Liebe KollegInnen,
neu im LabourNet Germany am Montag, 4.April 2005:
I.Internationales / Südafrika
a) "Kennedy Road/Durban - ein Aufstand der Anständigen? "
Sie haben - fast - alle ANC gewählt. An "partizipativen Prozessen"
vielfach teilgenommen. Ihre Wünsche sind - alltäglich und normal. Als
jetzt 750 Slumbewohner der Kennedy Road gegen ihre Vertreibung von einem
versprochenen neuen Gelände für ihre Siedlung protestierten, wurden 14
von ihnen festgenommen. Am Tag darauf waren es 1.200 Menschen, die
protestierten - "entweder sind wir alle kriminell, oder keiner" war der
Slogan: mit Tränengas und Hunden wurden sie vertrieben. Die "neue"
Siedlung steht Projekten "im Weg", mit denen die Anwohner nichts zu tun
haben. Eine kurze deutsche Zusammenfassung des Artikels "Obedience
Doesn't Pay: inside the new revolt" von Richard Pithouse, Ende März 2005
publiziert beim "Center for Civil Society" der Universität KwaZulu
Natal, inklusive Link zum Originalartikel:
http://www.labournet.de/ internationales/ suedafrika/ pithouse.html
b) Kein Platz für Arme?
Cohre - "Center on Housing Rights And Evictions" - hat eine ausführliche
(englische) Dokumentation vorgelegt, die eine Gesamtbilanz der
Stadtplanungs- und Vertreibungspolitik (neudeutsch: Segregation) von der
Gründung der Stadt bis heute darstellt. Sie zeigt, neben vielem anderen,
das sich die Situation der Armen in der Stadt nicht verändert hat - auch
die Argumente der Stadtplaner kaum: Zuviel Müll, zu gefährlich, keine
Reparatur möglich, es muss neu gebaut werden. Eine Lektion - auch in
Sachen Politik "progressiver" Regierungen. Und auch für von gar nicht
progressiven Regierungen Betroffenen, wie etwa in Hartz-County. Die
Dokumentation "Any Room for the Poor? - Forced Evictions in
Johannesburg" vom 17.Februar 2005 bei Cohre:
http://www.cohre.org/ downloads/ ffm-johannesburg-lo.pdf
II.Internationales / Philippinen
Journalistengewerkschaft gegen Antiterror-Gesetz
Am 19.März 2005 hat die NUJP (National Union of Journalists Philipines)
eine Petition veröffentlicht (und damit begonnen, Unterschriften zu
sammeln) , die sich gegen die neue "Anti-Terror" Gesetzgebung wendet und
dabei insbesondere die Eingriffe in die journalistische Freiheit
kritisiert. Der (englische) Artikel "NUJP Launches Petition vs
Anti-Terror Bills" von Alexander Martin Remollino für die
Wochenzeitschrift "Bulatlat" vom 26.März 2005:
http://bulatlat.net/ news/ 5-7/ 5-7-nujp.html
III.Internationales / Italien / Arbeitskämpfe
Der erste landesweite Streik bei Adecco wird vorbereitet
Adecco ist sowohl in Europa als auch in Italien die grösste
Leiharbeitsfirma. Die drei in den italienischen Zentren vertretenen
Gewerkschaften haben nach zahlreichen Versammlungen quer durchs Land
beschlossen, für den 22.April 2005 erstmals einen vierstündigen
landesweiten Streik zu organisieren. Der redaktionelle (italienische)
Artikel "ADECCO: 22/4 PRIMO SCIOPERO DIPENDENTI" beim
gewerkschaftlichen Portal "Rassegna" vom 31.März 2005:
http://www.rassegna.it/ motore/ notizie/ news-oggi1.asp?id184%0D
IV.Internationales / Palästina / Arbeitsbedingungen und Proteste
Zehntausend protestieren vor der gesetzgebenden Versammlung in Gaza
Im Laufe der ersten Märzhälfte - nachdem die Autoritätsbehörde ihre
Wirtschafts- und (vor allem) Sozialpolitik vorgestellt hatte,
organisierte die Föderation der selbstverwalteten Arbeiterkomitees eine
Reihe von Aktionen, deren wichtigste eine Demonstration vor der
