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[LPA] (de) Repressalien gegen free.de / Zensur gegen Callcenter-Arbtr.

## Nachricht vom 20.05.01 weitergeleitet von LPA Berlin [lpa@free.de]## Ersteller: faugrs@anarch.fau.org<p>-<p>ISI Marketing versucht ArbeiterInnen das Maul zuverbieten<p>ISI Marketing (Wasserstrasse 219, 44799 Bochum) istein Telefon-Marketing Unternehmen mit Call Centernu.a. in Bochum, Essen, Duesseldorf. DieUnternehmensleitung versucht zu verhindern, dass einFlugblatt ueber die miesen Arbeitsbedingungen bei ISIim Internet verfuegbar ist. Sie hat dem Providerwww.free.de, auf dessen Server sich auch das Flugblattbefindet, ueber das Landgericht Bochum eine"einstweilige Verfuegung" reingedrueckt, in der ihmuntersagt wird (Zitat) "das Unternehmen als 'mieseBude' " und "die Arbeitsstellen als 'Scheissjobs' zubezeichnen". Angedrohte Ordnungsgelder von 500.000 DMund moegliche Prozesskosten haben erzwungen, dassFlugblatt und Kommentare zu ISI erst mal von derWebsite genommen bzw. bestimmte Begriffe "geschwaerzt"wurden.<p>Das Flugblatt beruht auf Erfahrungen vonISI-ArbeiterInnen. Es ist auf einer Internetseite(www.free.de/prol-position) veroeffentlicht worden, dieals Instrument zur Selbstorganisierung vonArbeiterInnen in Call Centern und anderswo dient. DieBerichte ueber Bedingungen in verschiedenen Betrieben,Streikberichte aus anderen Teilen der Welt undFlugblaetter sollen die Diskussion zwischenAusgebeuteten unterstuetzen. Genau dagegen wendet sichder Zensurversuch von ISI.<p>Die Bedingungen bei ISI - unbezahltes Training,niedriger Grundlohn und unsichere Praemien, Streichungder Praemien im Krankheitsfall (siehe Flugblatt unten)- sind dabei keine Ausnahme. Ob wir in Call Centernmalochen, hinter der Theke oder am Fliessband, wir sindmit aehnlichen Problemen konfrontiert.<p>Es geht nicht darum, die Arbeitsbedingungen nur etwasaufzubessern. Vielmehr stellt sich die Frage, wie wireine neue Macht entwickeln koennen, die verhindert,dass die Unternehmer solche Bedingungen gegen unsdurchsetzen koennen. Sie haben die Arbeitslosigkeit aufihrer Seite. Sie koennen auf eine Regierung zaehlen, diein verschaerftem Masse versucht, uns in miese Jobsreinzudruecken (z.B. ueber die geplante Zusammenlegungvon Arbeitslosen- und Sozialhilfe, dieFaulenzeroe-Kampagne...). Und sie koennen sich daraufverlassen, dass die Apparate der Gewerkschaften beieiner konfliktfreien Verschlechterung der Bedingungenhelfen (z.B. durch Tarifvertragsabschluesse mitZeitarbeitsfirmen, flexiblere Arbeitszeitabkommen...).<p>Also wer wird etwas aendern, wenn nicht wirArbeiterInnen selbst?! Keine Gewerkschaft und keinePartei wird das fuer uns tun. Wir muessen eine Machtentwickeln, um den Verschaerfungen etwasentgegenzusetzen und die herrschenden Zustaendegrundlegend zu aendern. Und dafuer muessen wir auchdurchsetzen, dass Informationen ueber unterschiedlicheAusbeutungsbedingungen und die Kaempfe dagegen freizirkulieren koennen.<p>Schickt diese Mail weiter und setzt Links aufwww.free.de/prol-position!<p>Schreibt und verbreitet Berichte ueber Aktionen gegendie Ausbeutung!<p>Dies ist kein Einzelfall, wie die momentanenAuseinandersetzungen um www.linkeseite.de zeigen.Verhindert die Zensur!<p>Hier das Flugblatt zur Situation bei ISI Marketing:<p>hotlines, Flugblatt fuer eine bessere Zeit, Nummer zuISI Marketing, April 2001<p>Kostenfreies Arbeiten bei ISI Marketing<p>Meine Geschichte ist nicht zum Heulen, sie istalltaeglich. Millionen teilen in dieser oder jenerForm mein Schicksal, aber ich lese weder in deraeAmicaô noch in der WAZ darueber. Ich habe ein Kindund jede Menge offene Rechnungen, derMutterschaftsurlaub ist zu Ende, ich heisse nichtBarbara Becker: ich brauche nen Job. Arbeitssuche istunbezahlte Arbeit: Hektik zwischen SIS-Computern vomArbeitsamt und Vorstellungsgespraechen. Scheissjobsund Absagen. Eine weitere Stellenanzeige: TelefonistIngesucht, ca. 22 DM brutto, Kinderbetreuung.