilungen
gesprochen haben [hab ich leider nicht zum Übersetzen gekriegt, Üs]; und
ein Gelände wie das der Pharma, seit 25 Jahren ungenutzt infolge einer
Pleite, deren Abwicklung eher nebulös ist... Wir haben das Altersheim
verlassen, um uns die Möglichkeit des Dialogs mit den Institutionen
offenzuhalten. Dieser schien das soziale Projekt zu einer konkreten
Umsetzung führen zu können. Aber die Wohnraumfrage blieb dringend und
unbeantwortet, was uns in der Folge zwang, unmittelbar ein anderes
Gebäude zu besetzen. Diese Aktion reichte der Stadtverwaltung als
Vorwand, um den begonnenen Dialog abzubrechen. Auf Druck interessierter
Kreise und protestierender EigentümerInnen der Zone veranlaßte sie das
Einschreiten der Polizei.
Wir haben die ehemalige Fabrik verlassen, weil uns klar war, daß es
nutzlos ist, sich in der Unsichtbarkeit eines Industriegebiets auf eine
gewaltsame Konfrontation einzulassen, ohne konkrete Aussichten auf die
Möglichkeit, sie zu überstehen und Ergebnisse zu erreichen. Es ist uns
bewußt, daß in Italien die Verteidigung von
Privat-/Spekulationsinteressen Vorrang hat vor den fundamentalen
Lebensbedürfnissen, auch und vor allem in Bezug auf ein soziales
Projekt, das auf die Befreiung der Individuen und die Wiederaufwertung
von Räumen, aber nicht im Namen des absoluten Profits, abzielt.
Wir fordern unsere Bedürfnisse ein. Wir glauben, notwendige und bewußte
Entscheidungen getroffen zu haben. Darum fühlen wir uns verpflichtet,
sie öffentlich kundzutun.
Wir sind ein Hühnchen, das sich mit den komplizierten Dynamiken der
Politik und des Geldes anlegt, in einer sozialen Situation, die uns
unsere Rechte und Sehnsüchte verweigert.
Wir beziehen uns, manchmal naiv, auf das, was wir vorfinden, und lernen
von der Hoffnung...
Wir wollen als Wirklichkeit wachsen, einen konkreten Raum erobern. Aber
wir merken, daß es notwendig ist, diesen Moment zum Nachdenken zu
nutzen, um eine größere Reife in unseren Entscheidungen und Aktionen zu
erreichen.
Da: piccolopollo@autistici.org
(it) Piccoli polli riflettono...
http://www.ainfos.org/ 04/ nov/ ainfos00067.html From Worker <a-infos-it@ainfos.ca>
Date Fri, 5 Nov 2004 13:27:02 +0100 (CET)
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Date: Fri, 12 Nov 2004 17:44:01 +0100 (CET)
From: FAU <www.fau.org@ainfos.ca>
Subject: (de) Unterstuetzt den Arbeitskampf bei NEUSIEDLER SCP a.s.
A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/ http://ainfos.ca/ index24.html
Am Montag, den 1. November 2004 hielten in Ruzomberok in der
Zentralslovakei die ArbeiterInnen des österreichischen Papiermultis
NEUSIEDLER eine Protestversammlung ab. Die "Priama akcia - IAA Slowakei"
(Direkte Aktion), bittet euch, diese Aktion, den gesamten Streiks und die
Forderungen der ArbeiterInnen dadurch zu unterstützen, dass ihr Soli-Mails
an die ArbeiterInnen und Protestmails und -faxe an die Firma in der
Slowakei und an die nationale Niederlassung von NEUSIEDLER bei euch
schickt. Der Konzern hat Niederlassungen in Österreich, Ungarn, Russland,
Südafrika, den Niederlanden, der BRD, Frankreich, Spanien, Italien, den
VAE, Großbritannien, der Ukraine, Polen, Bulgarien, Tschechien, den USA
sowie Israel.
