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WO GEHT'S HIER BITTE ZUR EMANZIPATION?
Eine Polemik über und gegen antideutschen Unfug, arabische Formen des Staatskapitalismus und für etwas ganz anderes

Alles verkürzt, oder was?
Sind Antideutsche SpalterInnen? Na klar! Doch damit soll sich hier nicht primär beschäftigt werden. Wir lehnen antideutsche Ideologiemuster in jedem Fall ab. Allerdings wollen wir dies hier nicht wegen ihrem durchaus sektiererischen Auftreten oder ihres „Zionismus“ begründen.

Zunächst schlagen sich antideutsche Strömungen auf die Seite des Kapitals, unterstützen ihre Hegemonie in Form der tonangebenden Staaten wie den USA, Großbritannien und der EU. Des weiteren befürworten sie Angriffskriege, wie zuletzt gegen Libyen. Die Unterdrückung in vielen Staaten wird als gravierender empfunden, als die der westlichen Mächte des globalen Kapitals. Das rechtfertigt Bombardements ideologisch.

Wir sind gewiss keine PazifistInnen, aber eine solche Logik ist nicht nur zynisch, sondern auch hochgradig pervers. Zum anderen liegt dem auch nur ein bürgerlicher Idealismus zu Grunde und keine materialistische Grundhaltung. Obwohl man als Ziel einen „Communismus“ benennt, wird sich in keiner Weise mit den reellen Klassengegensätzen auseinander gesetzt. Nein, man verwirft andere Analysen und Sichtweisen zumeist als „verkürzte Kapitalismuskritik“, die bereits Grundzüge von Antisemitismus beinhaltet. So einfach geht das - aus ihrer Sicht.

Natürlich kann man sich die berechtigte Frage stellen, wie sinnvoll es ist, den Kapitalismus zu erklären, indem man ihn personifiziert. Der Kapitalismus ist ein Verhältnis von Besitz und Nichtbesitz an Produktionsmitteln, und wir, die frei von Besitz, aber auch frei von feudaler Leibeigenschaft sind, müssen unsere Arbeitskraft verkaufen, um zu leben. Ein Leben lang. Man kann sagen, dass wir schon dadurch ein grundlegend materielles Interesse daran haben, dieses Verhältnis aufzuheben. Um das kapitalistische System zu zerschlagen braucht es einen klaren Klassenstandpunkt. Auch wenn sich der Kapitalismus stetig weiter entwickelt hat, geht es immer noch um den Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital. Oder klassisch ausgedrückt: Es ist immer noch das Proletariat gegen die Bourgeoisie.

Laut so einem vulgären Text im Schachbrettmuster soll das verkürzt sein. Nein, ist es nicht. Wir halten den Antideutschen entgegen, dass ihr theoretischer Murks keinerlei Klassenstandpunkt beinhaltet und damit nix mit Materialismus zu tun haben kann, dass ihre Praxis nur unseren GegnerInnen zu Gute kommt, sie sich somit im Gegensatz zu linksradikalen Positionen befinden. Allerhöchstens sind antideutsche Ideologiemuster bürgerlicher, pseudointellektueller bis liberaler Scheiß. Wer die kapitalistische Ausbeutung nur theoretisch erfasst, ist im besten Falle kleinbürgerlich. Zwar können sich auch KleinbürgerInnen auf die Seite der Revolution und des Sozialismus schlagen, aber Antideutsche wollen dies scheinbar gar nicht. Indem sie hauptsächlich die Linke angreifen, sind wir immer schön mit uns selber beschäftigt.

Antisemitismus
Grundsätzlich ist es ein positives Anliegen antisemitische Tendenzen innerhalb der eigenen Bewegung versuchen aufzuzeigen und zu bekämpfen. Die Form, wie es sich bei Antideutschen äußert grenzt an Wahnwitz. Eine, wie auch immer, verkürzte Kapitalismuskritik ist nicht automatisch antisemitisch, sie ist einfach nur verkürzt und damit wenig bis gar nicht brauchbar.