gesetzgebenden Versammlung am 12.März war: Drei Abgeordnete nahmen die
Forderungen entgegen und versprachen, sie im Parlament sowohl zur
Kentniss zu bringen, als auch zu vertreten. Neben zahlreichen sozialen
Forderungen enthält der "Katalog" auch die Forderung nach freien Wahlen
innerhalb des palästinensischen Gewerkschaftsbundes. Ein (französischer,
mit kurzer deutscher Zusammenfassung) Bericht "La mobilisation des
travailleurs à Gaza en mars 2005" von Hassan Bargouthi vom DWRC (Zentrum
für Demokratie und Arbeiterrechte) vom 19.März 2005:
http://www.labournet.de/ internationales/ pal/ bargouthi.html
V.Internationales / Polen
Erwerbslos auf dem Land
Schwarzarbeiten - oder "wegmachen", das sind die Alternativen für
Erwerbslose vor allem in den ländlichen Regionen Polens. Leicht
nachzuvollziehen, wenn nur 15 Prozent der etwa 3 Millionen Erwerbslosen
Arbeitslosenunterstützung erhalten - der "Rest" etwa 10 Euro
Sozialhilfe, wobei ein Brot schon 40 Cent kostet...Das freut den
Unternehmer und die Aktienjongleure. Der Bericht "Trocken Brot macht
Wangen rot" von Markus Ströhlein in der "Jungle World" Nr 13/2005:
http://jungle-world.com/ seiten/ 2005/ 13/ 5201.php
VI.Internationales / Australien
a) Die konservative Regierung und die "Reform" des Arbeitsmarktes
Nach dem Wahlsieg der Konservativen 2004, mit dem sie erstmals die
Mehrheit in beiden Häusern des Parlaments haben, kündigte Premier Howard
an, jetzt würden alle jene "Arbeitsmarktreformen", die bislang im Senat
gebremst worden waren, realisiert. Eine (englische) Bestandsaufnahme des
Standes und der Absichten in der Arbeitsgesetzgebung Australiens vom
Januar 2005 beim "Global Policy Network":
http://www.gpn.org/ data/ australia/ australia-analysis.pdf
b) Nach Baupleite: Deutsche Banken machen den Griff in die Kasse
Wer auch immer meinen mag, deutsche Unternehmen hätten in anderen
Ländern einen besseren Ruf als etwa US-Firmen in Deutschland möge - als
eines von vielen möglichen Beispielen - aktuell die australischen
ehemaligen Beschäftigten der "Walter Construction Group" (australische
Tochterfirma der Walter Bau AG) danach fragen: Deren
Entlassungsabfindungen sind dabei, sich in Rauch aufzulösen, weil in
letzter Minute die deutschen Banken von Walter - Deutsche Bank und
Bayerische Landesbank - sich 37 Millionen Dollars abgreifen wollen. Die
(englische) Meldung "Workers miss out as firm collapses" von Tara
Ravens in der australischen Zeitung "The Courier - Mail" vom 1.April 2005:
http://www.couriermail.news.com.au/ common/ story_page/ 0,5936,12714953%255E3102,00.html
VII.Internationales / Irak
Proteste von 2.000 "Hausbesetzern" in Baghdad
Hunderte von Hausbesetzern demonstrierten Mitte März in Baghdad, vor der
"Green Zone" Festung gegen ihre drohende Verjagung. Sie - insgesamt rund
2.000 Menschen - leben in einem ehemaligen Regierungskomplex, nachdem
sie von ihren jeweiligen Hausbesitzern im Zuge der Aufhebung der
Mietpreisbindung nach dem Krieg gekündigt worden waren. Obwohl ihnen
versprochen worden war, sie könnten bleiben und zunächst sogar in die
Infrastruktur investiert worden war, kam jetzt das Ultimatum der
"Demokraten". Eine (englische) Meldung - samt Solidaritätsaufruf - des
UN-Netzwerkes IRIN im "Reuters AlertNet" vom 22.März 2005:
http://www.alertnet.org/ thenews/ newsdesk/ IRIN/ d09df3be0a8b10fa4ab3e6ce6268748e.htm
viele Grüße, Helmut
P.S. Wer Probleme mit den langen Links hat, kann unter
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04.04.2005
Labournet