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Kurdische Karte gegen Syrien?
Nach mehreren Quellen soll am 19. Juli soll die Autonomie für Westkurdistan erklärt werden.
Zuschriften dazu im Anhang, vielleicht muß das mit "Autonomie" relativiert werden:
http://syrieninfo.blogspot.de/ 2013/ 07/ nationale-kurdische-bewegung.html
aktuell:
http://civaka-azad.org/ index.php/ 458-freie-syrische-armee-und-islamisten-erklaeren-den-kurdinnen-den-krieg.html


Westkurdistan, das sind Gebiete in denen u.a. Kurden leben in Syrien.

Forderungen nach Autonomie und Selbstverwaltung haben natürlich
grundsätzlich einen Vorschuß in Richtung Berechtigung.

Aber es kommt auch auf den Kontext an, auf die Ziele, auf die Situation
im Land und in den Nachbarländern.

Beispiel Südkurdistan/Irak, die kurdische Bewegung nach Autonomie
verkümmerte dort zum einen zu einen Instrument des Imperialismus,
zum anderen zum Wegbereiter der eigenen Reaktion, d.h.
Großgrundbesitz, Clanstrukturen usw. sind heute stärker wie früher.

Warum ist jetzt gerade der Ruf nach Frieden in der Türkei und in
Nordkurdistan so groß?
Warum starben vor kurzen unter mysteriösen Umständen kurdische
Exilpolitikerinnen in Paris?
Was tun US-Delegationen in Südkurdistan?
Warum redet Öcalan so viel vom Frieden? Weil er einen
Fernseher bekommt und einen schöneren Blick aufs Meer
vom Gefängniszimmer?

In der Türkei rumort es überall und es ist zu hoffen dass das Volk
den Weg zwischen der Sackgasse Kemalismus und der Sackgasse
Islamismus finden wird. Dabei können fortschrittliche kurdische Kräfte
durchaus helfen. Eine gerechte Lösung für Nordkurdistan kann
es weder mit den Muslimbrüdern und Erdogan noch mit den Kemalisten
geben, das sind Illusionen.

Die Türkei schielt nach Syrien und ist weiterhin Aggressor. Eine Gefahr für
Westkurdistan ist dass die Türkei sich ein scheinautonomes Gebiet
Westkurdistan womöglich zum eigenen Anhängsel machen wird.
Wenn Nordkurdistan “friedlich” in der Türkei verbleibt dann wird Westkurdistan
automatisch in den Sog der Türkei und der türkischen Sache geraten.

Zum anderen, die islamistische Karte sticht nicht mehr in Syrien.
Syrien scheint Bestand zu haben, auch Dank Hisbollah und Dank Iran.
Die syrische Bevölkerung ließ sich nicht spalten und es hat sich einerseits
gezeigt, Reformen sind nur mit Assad möglich und sie kommen, unbemerkt
von der Welt, tatsächlich Schritt für Schritt trotz des Krieges.
Sieg für Syrien, Frieden und Reformen sind eins, das haben die Menschen
in Syrien erkannt.

Auch Kurden erlitten Unrecht in Syrien wenn auch Westkurdistan als
das Gebiet galt wo Kurden am wenigsten diskriminiert wurden.
Kurden erhielten z.T. keine syrischen Pässe und litten unter korrupten
Verwaltungsstrukturen in Syrien. Dazu ist jetzt einiges in Bewegung geraten.
Und Westkurdistan war immer ein sicheres Rückzugsgebet für die PKK,
toleriert von Syrien. Viele tausend PKK-Kämpfer befinden sich gegenwärtig
in Syrien, sollen sie zum gleichen Verrat wie die Hamas fähig sein?

Die Hamas wurde lange von Syrien und Iran unterstützt und hat sich jetzt zu den Feinden Syriens gesellt und hat auch der Hisbollah den Krieg erklärt.
Es hat sich schon gerächt, in Ägypten und Katar, in den Ländern ihrer
Hauptsponsoren und Muslimbrüder-Seilschaften hat es Veränderungen gegeben. Die Hamas steht jetzt vor einen Scherbenhaufen.

Es ist deshalb zu hoffen dass die PKK-Kämpfer in Syrien die richtigen Entscheidungen treffen und sich nicht von Stimmen aus dem Hintergrund - die letztendlich der kurdischen Sache schaden - zu falschen Handlungen bringen lassen.
Die syrische Armee und die syrischen Staatsstrukturen haben sich vor geraumer Zeit aus Westkurdistan zurückgezogen.
Westkurdistan sollte und konnte sich selbst verteidigen gegen Islamisten und FSA, z.T. gab es brüchige Waffenstillstände mit einzelnen FSA-Gruppierungen.

