FAU
Anarchie - freie Drüsen will das Land!
   Suche Gruppen Themen Links Foren Bücher Start   
Themen
Kommentar
Bitcoin Spenden
Anarchismus
Medien
Lyrik
Pressespiegel
USA / Imperialismus / "Globalisierung"
Militarismus
Wirtschaft
Tao Te Ching
Humor
Spiritualität
Arbeits-"leben"
BRD - Ein System im Niedergang
Der Zustand der Linken
Selbstorganisation
Mafia - Grundprinzip unserer Gesellschaft
Der neue Mensch
Bannwild und Freiwild
Ich hab' Mein Sach' auf Nichts gestellt
5 Stunden Woche

Mail: beni@anarchie.de

Jugendschutzbeauftragter:
B. Huber

Vorladungen bitte per Email
an obige Adresse - Danke.

Sie wollen mich anzeigen?
Wenden Sie sich an die
Staatsanwaltschaft München I
z. H. Herrn StA Beß
Linprunstrasse 25
80535 München
Tel. +89/5597-4829
Fax. +89/5597-5145

Sie wollen Anarchie.de finanziell unterstützen?
Bitte hier klicken um die Spende mit Paypal zu verschicken:

 Danke!

Session ID: -1
User -1
Name
ModHits: 1
Bannwild und Freiwild
Im vorletzten Kapitel wurden die Merkzeichen, die bewimpelten Pfähle, erwähnt, mit denen die Jäger ihre vorübergehend verlassene Beute kenntlich machen; nun bedarf es noch eines kurzen Wortes über Gesetze und Vorschriften beim Walfang, als deren Bürge und erhabenes Symbol jener Stock mit der Flagge gelten darf.

Wenn mehrere Schiffe auf demselben Walgrund kreuzen, ereignet es sich oft, daß ein Wal von der Mannschaft des einen Schiffes harpuniert worden ist, danach aber entkommt und schließlich von einem anderen Schiff getötet und erbeutet wird. Dies ist der Fall in großen und allgemeinen Zügen, der jedoch noch viele kleinere Eventualitäten in sich schließt. Zum Beispiel: Ein Wal ist nach mühsamer und gefahrvoller Jagd erlegt worden, der Kadaver wird durch einen heftigen Sturm vom Schiff losgerissen, weit nach Lee abgetrieben und nun von einem zweiten Walfänger erbeutet, der ihn während einer Flaute in aller Gemächlichkeit längsseit schleppt, ohne um Leben oder Leine zittern zu müssen. Daraus würden oftmals die verdrießlichsten, wütendsten Streitereien zwischen den Jägern erwachsen, gäbe es nicht ein Gesetz, geschrieben oder ungeschrieben, aber unbestritten und von allen anerkannt, das sich auf alle derartigen Fälle anwenden läßt.

Vielleicht den einzigen in aller Form niedergelegten und für rechtsverbindlich erklärten Walfang-Kodex gab es in Holland. Er wurde Anno Domini 1695 von den Generalstaaten erlassen. Doch wenn auch keine andere Nation jemals ein geschriebenes Walfanggesetz besessen hat, die amerikanischen Fischer sind in dieser Sache ihre eigenen Gesetzgeber und Rechtsgelehrten geworden Sie haben sich eine Satzung geschaffen, klipp und klar und kurz und bündig, und verständlicher als Justinians Pandekten oder die Statuten der "Chinesischen Gesellschaft zur Bekämpfung der Beschäftigung mit der Einmischung in die Angelegenheiten anderer Leute". Ja, diese Gesetze könnten in einen Kupferdreier, wie ihn Queen Anne hat prägen lassen, oder in den Widerhaken eine Harpune graviert und um den Hals getragen werden, so kurz sind sie.

Römisch Eins: Der "feste" Fisch gehört demjenigen, der daran festgekommen ist - ist also Bannwild.

Römisch Zwei: Der "freie Fisch" ist Freiwild für den, der ihn zuerst fängt.

Der einzige Nachteil dieses meisterlichen Gesetzbuches besteht in seiner bewundernswürdigen Kürze und Gedrängtheit, die einen gewaltigen Band Kommentare zu seiner Auslegung nötig macht.

