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A-infos-de Nachrichtensammlung, Band 61, Eintrag 6

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1. Gegen die Fahne - Der Newsletter des Anares Buch- und Medienvertriebes (a-infos-de@ainfos.ca)

Message: 1 Date: Sun, 27 Jun 2010 19:14:04 +0200 From: a-infos-de@ainfos.ca Subject: (de) Gegen die Fahne - Der Newsletter des Anares Buch- und Medienvertriebes To: a-infos-de@ainfos.ca Message-ID: <AANLkTimIKrnf9sQ5dS27fgOmBeLbd7uInL-tF6drIemy@mail.gmail.com> Content-Type: text/plain; charset="iso-8859-1"

Liebe lesende, hörende, sehende & denkende Gemeinde, "was tut das Volk? Es volkt" schrieb unser leider längst verstorbener Aufkleberdrucker-Genosse Peter Rose bereits Anfang 1990 auf eines seiner Motive. "Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann" (wohlgemerkt: das Denken, nicht die Überzeugungen), so Francis Picabia. Momentan ist zwar viel Rund um uns, aber wenig Denken.

Deutschland, einig Fahnenmeer: diesen Eindruck bekommen wir, wenn wir derzeit vor die Türen treten. Doch auch wenn anderes suggeriert wird: die schwarz-rot-gelbe (goldene?) Party ist eine von oben initiierte; vorgefeiert wird von Politik, Geschäftsleuten, Sportfunktionären und Zeitungsmachern. Und "das Volk"? Siehe oben!

Der Nationalismus funktioniert immer noch als Rekrutierungsideologie. Als verordnete Konsensproduktion, bei der niemanden aufzufallen scheint, das nicht deshalb alle gleich sind, weil sie dieselbe Flagge an ihre Autos & Mopeds pinnen. Das ist klasse für die Regierenden: 2006 wurde die höchste Mehrwertsteuer-Erhöhung in der deutschen Geschichte während der Fussball-WM beschlossen, 2010 das grösste Sparpaket. Und was tut "das Volk"? Siehe oben!

So dürfen "wir" denn feiern, während die Arbeitslosen die Zechen für die Banken zahlen dürfen, während deren Vorstände - dem Bankenrettungspaket sei dank - wieder ihre Millionen-Boni einstreichen können, als wäre nichts gewesen. Deutsche Arithmetik: bei den Armen 20 Milliarden sparen, den Reichen 400 Milliarden geben. Wie ist es doch so oft mit dem Feiern? Der Kater kommt danach!

Wir wollen als notorische Partymuffel bloss wieder die Feierlaune verderben? Wenn´s doch so einfach wäre: gegen Feiern ist nichts zu sagen, doch warum eigentlich betont man hierzulande immer, "endlich wieder richtig feiern" zu können, seit überall die Winkelemente geschwe= nkt werden "dürfen"? Wir erinnern uns an gute Feiern, die ganz ohne Fahnen auskamen, oder allenfalls mit ein- bis zweifarbigen Fahnen bestückt waren...

Und so unschuldig wie vorgegeben ist die Fahnen-Hysterie eben auch nicht. Müssen wir daran erinnern, das alle bisherigen Weltkriege von Deutschland ausgingen (das macht andere Fahnen nicht zwangsläufig sympathischer, markiert aber doch einen entscheidenden Unterschied)? Das hat nichts mit der Vererbung von Schuld zu tun, aber mit Verantwortung. In Deutschland fühlt man sich mit der Fahne stark. Und so darf im Windschatten der nationalen Euphorie auch SPD-Mitglied Sarazin wieder fast unwidersprochen herumfoulen und erklären, wer denn nun die gewünschten Kinder gebären darf und wer eh´schon zu viele hat.

Nein, wir haben nichts gegen Fussball, bloss gegen dessen nationalistische Aufladung. Und die Fahnen? Momentan gibt es drei Möglichkeiten des Umgangs damit, die konstruktive (die Anti-AKW-Bewegung schlägt vor, besser die Anti-Atom-Fahne zu nehmen), die kreative (Anarchos machen Workshops und widmen die Wimpel kurzerhand um) und die humoristische (denn was ausser dem Lachen bleibt einem noch?): die Fahnen sind Warnzeichen für besonders miese Autofahrer: je mehr Fahne, desto schlechter. Es sollen schon Autos mit 7 Fahnen gesichtet worden sein, von den Aussenspiegeln ganz zu schweigen. Dumm nur, das mancher anscheinend nicht mal weiss, welche Farbe nun nach oben gehört. Das "Volk" mag volk-sam sein, aber mit dem Denken hapert´s...

Es folgt der Werbeblock: unser Lesetip in Sachen "Die Erfindung der Nation" ist das gleichnamige Buch von Benedict Anderson, das mit der Bestellnummer 28634 für 19,90 Euro bei uns zu bekommen ist, und zwar als kleine "WM-Aktion" versandkostenfrei! Pflichtlektüre für alle, die sich eine Identität gar nicht anders als national vorstellen können & Basislektüre für die politische (Erwachsenen-)Bildung!

Und was gibt´s noch über Afrika zu sagen, ausser das man auch dort Fussball spielen kann? Zur afrikanischen Geschichte, Politik, Kultur & Literatur haben wir Material versammelt in unserer Rubrik "Nicht nur zur Fussball-WM: Afrika er-lesen" (siehe unter "Bücher" auf unserer Homepage).

Lebt und lest, selbstbestimmt und radikal.

Und bestellt da, wo es sich gehört, beim Medienhändler eures Vetrauens.

In diesem Sinne beste Grüsse vom Anares Buch- und Medienversand!

PS: diese mail darf mit Quellenangabe gerne weiterverbreitet werden (bitte uns Belege bzw. Link zusenden)!

Und wer den Newsletter künftig nicht mehr bekommen will - eine kurze mail genügt! Der Internetversand für gesellschaftskritische Medien

A-infos-de mailing list A-infos-de@ainfos.ca http://ainfos.ca/ cgi-bin/ mailman/ listinfo/ a-infos-de Ende A-infos-de Nachrichtensammlung, Band 61, Eintrag 6

28.06.2010

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