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So geht es, so ging es damals und so geht es heute, so soll es morgen gehen:
- Installation systemtragender Organisationen (Parteien und Gewerkschaften)
- Umfassende Überwachungsnetzwerke
- Manipulation der Presse
- Liquidierung fortschrittlicher Bewegungen

Dokumentiert: Ein Interview vom “Informationsdienst“ (ID) mit Philip Agee aus dem Jahre 1976

Philip Agee arbeitete zwölf Jahre in verschiedenen Ländern als
CIA-Agent. Als ihm klar wurde, worauf seine Tätigkeit wirklich
hinauslief, schied er aus dem Geheimdienst aus und machte seine
Erfahrungen publik, um ein Bild von der Arbeitsweise und von den
Methoden der CIA all denen zu vermitteln, die davon betroffen wurden.
In der jüngsten Ausgabe des ID veröffentlichten wir einige seiner
für die Aktivitäten der CIA typischen Erlebnisse in Lateinamerika.
In der Ausgabe Nr. 93 des ID publizierten wir seine Warnung vor
konterrevolutionären Aktivitäten der CIA in Portugal. Im Zusammenhang
mit unserer Veröffentlichung der Namen von CIA-Agenten in West-
deutschland befragten wir ihn über die spezifische Situation in der
Bundesrepublik Deutschland.


ID: Philip, worin genau besteht die Tätigkeit der CIA in der
Bundesrepublik Deutschland?

A: Zunächst möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, daß meine
Kenntnisse auf diesem Gebiet auf informellen Gesprächen während der
letzten Jahre beruhen, da ich ja niemals unmittelbar mit deutschen
Angelegenheiten befaßt war. Wenn man sich jedoch die enorme
Präsenz der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland
vergegenwärtigt, so verfügt die CIA über eine Anzahl von
verschiedenen Tarnungsmöglichkeiten, deren sie sich bedient. Eine
beträchtliche Zahl von Agenten wirkt unter dem Deckmantel von
Mitarbeitern der Botschaft in Bonn. Sehr viele, möglicherweise die
meisten von ihnen, arbeiten unter militärischem Deckmantel. Der
Hauptstützpunkt der CIA in Westdeutschland dürfte eine der
Armeebasen in und um Frankfurt sein. Es gibt aber auch CIA-Einheiten
in Westberlin und in München.


ID: Was ist eigentlich die Aufgabe dieser Einheiten?

A: Diese Einheiten, die militärisch getarnt sind, befassen sich mit
Ermittlungen im ganzen Land. Sie bestehen aus hochqualifizierten
Technikern, die Fernsprecheinrichtungen anzapfen, Briefe öffnen,
Bürger observieren und Geheimsendungen chiffrieren und dechiffrieren.
Gewöhnlich arbeiten sie sehr eng mit den örtlichen Sicherheitsbe-
hörden zusammen. Andere Einheiten sind mit speziellen Aufgaben be-
traut, die auf die Herstellung von Kontakten zu Organisationen und
Vertretern des politischen Establishment gerichtet sind. Alle auf
diese Weise gesammelten Informationen werden dazu genutzt, diese
Organisationen zu infiltrieren und zu manipulieren. Insbesondere in
Bonn versucht die CIA, an die chinesische und an die kubanische Bot-
schaft sowie an die osteuropäischen Botschaften heranzukommen, ihre
Korrespondenz und ihre Besucher zu kontrollieren und, wenn möglich,
ihre Mitarbeiter abzuwerben.


ID: Die USA und die CIA sind seit vielen Jahren in der Bundesrepublik
Deutschland aktiv. Wie würden Sie die politischen Konsequenzen der
CIA-Tätigkeit hier einschätzen?