Zunächst die Frage: Was ist ein Bannwild oder fester Fisch? Sei er lebendig oder tot - ein Fisch gilt für fest, wenn er mit einem bemannten Schiff oder Boot durch irgendein Mittel in Verbindung steht, das die Bemannung oder ein einzelner Mann in ihrer beziehungsweise seiner Gewalt hat; ob es sich bei diesem Mittel um einen Mast, einen Riemen, ein neunzölliges Kabel, einen Telegraphendraht oder einen Spinnenfaden handelt, ist ohne Belang. Ebenso gilt ein Fisch für Bannwild oder fest wenn er ein Flaggenzeichen oder irgendein anderes allgemein anerkanntes Besitz merkmal trägt - solange die Partei, die ihn solchergestalt gezeichnet hat, deutlich ihre Fähigkeit, ihn binnen einer zumutbaren Zeit längsseit zu holen, oder ihre Absicht dartut, solches ins Werk zu setzen.

So die gelehrten Glossatoren; die Kommentare der Waljäger selbst hingegen bestehen nicht selten in kräftigen Worten oder noch kräftigeren Schlägen, dem Corpus juris der Faust. Gewiß, unter rechtschaffenen und ehrlichen Jägern werden in ungewöhnlichen Fällen ungewöhnliche Maßnahmen zugebilligt: wenn es nämlich ein himmelschreiendes Unrecht bedeuten würde, wollte eine Mannschaft Anspruch auf einen Wal erheben, der vorher von einer anderen Mannschaft gejagt oder getötet worden ist. Doch längst nicht alle Waljäger nehmen die Sache so genau.

Vor ungefähr fünfzig Jahren wurde in England ein kurioser Fall von rechtswidriger Inbesitznahme eines Wals vor Gericht verhandelt. Die Kläger brachten vor, sie hätten in den nördlichen Meeren einen Wal unter großen Schwierigkeiten verfolgt, und als es ihnen (den Klägern) glücklich gelungen sei, den Fisch zu harpunieren, hätten sie wegen drohender Gefahr für ihr Leben zuletzt nicht nur ihre Leinen, sondern sogar ihr Boot aufgeben müssen. Darauf seien die Beklagten (die Mannschaft eines anderen Schif fes) ihrerseits an den Wal herangekommen, hätten ihn ebenfalls harpuniert, sodann getötet, längsseit gebracht und ihn schließlich vor den sehenden Augen der Kläger für ihre eigenen Zwecke verwendet. Und als die Kläger dagegen protestierten, hatte der Kapitän der Beklagten ihnen ins Gesicht gelacht, sich seiner Untat auch noch gerühmt und versichert, nun werde er obendrein ihre Leine, ihre Harpunen und ihr Boot einbehalten, denn das alles habe der Wal in dem Augenblick an sich gehabt, als die Beklagten von ihm Besitz ergriffen. Weshalb die Kläger nun um Schadenersatz für Wal, Leine, Harpunen und Boot nachsuchten.

Mr. Erskine war Anwalt der Beklagten, und Lord Ellenborough der Richter. Im Laufe seiner Verteidigungsrede erläuterte der witzige Erskine seinen Standpunkt, indem er auf einen kürzlich verhandelten Fall von Ehebruch verwies: Ein Herr, der lange vergebens die Bosheit seiner Gattin zu zähmen versucht, hatte diese schließlich auf dem Ozean des Lebens allein gelassen; als aber die Jahre vergingen, reute es ihn, und er strengte einen Prozeß auf Rückerstattung seines früheren Eigentums an. Erskine vertrat die Gegenpartei, und zu ihrer Verteidigung führte er aus, der Herr habe die Dame zwar ursprünglich harpuniert und festgemacht und später nur unter dem Druck ihrer Bosheit verlassen, die ihn fast auf den Grund des Lebensozeans hinabgestoßen hätte; jedoch verlassen hatte er sie, so daß sie ein freier Fisch geworden, und wenn daher jetzt ein anderer Herr sie neuerlich harpunient habe, sei die Dame dieses anderen Herrn Eigentum geworden und mit ihr eine jede Harpune, die etwa in ihr gesteckt haben könnte.

In der vorliegenden Sache nun, behauptete Erskine, seien Wal und Dame gleichzusetzen: der eine Fall erhelle den anderen und umgekehrt.