Kommen wir nun zu ihrer ausgeprägten ArbeiterInnenfeindlichkeit. Man hat oft den Eindruck, dass sie Rassismus, Antisemitismus und Sexismus größtenteils der ArbeiterInnenklasse zuschreiben wollen. Dem tumben deutschen männlichen Arbeiter mit der Bild-Zeitung in der Hosentasche. Den gibt es natürlich, und das zu hauf, aber Rassismus, Antisemitismus und Sexismus ziehen sich durch alle Bereiche der Gesellschaft, unabhängig der Zugehörigkeit zu einer Klasse und müssen klar bekämpft werden. Etwas anderes zu behaupten ist ganz schön verkürzt, belegt aber die bürgerliche Herkunft solcher Argumentationsmuster.

Es sind auch schon Äußerungen von Antideutschen gefallen, die die NSDAP als ArbeiterInnen-Partei bezeichneten. Damit wird nicht nur der Charakter des NS umgebogen, der eine klar bürgerliche Herkunft hatte. Die Unterstützung aus der Großindustrie wird völlig unter den Tisch fallen gelassen. Natürlich gab es keine flächendeckende und insgesamt nicht im Ansatz ausreichende Gegenwehr von Seiten der ArbeiterInnenklasse gegen den NS. Daran waren nicht nur der konforme Kurs der Gewerkschaften und die hanebüchene „Sozialfaschismus“-These der KPD schuld. Auch stimmt es, dass Deutschland von außen befreit werden musste. Dennoch gibt es keinen Grund die politische und damit auch ökonomische Struktur der Alliierten abzufeiern.

Ein weiteres Merkmal ist ihre Fixiertheit auf den Staat Israel. Damit stehen sie gestandenen Antiimps in nichts nach. Der Staat Israel ist, neben dem Grund, dass das westliche Kapital sich in der Region einen Vorposten sichern wollte, aus einem weiteren entstanden: Dem weltweiten, speziell europäischen pogromartigen Antisemitismus und letztendlich der Shoa, der, in der Geschichte der Menschheit, wohl einzigartigen industriellen Massenvernichtung von menschlichem Leben. Vergleiche damit zu ziehen sind in jedem Falle nicht nur unzulässig, sondern, ob gewollt oder ungewollt, verharmlosend und relativierend.

Eine Kritik am Staat Israel ist aber nicht per se antisemitisch. Entscheidend ist die Form. Wir lehnen sämtliche Konstrukte ab, die die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen aufrecht zu erhalten beabsichtigen. Dass es beispielsweise bereits im Zuge der Staatsgründung Israels zu Vertreibungen gekommen ist, ist unumstritten. Heute handelt es sich bei Israel um einen kapitalistischen Staat mit einer reaktionären rechten Regierung, eine militarisierte Gesellschaft und um eine in großen Teilen rassistische Haltung des Staates gegenüber Menschen palästinensischer Herkunft, sowie die militärische Unterdrückung und Besiedelung ursprünglich palästinensischer Gebiete. Es ist unseres Erachtens nicht antisemitisch dies zu benennen.

Als allerdings das Gedicht von Grass für Wirbel sorgte, konnte ein Phänomen beobachtet werden. Ob die USA einen Angriffskrieg gegen den Irak oder die EU einen selbigen in Libyen vom Zaun treten. Sobald Argumente gegen Israel fallen gehen bei vielen BundesbürgerInnen die Lampen aus. Reflexartig wird sofort gegen diesen Staat gegeifert, als ob von ihm allein die größte Bedrohung für die Welt ausgeht. Noch einmal, wir möchten hier unterscheiden von einer berechtigten antikapitalistischen Kritik auf materialistischer Grundlage, aber dennoch verdeutlichen, dass wir latent vorhandenen antisemitische Ressentiments, beispielsweise vom „jüdischen Finanzkapital“, nicht noch Vorschub leisten dürfen.

Der Imperialismus als höchste Stufe des politischen Bewusstseins?
Klassische antiimperlialistische Strömungen ziehen immer die klare Grenze. Hier die imperialistischen Bestrebungen der westlichen Welt, also des Kapitalismus, dort die unterdrückten „Völker“ im Trikont. Jahrzehntelang setzte man Hoffnung in alle möglichen nationalen Befreiungsbewegungen in Vietnam, Algerien, Nicaragua, Iran und natürlich Palästina. Dass all diese Befreiungen nach deren Sieg nie in unserem Sinne waren und bestenfalls über einen Staatskapitalismus nicht hinaus gingen, wird im Nachhinein höchstens kleinlaut zur Kenntnis genommen.