Syrien ist jetzt im Reformprozeß und die progressiven Kräfte in Westkurdistan
täten gut daran sich JETZT daran zu beteiligen und einzubringen.
Das würde zum einen die Reformkräfte in Syrien merklich stärken und zum anderen die Autonomie Westkurdistans dauerhaft stärken können.
Eine einseitige Unabhängigkeitserklärung wäre ein großer Fehler.

Eine wie auch immer geartete alleinige und einseitige “Unabhängigkeit” Westkurdistans kann nie Bestand haben, wird zum Werkzeug der Imperialisten degenerieren oder vom Statthalter Türkei geschluckt werden.
Auch die reaktionären Barzani-Kräfte versuchen in Westkurdistan mitzumischen.
So oder so, die sozialen Fortschritte werden bald nicht mehr möglich sein und das Erreichte wird schrittweise zurückgenommen werden oder funktionalisiert.

Am 19. Juli wird also die Unabhängigkeit erklärt werden, am 20. Juli wird
es dann auch in der BRD Solidaritätsaktionen geben. Die Teilnehmer und
Unterstützer dieser Aktionen werden aber womöglich alle funktionalisiert
werden und letztendlich auf der falschen Seite gestanden haben.

Es ist traurig wenn eigentlich progressive Kräfte sich irreleiten lassen
und dann nur noch Teil der letzten Karte des Imperialismus gegen Syrien
geworden sind. Andere Karten die noch stechen könnten hat er nicht mehr.

(aus AnaRKomM)

Nachtrag: Eine der Quellen ist:
http://www.presstv.ir/ detail/ 2013/ 07/ 13/ 313572/ pkk-syria-branch-to-declare-autonomy/

Aus einen kritischen Brief an die Redaktion:

Liebe Genossen,
gut, dass ihr das meldet. Denn so erfahren die Kurden wenigstens auf anarchie.de, dass sie am 19. Juli in Westkurdistan die Autonomie oder sogar Unabhängigkeit ausrufen wollen. In den kurdischen Medien, auch den PKK- und PYD-nahen, findet sich nämlich nichts derartiges. Leider habt ihr keine Quelle angegeben, so dass ich vermuten muss, dass diese geheim ist.

Der 19. Juli ist der erste Jahrestag der Übernahme der Kontrolle über eine Reihe kurdischer Städte durch Volksräte. Das wird am 19. Juli vermutlich mit großen Demonstrationen gefeiert werden. Die "demokratische Autonomie" in Westkurdistan wurde allerdings schon im vergangenen Jahr nicht nur erklärt wurde, sondern seitdem auch praktiziert. Nach dem Verständnis von Öcalan, PKK und PYD bedeutet "demokratische Autonomie" nicht territoriale Autonomie oder gar Eigenstaatlichkeit, sondern der Aufbau basisdemokratischer Rätestrukturen und kommunale Selbstverwaltung. Beim Kongress von KCK und Kongra-Gel vergangene Woche wurde die Stärkung der Selbstverwaltungsstrukturen in Westkurdistan beschlossen, von Unabhängigkeit war niemals die Rede.

Das wäre übrigens auch Selbstmörderisch, da Westkurdistan aus mehreren voneinander getrennten kurdisch besiedelten Enklaven besteht. Schon jetzt ist die Grenze zur Türkei und nach Südkurdistan/Nordirak geschlossen. Die Türkei und Barzani haben ein Hungerembargo gegen die kurdische Rätebewegung verhängt. Unabhängigkeit würde bedeuten, nun auch noch die Verbindung der Enklaven untereinander und nach Restsyrien zu kappen. Für wie blöd haltet ihr eigentlich die Kurden in Syrien?

