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"Alle Verbindungen abgebrochen" -
Aber Cheney kassiert weiter von Halliburton

Von Knut Mellenthin

Bevor er Anfang 2001 Vizepräsident wurde, war Dick Cheney Vorsitzender und stellvertretender Generaldirektor des Konzerns Halliburton. Er verließ die Firma mit 30 Millionen Dollar und hat seither angeblich "alle Verbindungen abgebrochen", wie es sich für einen anständigen Politiker, der keine Scherereien bekommen will, gehört.

Stimmt nicht, behauptet die demokratische Opposition, Cheney kassiert weiter. Das Büro des Vizepräsidenten bestätigte jetzt und nannte Zahlen: 147.579 Dollar erhielt Cheney 2001 von Halliburton und 162.393 Dollar im vergangenen Jahr. Aber das seien Zahlungen, die schon 1998 vereinbart wurden und gegen die sich der Vizepräsident ebenso wenig wehren kann wie gegen die Aktienoptionen, die er immer noch besitzt.

Auch wenn "alle Verbindungen abgebrochen" wurden, zahlen sich gute Beziehungen zur Regierung auf jeden Fall aus. Wo immer die US-Armee in Aktion tritt, sind Superaufträge für Halliburtons Tochterfirma Brown and Root garantiert. Operation Enduring Freedom, deren Hauptaktion der Afghanistan-Krieg war: 183 Millionen Dollar. Operation Iraqi Freedom, der Irak-Krieg: 1,7 Milliarden Dollar. Tatsächlich jedoch vermutlich noch weit mehr, denn enthalten ist in dieser Summe ein Auftrag zur Instandsetzung der Ölfelder im Wert von 710 Millionen. Jährlich, wohlgemerkt. Und da der Vertrag eine Option auf Verlängerung bis zu zehn Jahren enthält, kann das Auftragsvolumen auf bis zu 7 Milliarden steigen.

Um nur die größten anderen Aufträge zu nennen: - Unterbringung und Transport amerikanischer Truppen im Irak: 269 Millionen. - Beteiligung am Wiederaufbau des Irak: 170 Millionen. - Anlage und Versorgung des amerikanischen Stützpunkts in Kuwait: 197 Millionen.

- Transportaufgaben Kuwait-Irak: 92 Millionen. - Versorgung und Unterbringung von US-Truppen in der Türkei: 60 Millionen. - Anlage und Versorgung eines amerikanischen Stützpunkts in Jordanien: 40 Millionen.

- Logistische Unterstützung und Unterbringung der US-Truppen in Afghanistan: 52 Millionen.

Auch in Usbekistan (25 Millionen) und in Dschibuti (28 Millionen) müssen amerikanische Soldaten versorgt werden. In Georgien ist Brown and Root sogar an der Ausbildung einheimischer Truppen für den "Anti-Terror-Kampf" beteiligt (23 Millionen). Im Irak waren Kriegsgefangenenlager zu errichten (28 Millionen), und die Teams, die völlig vergeblich nach den legendären irakischen Massenvernichtungswaffen suchen, müssen natürlich auch versorgt werden (40 Millionen).

Brown and Root (und weit abgeschlagen auch andere amerikanische Firmen) verdienen vor allem deshalb so gut am Krieg und seinen Begleitumständen, weil sie viele Aufgaben übernehmen, die früher von Angehörigen der Streitkräfte geleistet wurden, bis hin zur Lieferung warmer Mahlzeiten an die Truppe. Outsourcing nennt man das heute gern. Man schätzt, dass von den rund 4 Milliarden Dollar, die die Besetzung Iraks pro Monat kostet, bereits ein Drittel auf Vertragsfirmen entfällt.

Kritiker wie der demokratische Kongressabgeordnete Henry A. Waxman bezweifeln, ob das Outsourcing dem amerikanischen Steuerzahler wirklich Geld spart, oder ob es nicht im Gegenteil die Kosten in die Höhe treibt. Ein naheliegender Gedanke, denn schließlich kann die Armee, die bescheiden zahlt und keine Profite erzielen soll, die einschlägigen Leistungen sehr viel billiger erbringen als ein Privatunternehmen.

Sollte man meinen. Aber die Befürworter des massiven Outsourcings berufen sich auf die Ergebnisse einer Rentabilitäts-Studie, die nach dem ersten Irak-Krieg 1991 erstellt wurde. Auftraggeber des Projekts war der damalige Verteidigungsminister - Dick Cheney. Und wen wählte er für die Ausarbeitung dieser Untersuchung aus? Richtig vermutet: Brown and Root.

Käme das in einem Film vor, würde man es für maßlos übertrieben, an den Haaren herbeigezogen halten. Aber so ist die amerikanische Realität, an deren Vorbild sich achtungsvoll die Kapitalisten in aller Welt orientieren.

Artikel hier erfasst: 02.10.2003

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