A: Seit dem zweiten Weltkrieg ist es das außenpolitische Anliegen der
USA gewesen, das Bündnis der westlichen Welt unter Führung der USA
zu schmieden. Die Aktivitäten der CIA dienen diesem Ziel. Zunächst
galt es, verschiedene antikommunistische, proamerikanische Ein-
richtungen zu schaffen oder sie wieder zum Leben zu erwecken. Linke
oppositionelle Bewegungen sollten diskreditiert und liquidiert werden.
Die Tätigkeit auf allen Ebenen war auf dieses Ziel gerichtet. So wur-
den zum Beispiel die antikommunistischen Gewerkschaften dafür einge-
spannt, und dabei erhielten sie massive Unterstützung durch die CIA.
Nationale und internationale Organisationen, in denen auch Kommunisten
Mitglieder waren, wurden isoliert, oder es wurden Versuche unternommen,
oppositionelle Mitglieder auszuschließen. Wenn dies nicht von Erfolg
gekrönt war, gründete man neue, ausgesprochen antikommunistische Or-
ganisationen in den gleichen Bereichen. Der IBFG z. B. übernahm diese
Funktion in den fünfziger Jahren. In solchen Fällen ist nur ein kleiner
Kreis über eine derartige CIA-lnfiltration informiert, denn wenn
so etwas weithin bekannt wäre, so würde dies das erwünschte Bild von
echten, nichtstaatlichen, liberalen Institutionen zerstören, die doch
die Tarnorganisationen der CIA ständig zu sein vorgeben.


ID: Wie sehen die besonderen Aspekte der CIA-Arbeit in Westdeutschland
im Augenblick aus? Insbesondere wer wurde und wer wird unterstützt?

A: Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Westdeutschland als ein
lebenswichtiges Gebiet betrachtet. Um nun die Interessen der USA dort
zu sichern, *unterstützte die CIA nicht nur die CDU, sondern auch die*
*SPD und die Gewerkschaften*. Die CIA wollte, daß der Einfluß der
beiden großen politischen Parteien stark genug war, um jede linke
Opposition auszuschalten und niederzuhalten. Nachkriegsdeutschland
wurde zu einem der wichtigsten Operationsgebiete für weitreichende
CIA-Programme, darauf angelegt, eine innere Struktur für die Bundes-
republik zu schaffen, die nicht nur proamerikanisch und antikom-
munistisch sein, sondern auch kommerzielle Interessen sicherstellen
sollte. Und außerdem soll es der CIA immer möglich sein herauszufinden,
was die Sowjetunion tut.


ID: Stimmt es, daß jetzt die CIA versucht, gegen die "Neue Linke"
vorzugehen?

A: Ach, daran ist nicht zu zweifeln. Vor allem bereiten der CIA
oppositionelle Gruppen in der Bundeswehr Sorge, und sie sucht alles
daranzusetzen, sie zu bekämpfen.


ID: Welcher Art ist das Zusammenwirken zwischen der CIA und den
westdeutschen Geheimdiensten?

A: Wie bereits erwähnt, arbeitet, was das Abhören von Telefonge-
sprächen, das Öffnen von Briefen und das Observieren von
Bürgern betrifft, die CIA sehr eng mit den einheimischen
Sicherheitsorganen zusammen. Ganz allgemein schließt die
Zusammenarbeit zwischen der CIA und den Sicherheitsorganen eines
anderen Staates Operationen, die von den einheimischen Behörden auf
Antrag der CIA selbst durchgeführt werden, ein. Und häufig bewahren
solche Aktionen die CIA vor etwaigen Folgen von Gesetzesübertretungen.
Aber insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland gibt es dabei
Schwierigkeiten. Die CIA traut den bundesdeutschen Geheimdiensten
nicht allzusehr, da sie von einer Menge ostdeutscher und sowjetischer
Agenten durchsetzt seien. Und das ist nicht zuletzt Ursache für die
große Zahl von CIA-Agenten, die ja doch auch die bundesdeutschen
Geheimdienste zu kontrollieren haben.


ID: Jetzt ist bekannt geworden, daß die CIA die britische
Nachrichtenagentur Reuter dazu benutzt hat, um spezifische
Propagandageschichten in ganz bekannten Zeitungen unterzubringen.
Wie funktioniert dieses System?