Plädoyer und Gegenplädoyer samt Aussagen beider Parteien waren gebührend zur Kenntnis genommen, worauf der hochgelehrte Richter in wohlgesetzten Worten wie folgt befand: Was das Boot anbetrifft, so sei es den Klägern zuzusprechen, weil dieselben es nur verlassen hatten, um ihr Leben zu retten; bezüglich der streitigen Objekte Wal, Harpunen und Leine sei jedoch zu erkennen, daß sie den Beklagten zu Recht gehörten - der Wal, weil er zu der Zeit seiner endgültigen gefänglichen Einziehung ein freier Fisch gewesen sei; die Harpunen sowie die Leine, weil er (der Fisch), indem er mit ihnen das Weite suchte, ein Eigentumsrecht an ihnen erworben habe, so daß jedermann, der den Fisch danach aufbrachte, rechtens Anspruch auf diese Güter besaß. Nun hatten die Beklagten den Fisch danach aufgebracht; ergo seien die vorgenannten Güter ihr Eigentum.

Ein gewöhnlicher Sterblicher, dem diese Entscheidung des sehr gelehrten Richters vor Augen kommt, könnte möglicherweise einiges dagegen einzuwenden haben. Geht man der Sache jedoch auf den tiefsten Grund, so wird man bei einigem Nachdenken erkennen: Die beiden großen Prinzipien, die in dem vorhin zitierten Zwillings-Walfanggesetz niedergelegt und in dem oben angeführten Falle von Lord Ellenborongh angewandt und aufgehellt worden sind - diese beiden Sätze vom festen Fisch und vom freien Fisch, von Bannwild und Freiwild, bilden die Fundamente aller menschlichen Rechtsprechung; denn ungeachtet seines kunstvoll verschlungenen Maßwerks hat der Tempel des Rechts gleich dem Tempel der Philister nur zwei Grundpfeiler, auf denen er ruht.

Heißt nicht ein Wort in jedermanns Munde: Sei im Besitze, und du wohnst im Recht? - will sagen, keiner fragt dich, wie das Ding in deinen Besitz gekommen ist. Und nicht nur ein halbes Recht, wie die Vorsichtigen meinen, verbürgt der Besitz, sondern oftmals das ganze. Was sind die Sehnen und Seelen der russischen Leibeigenen und der schwarzen Sklaven anderes als ein fester Fisch, als Bannwild, und mit allem Recht Eigentum dessen, der sie besitzt? Was anders als Bannwild ist der letzte Groschen der Witwe für den habgierigen Hauswirt? Was ist der Marmorpalast des höchst ehrenwerten Schurken - was anders als Bannwild mit einem glänzenden Türschild als Kennwimpel? Was ist der Wucherzins, den der Pfandleiher von dem bankrotten Schmerzensreich für das Darlehn erhält, das des Armen Weib und Kind vor dem Hungertod bewahren soll - was anders ist der Wucherzins als Bannwild? Was sind die jährlichen hunderttausend Pfund des Erzbischofs von Seelenheil, die er aus dem kärglichen Brot der hunderttausend krummrückigen Arbeiter zieht, denen allen das Himmelreich gewiß wäre, auch ohne Seelenheils großmütige Hilfe - was sind diese feisten hunderttausend Pfund anderes als Bannwild? Was sind die ererbten Städte und Dörfer des Herzogs von Dumsdorff anderes als Bannwild? Was ist für den vielgefürchteten Harpunier John Bull das arme Irland - was sonst als Bannwild? Und Texas was.ist es für Bruder Jonathan, den puritanisch frommen Lanzenwerfer, anderes als Bannwild? Bedenkt das alles und sagt selber, ob Besitz und Recht nicht eines sind?

Ist schon der Satz vom festen Fisch, dem Bannwild, fast allerorten anwendbar - der verwandten Lehre vom freien Fisch, dem Freiwild, begegnet man auf noch viel weiterem Felde. Denn sie gilt bei allen Völkern, ja in der ganzen Welt.

Was anders war Amerika Anno 1492 als ein freier Fisch, in den Columbus die spanische Standarte stieß, um ihn für seinen königlichen Herrn und seine königliche Herrin zu zeichnen? Was war Polen für den Zaren? Was Griechenland für den Sultan? Was Indien für England? Was wird Mexiko eines Tages für die Vereinigten Staaten sein? Freiwild, nichts als Freiwild.