Worum es geht
Der Hintergrund des Kampfes: Im September 2004 wurde bei NEUSIEDLER in
Ruzomberok ein Petitionskomittee (PC) von fünf Leuten gegründet. Es war
das erste Mal, dass eine Petition nicht heimlich sondern öffentlich
durchgeführt wurde. Binnen weniger Tage sammelte das Komittee mehr als
1.200 Unterschriften (das sind 90% aller Beschäftigten) für seine
Forderungen (u.a. Lohnerhöhungen). Es fanden mehrere Vollversammlungen
statt, auf denen über die Gründung neuer Gewerkschaften diskutiert wurde,
ebenso wie über Statuten, Sozialprogramme und Entwürfe für ein
Tarifvereinbarung. (Im November wurde die Gewerkschaft auf den Namen
"Papier" mit 350 Mitgliedsgesuchen angemeldet).
Im Oktober wurde das Petitionskomittee zu einem Treffen eingeladen, das
dieses für Verhandlungen mit dem Firmenmanagement hielt. Was jedoch
stattdessen geschah, war, man ihnen fristlose Kündigungen aufgrund einer
angeblichen Rufschädigung der Firma in der Slowakei und im Ausland
präsentierte, da diese Rufschädigung eine schwerwiegende Verletzung der
Arbeitsdisziplin darstellen würde. All dies nur weil das Komittee das in
der slowakischen Verfassung garantierte Petitionsrecht wahrgenommen hat!
Der Pförtner eskortierte sie in zu ihren Arbeitsstellen, wo sie ihre
Sachen packen mussten und vor das Fabriktor gebracht wurden. Bis heute
wurden insgesamt neunzehn Mitglieder von "Papier" und Petitionskomittee
gefeuert.
Es gab noch weitere widerliche Methoden sowohl von Seiten des Managements
(Drohungen sich nicht an den neuen Gewerkschaften zu beteiligen,
Entlassungsdrohungen gegen die Partner bereits gefeuerter
ArbeiterInnen...) als auch von der Seite der Vertreter der traditionellen
Gewerkschaft (Schikanieren von Leuten sich nicht an irgendwelchen Aktionen
zu beteiligen, Verwendung schmutziger Tricks, Anrufe an Feiertagen, dass
man der Gewerkschaft "Papier" nicht beitreten solle usw.)
Was die ArbeiterInnen fordern:
1. Den sofortigen Stop der Entlassungen
2. Die Rücknahme der Kündigungen gegen die Beschäftigten, die sich an den
neuen Gewerkschaften beteiligten und die Wiedereinstellung der Mitglieder
des Petitionskomittees
3. Die Anerkennung der neuen Gewerkschaft und ein Ende der Sanktionen
gegen deren Mitglieder wegen ihrer Aktivitäten
4. Erfüllung der Forderungen des Petitionskomittees
Wir glauben, dass die Unterstützung dieses Kampfes ein Knackpunkt in der
Slowakei ist, weil sich zum ersten Mal Leute der bürokratischen
Gewerkschaften entledigt haben und versuchen neue, offenere, zu gründen.
Zum Beispiel sind die Funktionäre der neuen Gewerkschaft zu jedem
Zeitpunkt abrufbar (das ist in anderen Gewerkschaften unmöglich), sie
werden nach zum Durchschnittslohn der jeweiligen Fabrik bezahlt (überall
sonst ist es erheblich mehr), Entscheidungen werden in Vollversammlungen
getroffen (bei anderen Gewerkschaften ist das selten, wenn nicht sogar
unmöglich). Vor allem aber sind sie kämpferisch (sie machen den Schritt
einen Streik und falls nötig die Besetzung einer Firma zu organisieren)
und sie sind offen für jede neue Sichtweise, wie man Sachen wirkungsvoller
machen kann (sie sind offen für Erfahrungen aus aller Welt, einschließlich
der anarchosyndikalistischen).
Wenn sie den Kampf gewinnen sollten, kann das ein noch nie dagewesenes
Beispiel für die künftigen Gewerkschaftskämpfe und die gewerkschaftliche
Organisierung sein.