A: Die meisten CIA-Stellen bezahlen Journalisten dafür, daß sie die
Propaganda der CIA so an den Mann bringen, als stammten die Artikel
von den Journalisten selbst. Sie spielen gefälschte vermischt mit
wahrheitsgemäßen Nachrichten als authentische Meldungen den
Nachrichtenagenturen und führenden Zeitungen zu. Das funktioniert wie
folgt: Eine CIA-Stelle übermittelt eine erfundene oder passend
aufbereitete Nachricht mittels Telegramm an den lokalen CIA-Agenten,
der für Propaganda zuständig ist. Er verfaßt daraus eine Story und
übergibt sie dann dem Journalisten, der zur CIA Kontakt hat. Der
Journalist bringt die Geschichte in seiner Zeitung. Sobald die Story
irgendwo veröffentlicht ist, greifen sie andere für Propaganda zu-
ständige Agenten der CIA auf und, indem sie die Zeitung als Quelle
angeben und dadurch der Story ein Mäntelchen der Echtheit umgehängt
haben, trachten sie danach, diese Story auch in anderen Zeitungen der
Welt unterzubringen. Insbesondere zur Zeit der Allende-Regierung in
Chile wurden Tausende verleumderische und entstellende Storys in Chile
und außerhalb Chiles publiziert. Als ich noch in Montevideo als
Spezialagent der CIA arbeitete, hatten wir dort einen hochgestellten
Journalisten, der ClA-Storys an andere Journalisten weiterleitete.
Diese unterhielten alle Kontakte zu ihm und trugen dafür Sorge, daß
diese Storys auch veröffentlicht wurden. Nachdem ich meine Erfahrungen
mit der CIA veröffentlicht habe, bin ich selbst zur Zielscheibe der-
artiger falscher Storys geworden. Alle sechs Wochen etwa erscheint
irgendwo irgendein seltsamer Bericht, der bezweckt, meine Glaubwürdig-
keit zu erschüttern. Ein Korrespondent der "Los Angeles Times" be-
richtete, ich hätte den Namen eines polnischen Offiziers, der als Spion
für den Westen tätig war, dem KGB genannt. Die Story ist von A bis Z
erfunden, aber der Beweggrund liegt auf der Hand.


ID: Haben die zahlreichen jüngst veröffentlichten Einzelheiten über die
CIA irgendeine Änderung bewirkt?

A: Solange die Politik der USA selbst unverändert bleibt, können wir
lediglich ihre Anwendung gegen diejenigen verhindern, die einer solchen
Politik den Kampf angesagt haben. Und deshalb ist es so wichtig, die
Namen und Adressen von CIA-Agenten zu publizieren, denn sobald sie
entlarvt sind, müssen sie das Feld räumen. Und so werden die Macht
und die Möglichkeiten der CIA, einen neuen Pinochet einzusetzen, ein-
geschränkt. Und genau dies ist der Grund, so vorzugehen, und ganz
gewiß nicht, um irgend jemanden erschießen zu lassen.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text erschien auch im Buch "Die CIA in Westeuropa", herausgegeben von Philip Agee und Louis Wolf, verlegt von VEB Deutsche Verlag der Wissenschaften in Berlin 1981.
Die Manipulation der Presse zeigt sich heutzutage komplett entlarvend und durchsichtig z.B. an den vielen fingierten Meldungenüber Syrien oder jüngst an den manipulierten Ereignissen in und um Boston. Die Welt so wie sie die meisten wahrnehmen ist schon lange nicht mehr real sondern nur eine Fiktion. Auch wenn die "Wahrheit so hell wie das Tageslicht" ist, aber die meisten Menschen sehen sie nicht.
Was damals der "Volksempfänger" war ist heute TV und Internet. Damals galt als wahr was über Goebbels und seine Helfer propagiert wurde. Heute wird kaum hinterfragt was durch die modernen Medien, die jetzt noch viel mehr Möglichkeiten haben als damals, suggeriert wird.

Artikel hier erfasst: 19.05.2013

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