<p>Vorstellungsgespraech bei ISI Marketing. Viele Frauenarbeiten hier. Die von der Personalabteilungverspricht schoene Dinge: wenn du am Telefon mehrvertickst als deine KollegInnen, dann winken dirWochenenden im BMW, Reisen nach Aegypten etc. Immerhinversuchen sie, dir den Scheissjob etwas zu versuessen.Der sieht so aus:* Von wegen 22 DM brutto: Festlohn sind 12 DM brutto,Rest sind ungarantierte Praemien.* Die erste Woche ist aekostenfreies Arbeitenôangesagt: sprich 12 Std. Training und 28 Std. Arbeit(Verkauf am Telefon) werden nicht bezahlt.* Die erste Zeit arbeitest du ohne Vertrag: den gibtes erst, wenn du genug Kohle fuerÆs Unternehmenreintelefoniert hast. Schafft mensch in den 28 Stundennicht zwei Drittel des Verkaufsdurchschnitts, danngibt es keinen Vertrag: Umsonst geschuftet!* Nacharbeiten der Krankheitstage oder Lohnkuerzung:wenn du trotz Krankheit zur Arbeit kommst, gibt es diesogenannte ?chnupfenpraemie· Kannst du dich nicht zurArbeit schleppen, wird dir zur schnelleren Genesungangeboten, deine Krankheitstage nachzuarbeiten oderdir werden Praemien gestrichen.* Arbeiten vor Arbeitsbeginn: Vorbereitungen fuerdeine Arbeit musst du vor dem offziellen Arbeitsbeginnerledigen, wenn du aein die Pauseô reintelefonierenmusst, wird das von der Pausenzeit abgezogen.<p>Nach 25 Stunden aekostenfreierô Arbeit am Telefon,keinen Vertrag in der Tasche, aber dieStein-bachschen-Psychos (Chef von ISI) im Kopf, hat esmir gereicht. Ich weiss, dass einem hier nix geschenktwird und dass Arbeit adelt, aber irgendwo sindGrenzen. Alle, die sich zusammen mit mir beworbenhatten, sind abgesprungen.<p>Vielleicht haetten wir uns zusammen gegen dieseScheisse wehren und die Bezahlung der 40 Stunden, mehrKohle statt unsichere Praemien und Vertraege fuer alledurchsetzen koennen. Aber wir haben es nicht versucht.Wir kannten uns nur kurz, hatten kaum Moeglichkeit mitden bereits angestellten ArbeiterInnen zu reden,hatten Schiss. Jetzt geht die Jobsuche fuer allealleine weiter. Wenn wir Glueck haben, finden wir wasBesseres. Wahrscheinlich ist das aber nicht...<p>Es geht mir gar nicht um aeRacheô. ISI macht auch nurdas, was alle Unternehmen tun: sie nutzen unsereSituation, um die Arbeitsbedingungen weiter zuverschlechtern. Sie gehen davon aus, dass wiraeSchwachenô auf dem Arbeitsmarkt (aeltere Frauen,Muetter, aeUngelernteô, aeAuslaenderInnenô) nichtsanderes finden, und lassen uns fuer weniger Geld mehrarbeiten. Sie senken den garantierten Lohn undueberlassen uns mit den Praemien das Risiko, ob sichihre Produkte verkaufen lassen oder nicht. Sieverlaengern die unbezahlte Arbeitszeit durchSchulungen, aeProbearbeitenô, usw.. Sie gehen auchdavon aus, dass wir uns nicht dagegen auflehnenwerden, mit Rechnungen, Jugend-, Arbeits- oderAuslaenderamt im Nacken.<p>Ich weiss, dass es vielen geht wie mir. Ich weiss,dass viele sich selbst die Schuld geben, wenn siekeinen oder nur miese Jobs finden. Auch wenn ich nichtmehr bei ISI arbeite: ich habe die Geschichteaufgeschrieben, weil ich keine Lust mehr habe, allesschweigend hinzunehmen. Irgendwann haut dasvereinzelte aeSich-Durchschlagenô, die Hoffnung aufeinen besseren Job nicht mehr hin. Die aegutenô Jobssind eine Illusion: was bei ISI laeuft, laeuft auchwoanders.<p>Die Situation bei ISI betrifft nicht nur die, die dortarbeiten. Wenn Unternehmer miesere Bedingungen ineinem Bereich durchsetzen koennen, dann setzen siedamit auch alle anderen ArbeiterInnen unter Druck. Vondaher muessen wir gemeinsam nach Wegen suchen, wie wiruns wehren koennen.<p>In unserer Situation als aeBewerberInnenô bei ISIhaette uns geholfen, wenn die aeFestangestelltenôdirekt auf uns zugegangen waeren und uns vonvornherein gesagt haetten, wie der Laden laeuft.Vielleicht haette sich so schneller ein Vertrauenaufbauen koennen, um was gegen die Erpressung aeVertragbei Abo-Schnittô zu machen. Ausserdem ist uns bei derArbeit aufgefallen, dass es kaum Austausch zwischenden ArbeiterInnen der verschiedenen ISI- Standorte(Essen, Bochum, Krefeld, Duesseldorf etc.) gibt, wasdie Chefs dazu benutzen, um uns gegeneinanderauszuspielen. Daher verteilen wir dieses Flugblatt inEssen, Bochum und Duesseldorf.Es gibt Moeglichkeiten, sich zu wehren: wenn sie 21.05.2001

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