"Priama akcia" hat Kontakte zur Gewerkschaft "Papier" hergestellt und
unterstützt deren Kampf. Wir bitten all LeserInnen dieser Nachricht darum,
dies ebenfalls zu tun und diese Information so weit als möglich zu
verbreiten. Aktionen bei den jeweiligen Niederlassungen von NEUSIEDLER
wären eine große Hilfe für die ArbeiterInnen. Ihr wisst sicherlich, dass
ein solcher Kampf immer auch ein psychologischer ist, dass sich viele
ArbeiterInnen unter Druck gesetzt fühlen und dass die Drohungen seitens
des Managements und der alten Gewerkschaft den Kampfeswillen zu schwächen
scheinen! Was sie unbedingt brauchen, ist das Gefühl, dass sie nicht
alleine stehen und dass ein Nachgeben gegenüber der Bedrohung die Sache
nur noch schlimmer macht!
Was du tun kannst:
Weiter unten gibt es einen Musterbrief, den an das Management von
NEUSIEDLER senden kannst. Ihre E-Mail lautet
miloslav.curilla@neusiedler.com sowie hovorca@neusiedler.com.
Oder du rufst den Firmendirektor an unter
00421 44 432 5724 (Telefonzentrale: 00421 44 436 1111).
Faxe kannst du schicken an 00421 44 432 7701.
(Schickt uns bitte ein Kopie aller Solidaritätsbekundungen oder zumindest
eine kurze Mitteilung an pa_intersec[at]yahoo.com, damit wir das Montags
auf der Protestkundgebung mitteilen können).
Wenn du mehr wissen willst, setze dich mit uns in Verbindung.
Im Auftrag von Priama akcia - IAA Slovakei,
Michal Tulik (Internationaler Sekretär)
MUSTERBRIEF:
Solidarität mit den ArbeiterInnen von Neusiedler SCP a.s. Ruzomberok!
Ich/wir sind empört über die Situation bei Neusiedler SCP a.s.
Ich/Wir fordern Sie auf, die Entlassungen sofort zu stoppen, die
Kündigungen der ArbeiterInnen zurückzunehmen, die sich in den neuen
Gewerkschaft engagieren, sowie Mitglieder des Petitionskomittees wieder
einzustellen, die neuen Gewerkschaften anzuerkennen, deren Mitglieder
nicht für ihre Aktivitäten zu sanktionieren und Forderungen des
Petitionskomittees zu erfüllen.
Desweiteren protestiere/n ich/wir gegen die totalitären Praktiken von
Neusiedler SCP, zu denen die Verletzung elementarer Arbeiterrechte wie das
auf gewerkschaftliche Organisierung ebenso gehören wie die Bestrafung und
Einschüchterung von GewerkschafterInnen und deren Familienmitglieder!
Ich/wir unterstützen unterstützen voll und ganz die Forderungen der bei
Ihnen Beschäftigten. Ich/wir warne/n Sie, dass Ihre Praktiken Ihrer Firma
in der Slovakei und anderso schaden. Ich/wir weisen Sie darauf hin, dass
ich/wir sehr gut über die Situation und die weitere Entwicklung und
informiert bin/sind und aufmerksam beobachten werde/n was sie bis zur
Erfüllung der ein meinen/unseren Augen berechtigten und rechtmäßigen
Forderungen der ArbeiterInnen tun werden!
Beenden Sie Ihre Angriffe auf die Gewerkschaft und die verfassungmässigen
Rechte!
[Quelle: Pressemitteilung von Priama akcia - IWA Slovakia]
Verkaufsbüro von Neusiedler in der BRD
NEUSIEDLER DEUTSCHLAND GMBH
Feringastraße 13
D-85774 Unterföhring
Telefon: +49/89/417 68-0
Fax: +49/89/417 68-105
infoline@neusiedler.com
[Zum Weiterlesen: http://www.fau.org/ artikel/ art_041110-191553]
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End of a-infos-de24 V1 #470
12.11.2004
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