Was sind die Menschenrechte und die Freiheiten der Welt? Freiwild. Was aller Menschen Meinungen und Gewissen? Freiwild. Was ist ihr Bekenntnis, ihr Glaube? Freiwild. Was sind die Gedanken der Denker für die hochstaplerischen Wortklauber? Freiwild. Was ist der gewaltige Erdball selber? Nur Freiwild. Und was bist du, mein Leser? Auch du bist nur Freiwild - und Bannwild dazu.

aus Moby Dick von Herrmann Melville

Artikel hier erfasst: 17.07.2001

Kommentare
24.04.2004 Zarathustra: ahab + essex = natur = wild
die natur bannt alles. ihre gesetze zu ergründen ist lebenswerk aller menschen, dann über aller kulturideologie steht a priori das menschenwissen um die tödlichkeit von verstössen gegen sie. das, nur das eint alle menschen.

die naturgesetze werden wir weiterhin zu definieren suchen - mit zunehmendem technischen fortschritt wird diese erkenntnis wachsen - ob es erstrebenswert ist, alle naturgesetze mit menschlicher logik aufzuschlüsseln, wage ich zu bezweifeln. kommt am ende z.b. ein determinismusbeweis heraus, müssten die menschen bis dorthin einen neuen sinn gefunden haben ....

also sprach zarathustra
26.02.2007 heinrichs: Das nicht Identische
die natur bannt nichts.sie ist ein spiel um seiner selbst willen.sie hat kein ziel und will nichts,niemanden belehren ,konntrollieren,begünstigen oder benachteiligen. sie hat keinen anfang und kein ende,....wie der kreis,die kugel und alles runde... für den verstand unfassbar wie die unendliche(irrationale)zahl 3,14........................... ,mit der man den radius eines kreises multiplizieren muß, um seine fläche zu berechnen ,was aber im sinne der quadratur des kreises immer unerreichbar ist.diese tatsache ist für mich ausreichender beweis für die nicht-identität von menschlicher vorstellungswelt und wirklichkeit(natur und kultur!!!) .- ich bin mir des negativen wesens dieser aussagen voll bewußt und der meinung ,daß,so unbefriedigend und leer sie auch sein mögen, darüberhinausgehen ein nicht zu rechtfertigendes unterfangen darstellt.
sowohl die auf eigentum u. herrschaft begründete rechtsform (bannwild)wie auch die imaginierte grenzenlose freiheit (freiwild)sind die zwei seiten ein und derselben münze: das geldstück als gleichnis für den triumph menschlicher vermessenheit und selbstfixiertheit.
für diese interessenkonflikte gibt keinerlei,aber auch nicht die geringste,d.h.in zahlen:0(null) rechtfertigung..sie heißen RAUBMORD U, KONKURRENZ.- in entspannten, offenen räumen sind es verträgliche u.selbsterhaltene interaktionen, im hochofen einer kriegerischen und weltweiten wettbewerbskultur werden sie monströs und selbstmörderisch. - Liebe Leute:
lauscht den gesängen der buckelwale,verschrottet alle walfangschiffe dieser welt und macht euch frei von allem bann! wild sein ist viel schöner als jagen!!
Zum selber kommentieren bitte hier Einloggen
Meldungen
Blättern:
[1] 2 3 4 .. 196
19.03.2011
update2: [LPA] (de) FuckUshima! - Der Wind hat sich gedreht.
18.03.2011
[LPA] (de) FuckUshima! - Der Wind hat sich gedreht.
06.03.2011
Edition Nautilus Newsletter
02.03.2011
A-infos-de Nachrichtensammlung, Band 70, Eintrag 1
24.02.2011
A-infos-de Nachrichtensammlung, Band 69, Eintrag 2
16.02.2011
[LPA] (en) @-bookfair/festival in Slovenia, May 2011 (fwd)
11.02.2011
A-infos-de Nachrichtensammlung, Band 69, Eintrag 1
02.02.2011
[LPA] (en) Seventh Zagreb Anarchist Bookfair 2011 (fwd)
27.01.2011
Edition Nautilus Newsletter
24.01.2011
A-infos-de Nachrichtensammlung, Band 68, Eintrag 4
23.01.2011
A-infos-de Nachrichtensammlung, Band 68, Eintrag 3
15.01.2011
A-infos-de Nachrichtensammlung, Band 68, Eintrag 2
11.01.2011
A-infos-de Nachrichtensammlung, Band 68, Eintrag 1
28.12.2010
A-infos-de Nachrichtensammlung, Band 67, Eintrag 4
14.12.2010
A-infos-de Nachrichtensammlung, Band 67, Eintrag 3
10.12.2010
Edition Nautilus Newsletter
07.12.2010
A-infos-de Nachrichtensammlung, Band 67, Eintrag 2
05.12.2010
A-infos-de Nachrichtensammlung, Band 67, Eintrag 1
29.11.2010
Edition Nautilus Newsletter
28.11.2010
[LPA] (de) 11.12. Greifswald: Widerstand gegen Castor nach Lubmin/Greifswald
Blättern:
[1] 2 3 4 .. 196