Vor zwei Wochen demonstrierten in Berlin kurdische Anhänger der Freien Syrischen Armee vor dem yek-kom-Verein gegen "die Diktatur von PKK und PYD". Auf Plakaten waren "die Mörder in Syrien" zu sehen. Nämlich Assad, Nasrallah und PYD-Chef Salih Muslim. Die US-Regierung hat kurz darauf ebenfalls die angebliche Diktatur der PYD in Syrien verurteilt. Hier läuft zur Zeit eine Kampagne von USA, Al Qaida, Türkei bis zur Jungle World, wonach die PYD/PKK mit Assad zusammenarbeiten würden.
.....
Tatsache ist: Zur Zeit wehren sich die Selbstverteidigungseinheiten YPG in Westkurdistan bewaffnet gegen die Angriffe von Al Qaida und Freier Syrischer Armee. Dabei griffen auch türkische Militärs auf syrischem Gebiet auf Seiten der Freien Syrischen Armee ein.

http://www.diekurden.de/ news/ westkurdistan/ ypg-20-bewaffnete-kampfer-in-efrin-getotet-0823324/

Die PYD hat von Anfang an klar gemacht, sich weder auf die Seite der Regierung noch der sogenannte Rebellen zu schlagen, solange beide Seiten das kurdische Selbstbestimmungsrecht ablehnen. Die Selbstverteidigungseinheiten sperren Westkurdistan sowohl für die FSA wie für die Regierungstruppen.

http://www.diekurden.de/ news/ westkurdistan/ ypg-warnt-fsa-und-syrisches-regime-vor-einmarsch-in-qamishlo-3623328/

Bei der Genfer Syrien-Konferenz ist die PYD übrigens auf Einladung Rußlands vertreten nachdem es Gespräche in Moskau gab.

Ihr solltet euch mal direkt auf die PYD und ihr nahe Quellen stützen und nicht auf anonyme Internetquellen.

Bei Civaka Azad gibt es regelmäßig Infos zur Situation in Syrien und Westkurdistan. Außerdem verschickt die PYD alle paar Tage ein Bulletin.

Grüße N.

WEITERE ERGÄNZUNG

Bald müssten auch die Beschlüsse der Kngra-Gel/KCK-Generalversammlung von letzter Woche auch alle übersetzt sein. Darin tritt die PKK einerseits für die Stärkung der kurdischen Selbstverwaltungsstrukturen in Syrien ein,ruft andererseits zur Wachsamkeit gegenüber Angriffen auf Syrien auf und tritt zudem für eine Festigung des Waffenstillstandes zwischen ihrem iranischen Arm PJAK und der iranischen Regierung auf

Eine Kurzfassung ist hier:
http://en.firatajans.com/ news/ news/ kck-and-kongra-gel-release-political-attitude-manifest.htm

Darin steht auch der mißverständliche Satz, der jetzt wohl zu den Gerüchten über die Ausrufung von Autonomie oder Unabhängigkeit geführt hat.

-to advance the present politics in Rojava, to declare interim governance and to achieve the level of building a Kurdish local government

Gemeint ist damit die Stärkung der seit einem Jahr praktizierten Selbstverwaltungsstrukturen durch Volksräte in den kurdischen Städten, ohne Grenzveränderungen in Syrien vorzunehmen. Seit letztem Jahr wird die politische Autonomie in Westkurdistan praktiziert, eine territoriale Autonomie wird nicht angestrebt, weil sich damit die kurdischen Enklaven isolieren würden, in Westkurdistan außer Kurden auch Araber und christliche Minderheiten leben und viele Kurden in Aleppo und Damaskus außerhalb der kurdischen Siedlungsgebiete wohnen, aber ebenfalls ihre eigenen Rätestrukturen und Selbstschutzeinheiten bilden.

Die Erringung der faktischen Autonomie durch die Übernahme der Kontrolle in den kurdischen Städten durch die zuvor im Untergrund vorbereiteten Volksräte wurde im vergangenen Jahr notwendig, als der Krieg auf die kurdischen Gebiete überzugreifen drohte. Die Räte müssen sich jetzt auch um die Versorgung der Bevölkerung einschließlich einer halben Million Flüchtlinge aus anderen Landesteilen kümmern, darunter auch viele Araber und Christen, die vor dem Djhadisten-Terror geflohen sind.

Vor ein paar Wochen hat PKK-Chef Murat Karayilan auch noch mal deutlich gemacht, dass die Kurden in Syrien längst "faktische Autonomie" haben, aber keinen eigenen Staat anstreben:

http://diepresse.com/ home/ politik/ aussenpolitik/ 1421676/ PKK_Wir-wollen-keinen-kurdischen-Nationalstaat

Die türkische Tageszeitung Türkiye, auf die sich das Gerücht von der Ausrufung von Autonomie oder Unabhängigkeit am 19.Juli stützt, ist übrigens eine AKP-nahe islamisch-nationalistische Tageszeitung und damit wahrlich kein guter Gewährsmann für Entwicklungen in Syrien.

Grüße N.









Artikel hier erfasst: 13.07.2013

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