Heute geht es mehr um die Erhaltung staatskapitalistischer Gebilde, wie aktuell Syrien und vor kurzem Libyen. Dessen ungeachtet ist eine militärische Intervention, sowie eine Unterstützung der neoliberalen Opposition klar abzulehnen. Die dortige Unterdrückung und ganz klare Existenz der Schaffung von Mehrwert, spielte und spielt für manche dennoch eine untergeordnete Rolle, da diese Staatsgebilde ja grundsätzlich antiimperialistisch waren oder sind.

Stellt sich wieder die Frage, ob staatlicher Besitz und kostenlose Gesundheits- und Bildungseinrichtungen den hiesigen Zuständen des durchkapitalisierten Lebens vorzuziehen wären? Wären wir lieber in der BRD oder der DDR aufgewachsen? Lieber am Bauzaun von Wackersdorf oder auf der Pritsche in Bautzen? Antiimps verlangen, dass wir uns immer voll und ganz auf eine Seite schlagen müssen. Es wird ein bipolares Weltbild gezeichnet, das denen der Antideutschen in weiten Teilen ähnelt – mit dem Unterschied, dass antideutsche Argumentationen nicht als links gewertet werden können. Aber auch hier wird der Klassenstandpunkt zu Gunsten weltpolitischer Argumentation vernachlässigt, von manchen sogar aufgegeben.

Von vielen Linken wird heute versucht den Begriff Imperialismus zu umgehen. Wer das Wesen des Kapitalismus versucht zu untersuchen, wird schnell feststellen, dass eine auf Akkumulation ausgerichtete ökonomische Grundsätzlichkeit auch prinzipiell expansiv sein muss. Und ja, der Kapitalismus ist, in seiner heutigen Form noch viel mehr, imperialistisch. Aber es müssen unserer Ansicht nach nicht zig Begriffe für ein und das selbe Dreckssystem herhalten.

Eine Welt zu gewinnen
Wir sind durch unsere Lage in dieser Klassengesellschaft, auf Grund unseres Daseins als Lohnabhängige und mit allem was wir denken und fühlen gegen den Kapitalismus, für die Aufhebung eines Verhältnisses das uns zu Ausgebeuteten macht. Jeden Tag. Wir wollen keine sozialere Ausbeutung, keinen Staatsbesitz, der uns Geschenke macht. Auch wenn es in Teilen der Welt, in manchen Staaten solche sozialen Zugeständnisse gab, werden wir diesen deshalb noch lange nicht den Vorzug geben. Solange der Wert beim Warenaustausch darauf basiert, dass unsere Arbeitskraft weniger Wert ist als was sie Mehrwert erzeugt. Ob sich der Besitz in Händen eines kapitalistischen Konzerns oder eines Staates befindet, spielt für uns LohnarbeiterInnen primär keine Rolle!

Es ist uns klar, dass der Kommunismus bzw. die Anarchie nicht vom Himmel fallen wird. Gerade deshalb versuchen wir ja das jetzige System zu Fall zu bringen. Das gelingt viel besser, wenn wir unsere alltäglichen Lebensbereiche wieder auf die praktische Agenda setzen, statt schriftlich große Weltpolitik zu machen. Dem Kapital kann viel mehr geschadet werden, wenn wir es hier in den westlichen Metropolen angreifen - dort wo wir arbeiten (müssen), dort wo wir leben (müssen). Es geht um die Wiederaneignung des sozialen Raums, Schritt für Schritt, Zone um Zone. Dabei sollten wir immer über den Tellerrand hinaus schauen, uns verbunden fühlen mit allen anderen Lohnabhängigen, Unterdrückten und Gefangenen, ob in der offenen Auseinandersetzung oder nicht. Und niemals militärischen Interventionen der kapitalistischen Staaten zustimmen.

Hoch die internationale Solidarität

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Artikel hier erfasst: 26.06.2012

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